Er­do­gans Brief

Zürichsee-Zeitung (Horgen) - - Ausland -

Bei den Tür­ken in der Schweiz sorgt ein Pro­pa­gan­d­a­b­rief für Auf­re­gung, der von Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan per­sön

lich un­ter­zeich­net ist. Als Ab­sen­der fi­gu­riert die Par­tei AKP, doch über dem Brief prangt das of­fi­zi­el­le Sie­gel des Prä­si­den­ten der tür­ki­schen Re­pu­blik. In dem zwei­sei­ti­gen Schrei­ben for­dert Er­do­gan die Schwei­zer Tür­ken nicht nur da­zu auf, an die Ur­nen zu ge­hen, son­dern er ruft sie un­ver­hoh­len da­zu auf, bei der Wahl am 24. Ju­ni sei­ne Par­tei, die AKP, zu «un­ter­stüt­zen». Ge­mäss Re­ak­tio­nen in den so­zia­len Me­di­en ist da­von aus­zu­ge­hen, dass Tau­sen­de von Tür­ken in der Schweiz den Brief in den letz­ten Ta­gen er­hal­ten ha­ben, eben­so wie Aus­land­tür­ken in an­de­ren Län­dern. In dem Brief preist Er­do­gan die Er­run­gen­schaf­ten sei­ner Re­gie­rungs­zeit und be­tont, dass auch die tür­ki­sche Dia­spo­ra von sei­nem Wir­ken pro­fi­tiert ha­be. «Da­mit eu­re Kin­der ih­re Mut­ter­spra­che, ih­re Re­li­gi­on und ih­re Kul­tur ler­nen kön­nen, ha­ben wir Tau­sen­de von Leh­rern und Re­li­gi­ons­ver­tre­ter im Aus­land da­mit be­auf­tragt», schreibt er et­wa in dem Brief, über den in der Schweiz zu­erst die «Ta­ge­sWo­che» und der «Blick» be­rich­tet ha­ben.

In der Schweiz fra­gen sich vie­le Tür­ken vor al­lem, wo­her die AKP ih­re Adres­sen hat. «Es ist stos­send, dass ei­ne Re­gie­rungs­par­tei ir­gend­wo­her mei­ne Adres­se be­kommt, um Pro­pa­gan­da zu ver­schi­cken», sagt der schwei­ze­risch-tür­ki­sche Dop­pel­bür­ger Bü­lent Pe­ker­man, ehe­ma­li­ger GLP-Gross­rat von Ba­sel-Stadt.

Für Fra­ge­zei­chen sorgt auch, dass auf den Cou­verts als Ab­sen­der ei­ne Post­fach­a­dres­se in Salz­burg auf­ge­druckt ist. Das an­ge­ge­be­ne Post­fach ge­hö­re je­doch ei­ner ös­ter­rei­chi­schen Bank, sagt Ay­din Yil­di­rim, Chef­re­dak­tor der tür­kisch­spra­chi­gen Schwei­zer Zei­tung «Ha­ber Po­di­um». In Ös­ter­reich wur­de ges­tern dar­um der Ver­dacht laut, der Brief könn­te al­len­falls ge­fälscht sein. Laut An­ga­ben von Yil­di­rim ist in der Tür­kei der Ver­sand von Wahl­pro­pa­gan­da an Aus­land­tür­ken ei­gent­lich seit 2008 per Ge­setz ver­bo­ten. Bei der tür­ki­schen Bot­schaft in Bern war trotz meh­re­rer Ver­su­che nie­mand zu er­rei­chen.

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