Es rap­pelt in der Kis­te

Zürichsee-Zeitung (Horgen) - - Auto - Da­ve Schnei­der

VW Ei­ne GTI-Ver­si­on des win­zi­gen Up? Nein, ver­nünf­tig ist das nicht – da­für um­so wit­zi­ger.

Schüt­tel­be­cher, Berg-und-Tal­Bahn, Wil­de Maus: Die Na­men die­ser Chil­bi-Klas­si­ker aus mei­ner Ju­gend stim­men nost­al­gisch, nun werden sie al­le­samt in ei­nem Au­to ver­eint. Das klingt nicht nur ko­misch, das ist es auch – ur­ko­misch. Um nicht zu sa­gen: saug­latt. Al­so: «Al­les ein­stei­gen, die nächs­te Fahrt geht los!»

Als VW En­de 2011 den win­zi­gen Up lan­cier­te, hat die Fach­pres­se be­reits über ei­nen GTI-Ver­si­on spe­ku­liert. So rich­tig dar­an ge­glaubt hat aber kei­ner. Deut­sche In­ge­nieu­re sind ja nicht gera­de

Neu auf dem Markt

für ih­ren Hu­mor be­kannt, so sagt man, und so sind die Au­tos aus dem nörd­li­chen Nach­bar­land eher sach­lich, be­son­ders die aus Wolfs­burg. Auch die mit dem GTI-Badge hin­ten­dran.

Und nun die­ses Glanz­stück. 115 PS ste­hen knapp ei­ner Ton­ne ge­gen­über – beim Hau den Lu­kas wür­de das Ding in den Or­bit ge­spickt werden. Okay, das Blech ist dünn, als Au­to­scoo­ter eig­net sich der Up GTI da­her we­ni­ger, trotz agi­ler Len­kung. Da­für wür­de er beim Büch­sen­schies­sen ein gu­tes Ziel ab­ge­ben. Zu­cker­wat­te es­sen ist über­haupt kein Pro­blem, die Hart­plas­ti­k­land­schaft lässt sich zur Not auch mit dem Hoch­druck­rei­ni­ger ab­sprit­zen. Für lau­te Dis­co-Klän­ge sorgt die gu­te Sound­an­la­ge, so­fern man denn will, und ge­winnt man tat­säch­lich mal die­sen gros­sen Ted­dy­bä­ren, den man sei­ner Liebs­ten ja un­be­dingt schies­sen will – kei­ne Sor­ge, der passt lo­cker in den Fond, der Up GTI ist auch als Fünf­tü­rer er­hält­lich.

Das Fahr­er­leb­nis ist gross­ar­tig. Gut, ab und zu wird es laut in dem Wä­gel­chen, wenn man et­was schnel­ler über ei­ne Land­stras­se braust; dann rap­pelt es in der Kis­te. Aber das sorgt nicht für Na­sen­rümp­fen, son­dern für ein di­ckes Grin­sen: Mit die­sem Au­to fühlt es sich im­mer schnell an, auch wenn man in mo­de­ra­tem Tem­po un­ter­wegs ist; man spürt die Strasse, die Rä­der, die Mecha­nik. Dank des ge­rin­gen Ge­wichts lenkt der Up GTI flott und wil­lig ein, zieht gie­rig in die Kur­ven und schwän­zelt auf der Brem­se wie ein Pin­scher beim Stöck­chen­ho­len.

Okay, prak­tisch und güns­tig ist der Up GTI nicht – aber er bie­tet den Fahr­spass, den vie­le Pu­ris­ten seit Jahr­zehn­ten ver­mis­sen. Was man bes­ser ma­chen könn­te? Die Hand­schal­tung ist zwar gut, doch längst nicht auf dem Ni­veau ei­nes Maz­da MX-5 oder ei­nes Hon­da Ci­vic Ty­pe-R. Die Sit­ze dürf­ten mehr Sei­ten­halt bie­ten. Und ja, ein USB-Port im Cock­pit wä­re nett, denn ein Na­vi­ga­ti­ons­ge­rät gibt es im Up nicht, son­dern nur ei­ne Hal­te­rung für ein kop­pel­ba­res Smart­pho­ne. Und auch sonst hat man heut­zu­ta­ge ja al­ler­hand mo­bi­le Ge­rä­te zum Auf­la­den – hier wur­de am fal­schen Ort ge­spart.

Der Preis schliess­lich könn­te et­was volks­na­her sein – die fast 22 000 Fran­ken un­se­res Test­wa­gens sind schon ein stol­zer Preis für so ein Winz­ling. Doch auch die Chil­bi­bah­nen aus den al­ten Ta­gen wa­ren im­mer zu teu­er. Ge­fah­ren ist man da­mit trotz­dem – stets mit ei­nem ver­zück­ten Lä­cheln.

Fo­tos: PD

Spass wie auf der Chil­bi­bahn: Der VW Up GTI ist sehr klein, sehr leicht und präch­tig ab­ge­stimmt.

Ty­pi­sche GTI­In­si­gni­en wie das Ka­ro­mus­ter auf den Sit­zen ge­hö­ren da­zu.

Auch der Up GTI wird als Drei- und als Fünf­tü­rer an­ge­bo­ten.

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