Tem­po 150 auf der Au­tostra­da

Ein Le­ga-Po­li­ti­ker will die Höchst­ge­schwin­dig­keit auf be­stimm­ten Au­to­bahn­ab­schnit­ten er­hö­hen. Das fin­den selbst­kri­ti­sche Ita­lie­ner eher ge­fähr­lich.

Zürcher Unterländer - - Die Letzte - San­dro Ben­i­ni

Ita­li­ens Au­to­bah­nen ge­hö­ren zu den teu­ers­ten der Welt, nun soll man auf ih­nen da­für so schnell fah­ren dür­fen wie sonst fast nir­gends. Denn Ales­san­dro Mo­rel­li, der Prä­si­dent der Ver­kehrs­kom­mis­si­on im ita­lie­ni­schen Par­la­ment, will das Tem­po­li­mit auf sechs­spu­ri­gen, elek­tro­nisch über­wach­ten und mit ei­nem spe­zi­el­len An­ti-Aqua­pla­ning-Be­lag ver­se­he­nen Au­to­bahn­ab­schnit­ten auf 150 Ki­lo­me­ter pro Stun­de er­hö­hen. Der Ver­kehr wür­de flüs­si­ger, die Rei­se­zeit kür­zer, die Be­we­gungs­frei­heit grös­ser, be­grün­det der Mai­län­der Le­ga-Po­li­ti­ker sei­nen Vorstoss.

Si­cher­heits­be­den­ken trei­ben ihn nicht um. «Die Fahr­zeu­ge sind heu­te mit hoch­ent­wi­ckel­ten Si­cher­heits­sys­te­men aus­ge­stat­tet», zi­tiert ihn die Zei­tung «Cor­rie­re del­la Se­ra». Die gel­ten­de Höchst­ge­schwin­dig­keit von 130 Ki­lo­me­ter pro Stun­de sei «un­nö­ti­ger­wei­se streng» und «ein Kind ver­gan­ge­ner Zei­ten». Das wah­re Pro­blem ist laut Mo­rel­li die Ablen­kung am Steu­er, was in neun von zehn Fäl­len mit dem Han­dy zu­sam­men­hän­ge. «Als Mo­tor­rad­fah­rer muss ich je­den Tag ei­nen Au­to­mo­bi­lis­ten zum Teu­fel wün­schen, weil er selt­sa­me Ma­nö­ver macht und da­bei das Han­dy in der Hand hält.»

In der Ver­kehrs­kom­mis­si­on hät­ten ihm al­le zu­ge­stimmt, und auch aus der Be­völ­ke­rung sei ihm Be­geis­te­rung ent­ge­gen­ge­bran­det, be­tont Mo­rel­li.

Die Ein­zi­gen, die we­nig Be­geis­te­rung zeig­ten, sei­en Po­li­ti­ker von 5 Stel­le. Ne­ben der Mi­gra­ti­ons­po­li­tik, dem Bud­get, der Am­nes­tie für Steu­er­sün­der und dem Bau von Hoch­ge­schwin­dig­keits­zü­gen könn­te al­so bald ein wei­te­res The­ma die Ko­ali­ti­ons­re­gie­rung aus Rechts- und Link­s­po­pu­lis­ten ent­zwei­en. Die 5 Stel­le be­fürch­ten, man wer­de da­nach zahl­rei­che Un­fäl­le den hö­he­ren Tem­po­li­mi­ten an­las­ten. Aus­ser­dem ist Mo­rel­lis An­lie­gen mit dem öko­lo­gi­schen Ge­wis­sen der Be­we­gung kaum ver­ein­bar. Das ita­lie­ni­sche Ge­setz er­laubt be­reits jetzt, auf be­stimm­ten Ab­schnit­ten Tem­po 150 zu­zu­las­sen, doch hat sich bis­her kei­ner der pri­va­ten Au­to­bahn­be­trei­ber da­zu ent­schlos­sen.

In In­ter­net­fo­ren stösst Mo­rel­lis Vor­schlag kei­nes­wegs nur auf Zu­stim­mung. «Zu­erst die Ablen­kung be­kämp­fen, dann die Höchst­ge­schwin­dig­keit er­hö­hen, sonst ha­ben wir ge­nau gleich vie­le un­auf­merk­sa­me Au­to­fah­rer, die aber mit hö­he­rer Ge­schwin­dig­keit un­ter­wegs sind. Wo bleibt da die Si­cher­heit?», fragt ein Kom­men­ta­tor. Und ein zwei­ter gibt zu be­den­ken, dass vie­le Ita­lie­ner oh­ne­hin im­mer 20 Ki­lo­me­ter pro Stun­de zu schnell un­ter­wegs sind. «Dank Mo­rel­li fah­ren wir bald 170.»

«Die gel­ten­de Höchst­ge­schwin­dig­keit von 130 Ki­lo­me­ter ist ein Kind ver­gan­ge­ner Zei­ten.»

Ales­san­dro Mo­rel­li

Fo­to: PD

Will Tem­po 150: Le­ga-Po­li­ti­ker Ales­san­dro Mo­rel­li.

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