Gros­ses Spek­ta­kel

Zürichsee-Zeitung (Horgen) - - Vorderseite - Jé­rô­me Stern

Noch bis heu­te Abend flit­zen Renn­droh­nen um den Schloss­hü­gel in Rap­pers­wil.

RAP­PERS­WIL-JO­NA Noch bis heu­te Abend steu­ern die bes­ten Droh­nen­pi­lo­ten der Welt ih­re Flug­ge­rä­te um den Schloss­hü­gel. Die Re­dak­ti­on hat das ein­zi­ge Schwei­zer Team am ers­ten Tag des Dro­ne Prix Rap­pers­wil be­glei­tet.

Die Sze­ne­rie auf dem Schloss­hü­gel von Rap­pers­wil-Jo­na scheint un­wirk­lich: Wo sonst le­dig­lich ein paar Tou­ris­ten und ver­lieb­te Paa­re fla­nie­ren, herrscht am Frei­tag Be­trieb­sam­keit wie in ei­nem Bie­nen­stock. Ent­lang ei­ner Mau­er rei­hen sich et­li­che Zel­te, da­vor ei­len jun­ge Män­ner und Frau­en her­um. Der Ort wirkt, als wür­de ein frem­des Heer das Schloss be­la­gern.

Es ist der zwei­te Tag des Dro­ne Prix Zü­rich­see, des ers­ten in­ter­na­tio­na­len Droh­nen­ren­nens der Schweiz. Die bes­ten Droh­nen­pi­lo­ten der Welt steu­ern leis­tungs­star­ke Renn­qua­dro­k­op­ter durch ei­nen 600 Me­ter lan­gen Hin­der­nis­par­cours auf dem Schloss­hü­gel. Am Start sind sie­ben in­ter­na­tio­na­le Teams, dar­un­ter die Swiss Black Ki­tes. Kurz vor dem ers­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­lauf be­rei­ten sich die Pi­lo­ten Mir­ko Ce­se­na, Ra­pha­el Stra­ehl, Micha­el Is­ler und Da­rio Neu­en­schwan­der im Te­am­zelt auf ih­ren Lauf vor. Vor ih­nen auf ei­nem Holz­tisch be­fin­den sich die Renn­droh­nen, Ak­kus, La­de­ge­rä­te und Werk­zeu­ge.

Es­sen und Schrau­ben

Wäh­rend die Schwei­zer Pi­lo­ten ihr Mit­tag­es­sen ver­spei­sen, kon­trol­liert Trai­ner Marc Hei­ni­ger die Tech­nik, wech­selt die Pro­pel­ler der Flug­ge­rä­te – und scheint die Ru­he selbst zu sein. Zum Par­cours meint Hei­ni­ger: «Die Stre­cke beim Schloss­hü­gel ist tech­nisch an­spruchs­voll.» Klar ist auch: Heim­vor­teil wie et­wa beim Fuss­ball gibt es nicht, auch wenn das Ren­nen in der Schweiz statt­fin­det. Grund da­für sei, dass die Mehr­zahl der Droh­nen­fans nicht an den Ort des Ge­sche­hens pil­ger­ten, son­dern die Ren­nen lie­ber im In­ter­net oder Fernsehen ver­fol­gen wür­den.

Für den Trai­ner ist das Ziel fürs Wo­che­n­en­de klar: Min­des­tens ein Po­dest­platz muss für sein Team her­aus­schau­en. Ei­ne gu­te Plat­zie­rung ist um­so wich­ti­ger, als die Swiss Black Ki­tes zur­zeit in der Renn­se­rie, der Dro­ne Cham­pi­ons Le­ague, auf dem sieb­ten und zweit­letz­ten Platz lie­gen. Hei­ni­ger weiss je­doch, dass der Er­folg nicht ein­fach sein wird. Die Kon­kur­ren­ten sind ab­ge­brüh­te Pro­fis – manch ei­ner lebt aus­schliess­lich von Droh­nen­ren­nen. Zu­dem braucht es Durch­hal­te­wil­len: nicht we­ni­ger als acht Qua­li­fi­ka­ti­ons­läu­fe und sechs Ren­nen ste­hen wäh­rend der nächs­ten 24 St­un­den auf dem Pro­gramm. An die­sem Frei­tag­nach­mit­tag hält sich der Pu­bli­kums­an­drang noch in Gren­zen. Da­für sind et­li­che Fern­seh­teams vor Ort.

