Al­ko­hol ist die häu­figs­te Ur­sa­che für Ba­de­un­fäl­le

Zürichsee-Zeitung (Horgen) - - Vorderseite - Lin­da Ko­po­nen

ZÜRICHSEE Ge­ra­de am dicht be­bau­ten Zürichsee wird nicht nur in Strand­bä­dern ge­ba­det. Wer an un­be­auf­sich­tig­ten Stel­len ins Was­ser springt, ist auf sich al­lei­ne ge­stellt.

In der Son­ne lie­gen, ein Bier trin­ken und wenn es zu heiss wird, ei­nen Sprung ins küh­le Was­ser wa­gen. Was nach ei­nem per­fek­ten Som­mer­pro­gramm klingt, ist nicht ganz un­ge­fähr­lich. Im Durch­schnitt er­trin­ken in der Schweiz jähr­lich 45 Per­so­nen.

Ei­ne der häu­figs­ten Un­fall­ur­sa­chen ist Al­ko­hol- oder Dro­gen­kon­sum. Ge­fähr­lich wird es auch, wenn El­tern ih­re Kin­der un­be­auf­sich­tigt las­sen oder wenn sich Nicht­schwim­mer auf Luft­ma­trat­zen oder Pool­nu­deln ins tie­fe Was­ser wa­gen.

Auf dem Zürichsee sind töd­li­che Ba­de­un­fäl­le zwar sel­ten, die Schwei­ze­ri­sche Le­bens­ret­tungs-Ge­sell­schaft (SLRG) mahnt aber den­noch zur Vor­sicht. «Deut­lich häu­fi­ger als To­des­fäl­le pas­sie­ren Ver­let­zun­gen», sagt Phil­ipp Bi­naghi, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­lei­ter der SLRG. Im Ver­gleich zu an­de­ren Schwei­zer Ge­wäs­sern gibt es am Zürichsee nur we­nig frei­en Ufer­raum. Des­halb kon­zen­trie­ren sich die Ba­de­ak­ti­vi­tä­ten zu ei­nem Gross­teil auf die be­auf­sich­tig­ten Strand­bä­der.

Auf ei­ge­nes Ri­si­ko

Dort sind ne­ben den Ba­de­meis­tern die lo­ka­len SLRG-Sek­tio­nen im Ein­satz – in Wä­dens­wil et­wa im Strand­bad und auf der Ba­de­wie­se Nagli­kon. «Vor al­lem wenn viel Be­trieb herrscht, al­so an den Wo­che­n­en­den, steht von uns im­mer je­mand am See und passt auf», sagt Su­san­ne Naun­heim, tech­ni­sche Lei­te­rin der SLRG Wä­dens­wil. Ins Was­ser sprin­gen kann man auch oh­ne In­fra­struk­tur und Auf­sicht. In Rap­pers­wil-Jo­na et­wa lockt die Wie­se bei Buss­kirch an schö­nen Som­mer­ta­gen vie­le Ba­de­freu­di­ge an. «Das Ba­den an sol­chen Stel­len ge­schieht auf ei­ge­nes Ri­si­ko», sagt Stadt­schrei­ber Hans­jörg Gol­de­ner.

Ein­tritt gleich Auf­sicht

Auch in Män­ne­dorf gibt es ne­ben der Ba­di Son­nen­feld an­de­re in­of­fi­zi­el­le Ba­de­or­te. Be­liebt ist zum Bei­spiel die Wie­se un­ter­halb des Spi­tals. Wie in Buss­kirch sor­gen dort Ret­tungs­rin­ge für die Si­cher­heit der Ba­den­den. Hin­weis­ta­feln mit den Ba­de­re­geln der SRLG oder ei­nen Ba­de­meis­ter sucht man hin­ge­gen bei­der­orts ver­geb­lich.

Nicht im­mer lässt sich von of­fi­zi­ell an­mu­ten­der In­fra­struk­tur auf ei­ne Ba­de­auf­sicht schlies­sen. Ein sol­cher Fall ist der Ba­de­platz Lu­dre­ti­kon in Thal­wil. Im Ge­gen­satz zu den bei­den an­de­ren Thal­wi­ler See­bä­dern Bür­ger I und II ist die Lu­di­ba­di seit dem Früh­ling 2016 un­be­wacht, da­für aber gra­tis. Vor Ort ma­chen Schil­der auf die Si­tua­ti­on auf­merk­sam. «Die Ba­de­gäs­te kön­nen da­von aus­ge­hen, dass ein Ba­de­meis­ter vor Ort ist, wenn Ein­tritt be­zahlt wird», sagt der Sport­be­auf­trag­te Ralf Oeh­ri.

