Fas­zi­na­ti­on Tour de Suis­se

Zürichsee-Zeitung (Horgen) - - Vorderseite - Fa­bi­en­ne Senn­hau­ser

Die 6. Etap­pe der Tour de Suis­se en­de­te ges­tern in Gom­mis­wald – Grund für ein Volks­fest.

GOM­MIS­WALD Ges­tern war die Tour de Suis­se zu Gast in Gom­mis­wald. Gross und Klein ge­noss das Volks­fest und peitsch­te die Rad­cracks nach 186 Ki­lo­me­tern ins Ziel.

Weis­se Kreu­ze auf ro­tem Grund, en­er­gi­sche Hopp-Ru­fe, un­ter­malt von schril­len Vu­vu­zelaklän­gen – in Gom­mis­wald herrsch­te am Don­ners­tag aus­ge­las­se­ne Volks­fest­stim­mung. Der Grund war nicht et­wa die be­gin­nen­de Fussball-Welt­meis­ter­schaft, son­dern der Be­such des Tour-de-Suis­seTros­ses im Lin­th­ge­biet. Die sechs­te Etap­pe führ­te die Renn­pro­fis von Fiesch VS via Fur­kaund Klau­sen­pass ins Gas­ter­land.

«Me­ga­cool, end­lich läuft mal et­was in un­se­rem Kaff», fasst es die 14-jäh­ri­ge Sang­mo zu­sam­men. «Das ist viel bes­ser als Schu­le», er­gänzt ih­re Freun­din Mir­jam. Die bei­den Gom­mis­wal­der Ober­stu­fen­schü­le­rin­nen ha­ben so­eben das Schü­ler­ren­nen hin­ter sich ge­bracht. Drei Ki­lo­me­ter galt es zu über­win­den. Die letz­ten Me­ter durf­ten die Schü­le­rin­nen und Schü­ler, an­ge­feu­ert durch ih­re Fa­mi­li­en und Freun­de, gar auf der Ori­gi­nal­stre­cke zu­rück­le­gen. Nach der Pflicht folgt nun das Ver­gnü­gen: Mir­jam und Sang­mo ge­nies­sen es sicht­lich, durch das Tour-de-Suis­se-Vil­la­ge zu zie­hen. Denn zu se­hen und zu er­le­ben gibt es da so ei­ni­ges.

«Das hal­be Dorf hat frei­ge­nom­men»

Im Zelt des Tour-Haupt­spon­sors üben sich die bei­den Schwei­zer Ex-Mis­sen Do­mi­ni­que Rin­der­knecht und Lin­da Fäh ge­ra­de im Lip­pen­le­sen: «Ah, Schupf­nu­deln», platzt es da aus dem Mund der Benk­ne­rin Fäh. Schal­len­des Ge­läch­ter bricht aus. «Strumpf-ho-s-e-n», pro­biert es Rin­der­knecht noch ein­mal. Der Zwan­zi­ger fällt. Chal­len­ge com­ple­ted. Die Men­ge tobt. Nun bie­tet sich die Ge­le­gen­heit für Sel­fies und Au­to­gram­me. Wäh­rend­des­sen has­tet Da­ni­el Schmucki, Me­dien­chef des Gom­mis­wal­der OK, von ei­nem Ort zum an­de­ren. Trotz dem vie­len Hin und Her ist Schmucki bes­ter Lau­ne. «Das hal­be Dorf hat frei­ge­nom­men, um hier zu sein. Das ist ein­fach toll.» Be­reits um zwei Uhr mor­gens hät­ten die ers­ten Hel­fer ih­re Di­ens­te an­ge­tre­ten. Nach rund 13 St­un­den Ar­beit ist es nun Zeit für ei­ne ers­te Bi­lanz: «Bis­her lief al­les her­vor­ra­gend.» Ein­zig ein Gut­schein, der spä­ter am Abend als Preis über­ge­ben wer­den soll, sei nicht recht­zei­tig an­ge­kom­men. Aber auch die­ses Pro­blem­chen kann Schmucki nicht aus der Ru­he brin­gen. «Ich neh­me den gan­zen Tag, wie er kommt.» Sagt es und hängt schon wie­der am Han­dy. Nicht ver­za­gen, den Schmucki fra­gen, scheint die De­vi­se des Ta­ges. Das zeigt sich auch we­nig spä­ter: «Da­ni, hast du noch von den ro­ten Arm­bänd­chen?» Selbst­ver­ständ­lich hat er. «Ich tra­ge al­les, von der Si­cher­heits­na­del bis zum Gold­v­rene­li, bei mir.»