Wie zor­ni­ge Rie­sen­in­sek­ten

Mitt­ler­wei­le sind die Qua­li­fi­ka­ti­ons­läu­fe in vol­lem Gang: Un- mit­tel­bar vor den Schwei­zern flie­gen die ja­pa­ni­schen Cracks von Rai­den Ra­c­ing. Ein zor­ni­ges Sum­men durch­schnei­det die Luft, als je­weils zwei Droh­nen nach­ein­an­der vom Start­platz ab­he­ben. Wie toll­wü­ti­ge Rie­sen­in­sek­ten sau­sen sie vom Start­platz beim Schloss dem Hirsch­park ent­lang, ver­schwin­den zwi­schen Bäu­men in Rich­tung See­ba­di, um nach knapp 25 Se­kun­den zu­rück­zu­keh­ren. Wo­bei sie stets zwei Run­den flie­gen. Plötz­lich hört man ei­nen dump­fen Knall. Ei­ne der ja­pa­ni­schen Droh­nen ist mit über 100 Ki­lo­me­tern pro St­un­de in ei­nen Baum ge­kracht und liegt lä­diert im Hirsch­park – zwei Me­ter ne­ben dem Hirsch­bul­len. Der hebt neu­gie­rig den Kopf, schnup­pert am Ge­rät – und wen­det sich ge­lang­weilt ab, um wei­ter­zu­gra­sen. Die sum­men­den Din­ger am Him­mel schei­nen die Hir­sche nicht wei­ter zu stö­ren.

Tak­tisch flie­gen

Bei der Qua­li­fi­ka­ti­on ha­ben sich die Schwei­zer her­vor­ra­gend ge­schla­gen: Sie ste­hen in den Halb­fi­nals. Doch da­mit ste­hen sie vor ei­nem Pro­blem: Sol­len sie auf Num­mer si­cher flie­gen und sich mit dem drit­ten Platz be­gnü­gen?

Ei­ne der ja­pa­ni­schen Droh­nen ist mit über 100 Ki­lo­me­tern pro St­un­de in ei­nen Baum ge­kracht.

Oder sol­len sie vol­les Ri­si­ko ge­hen und so even­tu­ell den zwei­ten oder gar ers­ten Platz an­stre­ben? «Wir werden tak­tisch flie­gen und ei­nen si­che­ren drit­ten Platz an­stre­ben», sagt Trai­ner Hei­ni­ger. «Das be­deu­tet aber auch, dass wir kei­ne Chan­ce ha­ben, in den Fi­nal­lauf zu kom­men.»

Es ist 20 Uhr, als die Schwei­zer Pi­lo­ten die Büh­ne für den Halb­fi­nal be­tre­ten. Vom nun­mehr deut­lich grös­se­ren Pu­bli­kum werden sie an­ge­feu­ert. Vier Ren­nen müs­sen sie ge­gen das eng­li­sche Team Nexx­b­la­des flie­gen. Die En­g­län­der sei­en prak­tisch un­schlag­bar, meint Hei­ni­ger. Tat­säch­lich ha­ben die Swiss Black Ki­tes in den Ren­nen kei­ne Ge­winn­chan­ce – aber sie be­en­den al­le vier Halb­fi­nal­läu­fe. Das be­deu­tet, sie er­hal­ten wert­vol­le Fi­nis­her-Punk­te. Was wie­der­um heisst, dass sie am ers­ten Abend des Dro­ne Prix Zü­rich­see den drit­ten Rang er­rei­chen. Hei­ni­ger und sei­ne Pi­lo­ten strah­len zu­frie­den. Und heu­te Sams­tag stei­gen die nächs­ten Ren­nen. Viel­leicht er­gibt sich da ja ei­ne noch bes­se­re Plat­zie­rung für die Ki­tes. Pro­gramm und Re­sul­ta­te un­ter www.dcl.ae­ro

Fo­tos: Ue­li Frey

si­cher durch den Rap­pers­wi­ler Par­cours und er­rei­chen am ers­ten Tag den gu­ten drit­ten Rang: Das Schwei­zer Team Swiss Black Ki­tes mit (von links) Mir­ko Ce­se­na, Ra­pha­el Stra­ehl, Micha­el Is­ler und Da­rio Neu­en­schwan­der.

Sie steu­ern ih­re Droh­nen

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