Re­geln über­setzt

Weit­aus wich­ti­ger für die Si­cher­heit als die Ba­de­auf­sicht ist laut SRLG aber das rich­ti­ge Ver­hal­ten der Ba­den­den. «Die Ret­tungs­schwim­mer kön­nen nicht auf je­de ein­zel­ne Per­son ach­ten», sagt Naun­heim. «Die bes­te Prä­ven­ti­on von Un­fäl­len ist die Ein­hal­tung der sechs Ba­de­re­geln.» Weil von den Was­ser­un­fäl­len über­durch­schnitt­lich vie­le Aus­län­der be­trof­fen sind, hat die SLRG die­se in acht Spra­chen über­setzt.

WÄ­DENS­WIL 60 ak­ti­ve Mit­glie­der der Schwei­ze­ri­schen Le­bens­ret­tungs-Ge­sell­schaft, Sek­ti­on Wä­dens­wil, leis­ten je­des Wo­che­n­en­de Bad­wa­che im Wä­dens­wi­ler Strand­bad, auf der Ba­de­wie­se Nagli­kon und im Hal­len­bad. Kürz­lich ha­ben sie trai­niert.

24 Frau­en und Män­ner zwi­schen 16 und 80 Jah­ren ver­sam­mel­ten sich am Don­ners­tag­abend auf der Ba­de­wie­se Nagli­kon in der Au. Sie sind Ret­tungs­schwim­mer der Schwei­ze­ri­schen Le­bens­ret­tungs-Ge­sell­schaft (SLRG), Sek­ti­on Wä­dens­wil. Im Som­mer leis­tet je­weils ein Mit­glied der SLRG am Sams­tag und Sonn­tag Bad­wa­che auf der Ba­de­wie­se Nagli­kon. Ein wei­te­res un­ter­stützt den Bad­meis­ter im Strand­bad Wä­dens­wil. Im Win­ter wird dem Bad­meis­ter im Hal­len­bad je­weils am Sonn­tag von ei­nem SLRG-Mit­glied un­ter die Ar­me ge­grif­fen. Al­so im­mer dann, wenn viel Be­trieb herrscht. Fi­nan­ziert wer­den die Ein­sät­ze von der Stadt Wä­dens­wil.

Steg birgt Ge­fah­ren

Da­mit die Ret­tungs­schwim­mer ih­ren Ein­satz­ort ken­nen, fin­det je­weils im Früh­ling und Herbst ein Bad­wach­trai­ning statt. Die­ses Mal auf der Ba­de­wie­se Nagli­kon. Su­san­ne Naun­heim, Tech­ni­sche Lei­te­rin, ist ver­ant­wort­lich für die Übun­gen. An die­sem Trai­ning be­schäf­ti­gen sich die Ret­tungs­schwim­mer mit den Vor- und Nach­tei­len der ver­schie­de­nen Ret­tungs­ge­rä­te so­wie den Ge­fah­ren­stel­len im und am Was­ser bei der Nagli­ko­ner Ba­de­wie­se. In zwei Grup­pen auf­ge­teilt, ma­chen sich die­se an die Übun­gen. Die ei­ne dis­ku­tiert Ge­fah­ren­stel­len. Der Holz­steg zum Bei­spiel, der ne­ben dem Ba­de­häus­chen ins Was­ser führt, birgt Ri­si­ken. «Wenn ihn vie­le Leu­te be­nut­zen, kann er sehr rut­schig wer­den», gibt ei­ne Teil­neh­me­rin zu be­den­ken. Ei­ne an­de­re er­gänzt, dass es kei­ne Ab­sper­rung hat und das Was­ser rund um den Steg nicht tief ist. Da­nie­la Mar­ty, Ak­tua­rin und Teil des Wett­kampf­teams, be­spricht un­ter­des­sen mit der an­de­ren Grup­pe die ver­schie­de­nen Ret­tungs­ge­rä­te. Die Ret­tungs­schwim­mer sind sich ei­nig, dass man den Ball aus Schaum­stoff im Netz zwar gut wer­fen kann, da er aber kei­ne Lei­ne hat, kann man ihn nicht mehr zu­rück­ho­len. «Die­ser Ball eig­net sich für ei­ne er­schöpf­te Per­son, die sich noch sel­ber hal­ten kann und et­was aus­ru­hen möch­te», er­klärt Mar­ty.