Nach dem Ren­nen ist vor dem Volks­fest

Im­mer mehr Men­schen strö­men jetzt auf das Tour-de-Suis­seGe­län­de. Fleis­sig wer­den die vie­len Wer­be­ge­schen­ke ein­ge­sam­melt, die die di­ver­sen Tour-Spon­so­ren be­reit­hal­ten. Manch ei­ner ver­sucht sich auch im Ziel­wurf oder er­kun­det mit­tels 360-Grad-Bril­le die Welt des Schwei­zer Fern­se­hens. «Mein Herz läuft Ma­ra­thon», singt He­le­ne Fi­scher. Den Renn­cracks dürf­te es ge­ra­de ähn­lich ge­hen. Gut 60 Ki­lo­me­ter sind sie jetzt noch vom Etap­pen­ziel ent­fernt. Über 120 ha­ben sie be­reits in den Bei­nen. Auf den zwei Gross­bild­schir­men kön­nen auch die Zu­schau­er in Gom­mis­wald das Ge­sche­hen mit­ver­fol­gen. Vor Ort ist auch Ge­or­ges Lüchin­ger. Seit 1991 ist er der of­fi­zi­el­le Spea­ker der Tour de Suis­se und ver­sorgt die Zu­schau­er an den Etap­pen­zie­len mit den wich­tigs­ten Ren­nin­for­ma­tio­nen. Nicht al­le ver­mö­gen sei­nem Re­de­schwall im­mer ganz zu fol­gen, der­art schnell reiht Lüchin­ger die Sät­ze an­ein­an­der.

«Ei­ne Vier­tel­stun­de noch», ver­kün­det der Spea­ker dann aber. Die­se Bot­schaft hat Gross und Klein ver­stan­den. Al­le strö­men nun in den Ziel­be­reich. Mit klei­nen Kuh­glo­cken und Schwei­zer Fähn­li aus­ge­stat­tet, rei­hen sie sich an den Git­tern auf den letz­ten gut 100 Me­tern Renn­stre­cke auf. Und auch die Han­dys sind ge­zückt. Un­ter to­sen­dem Ap­plaus wird Ta­ges­sie­ger Sö­ren Kragh An­der­sen in Gom­mis­wald emp­fan­gen. Nur we­nig da­hin­ter kommt mit Ri­chie Por­te auch das Gel­be Le­a­der­tri­kot ins Ziel. Kaum ge­sche­hen, löst sich der gröss­te Teil des Men­schen­mobs auch schon wie­der auf. Die ei­nen zieht es gleich nach Hau­se, die an­de­ren zum Bier- oder Wurst­stand. «Jetzt be­ginnt das Volks­fest», fasst Da­ni­el Schmucki es zu­sam­men. Wäh­rend die Tour- und Me­di­en­ver­ant­wort­li­chen be­reits den nächs­ten Tag im Blick ha­ben, fängt für das Gom­mis­wal­der OK der Event erst rich­tig an. Für die lo­ka­le Be­völ­ke­rung wur­de in der Hal­le der Holz­bau Linth Gm­bH ein viel­fäl­ti­ges Abend­pro­gramm zu­sam­men­ge­stellt. Man ha­be sich kaum vor An­mel­dun­gen ret­ten kön­nen, er­zählt Schmucki. Vor al­lem der Fan-Talk mit ehe­ma­li­gen Rad­renn­fah­rern, mo­de­riert durch die Ra­dio­le­gen­de Hen­ri Gam­mentha­ler, ha­be die Mas­sen an­ge­zo­gen.

Das of­fi­zi­el­le Fest­pro­gramm von Gom­mis­wald en­det um Mit­ter­nacht. Gleich da­nach geht es ans Auf­räu­men. Bei Son­nen­auf­gang dann wird die Tour be­reits nur noch ei­ne schö­ne Er­in­ne­rung in den Köp­fen der Gom­mis­wal­der sein. Für die Eschen­ba­cher hin­ge­gen geht der Ve­lo-Tru­bel erst rich­tig los.

Fo­tos: Mo­ritz Ha­ger

Fach­sim­peln mit Aus­sicht: Die Gom­mis­wal­der Fans las­sen es sich gut ge­hen.

Po­sie­ren fürs Er­in­ne­rungs­fo­to: Die bei­den Ex-Mis­sen Lin­da Fäh (l.) und Do­mi­ni­que Rin­der­knecht sind ge­fragt.

Mit Fähn­chen und lau­ten Hopp­Ru­fen wer­den Ri­chie Por­te (gelb) und sei­ne Kol­le­gen ins Ziel ge­peitscht.

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