Im­mer die Au­gen of­fen ha­ben

Als be­son­ders hilf­reich er­ach­tet die Ret­tungs­schwim­me­rin den gel­ben Gur­tret­ter. Na­tür­lich darf un­ter den Ret­tungs­mit­teln aber auch die oran­ge Ret­tungs­bo­je nicht feh­len. «Je­der Schwim­mer muss für sich her­aus­fin­den, wel­ches Ge­rät ihm am bes­ten liegt», sagt Da­nie­la Mar­ty und er­gänzt: «Aber im Ernst­fall nimmt man ein­fach das, was ei­nem als Ers­tes in die Hän­de kommt.»

Ue­li Mitsch­ke ist das äl­tes­te Mit­glied der SLRG-Sek­ti­on Wä­dens­wil. Der 78-Jäh­ri­ge hat­te in all sei­nen Jah­ren als Ret­tungs­schwim­mer zum Glück noch kei­nen Ernst­fall. Aber er ist sich si­cher, dass er im Ernst­fall rich­tig re­agie­ren wür­de und ei­ne Per­son ret­ten könn­te. Da­für trai­niert er wö­chent­lich – seit 44 Jah­ren. Das Ver­hal­ten der Ba­de­gäs­te, auf der Ba­de­wie­se, im Strand­bad wie auch im Hal­len­bad ha­be sich ver­än­dert. «Vie­le neh­men uns nicht ernst und wer­den manch­mal so­gar frech», er­zählt er. Da­bei wol­le er nicht be­leh­ren, son­dern prä­ven­tiv wir­ken, da­mit gar nicht erst et­was pas­sie­re.

Prä­ven­ti­ons­ar­beit ist denn auch ein zen­tra­ler Punkt der Ba­de­wa­che, wie Su­san­ne Naun­heim be­stä­tigt. «Wir wol­len die Ba­de­gäs­te auf Ge­fah­ren sen­si­bi­li­sie­ren und prä­ven­tiv auf sie ein­wir­ken.» Al­ler­dings müs­se den Gäs­ten auch klar sein, dass die Ret­tungs­schwim­mer zwar Hil­fe leis­ten, aber nicht die Ver­ant­wor­tung für das Han­deln der an­de­ren über­neh­men kön­nen. «Ein­zel­be­treu­ung ist nicht un­se­re Auf­ga­be», stellt Naun­heim klar. Ei­ne der Jüngs­ten im Team ist Sa­ra Pan­ta­sis. Die 16-Jäh­ri­ge ist so­eben zu den Ak­ti­ven über­ge­tre­ten und kann nun auch Ba­de­wa­che hal­ten. «Es ist ein spe­zi­el­les und gu­tes Ge­fühl, zu wis­sen, dass ich je­man­den ret­ten könn­te», sagt sie. Den­noch hofft sie, dass dies nie nö­tig wird. Seit sie bei der SLRG ist, ach­tet Sa­ra Pan­ta­sis ver­mehrt auf das Ver­hal­ten an­de­rer Ba­de­gäs­te, auch wenn sie pri­vat am Ba­den ist.

Schnitt­wun­den do­mi­nie­ren

«Gros­se Un­fäl­le sind in den letz­ten Jah­ren in Wä­dens­wil und in der Au kei­ne vor­ge­kom­men», sagt Su­san­ne Naun­heim. Häu­fig hät­ten sie Ba­ga­tell­un­fäl­le und Ver­let­zun­gen wie Bie­nen­sti­che oder Schnitt­wun­den von Ba­de­gäs­ten, die sich zum Bei­spiel an Glas­scher­ben oder Mu­scheln schnei­den. Su­san­ne Nau­heim rät da­her ih­ren Kol­le­gen, vor ih­rem Ein­satz als Ba­de­wa­che über das gan­ze Ge­län­de zu ge­hen und nach Scher­ben Aus­schau zu hal­ten. «Lest die Scher­ben auf, ihr er­spart euch viel Ar­beit», lau­tet ihr Tipp zum Schluss.

Fo­to: Ma­nue­la Matt

Bay­watch am Zürichsee: Rund 60 Ret­tungs­schwim­mer be­hal­ten an den Wo­che­n­en­den die wich­tigs­ten Ba­de­plät­ze im Au­ge.

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