Das Tes­sin muss sein Bur­ka­ver­bot lo­ckern

Zürichsee-Zeitung (Horgen) - - Schweiz -

BE­SCHWER­DE Ge­mäss dem Bun­des­ge­richt muss die Ver­hül­lung bei De­mons­tra­tio­nen oder Wer­be­ak­tio­nen er­laubt sein.

Seit Mit­te 2016 gilt im Tes­sin ein Ver­hül­lungs­ver­bot. Nun muss der Kan­ton das ent­spre­chen­de Ge­setz aber im Hin­blick auf po­li­ti­sche Kund­ge­bun­gen und ge­werb­li­che Ver­an­stal­tun­gen ent­schär­fen, wie das Bun­des­ge­richt auf Be­schwer­den von zwei Pri­vat­per­so­nen hin ent­schie­den hat. Das Tes­si­ner Kan­tons­par­la­ment, der Gros­se Rat, wer­de die Ge­setz­ge­bung zum Ver­bot, das Ge­sicht zu ver­hül­len, um zu­sätz­li­che Aus­nah­me­tat­be­stän­de er­gän­zen müs­sen, hält das Bun­des­ge­richt zum Ur­teil fest. Die bei­den Ge­set­ze, mit de­nen die 2013 vom Stimm­volk gut­ge­heis­se­ne Initia­ti­ve um­ge­setzt wird, ent­hal­ten ab­schlies­send for­mu­lier­te Aus­nah­men vom Ver­hül­lungs­ver­bot. Hin­sicht­lich der Ver­samm­lungs­und Mei­nungs­frei­heit so­wie der Wirt­schafts­frei­heit be­deu­te­ten die­se Be­stim­mun­gen ein un­ver­hält­nis­mäs­si­ges Ver­bot, hält das Ge­richt fest.

Es for­dert des­halb, die Ge­setz­ge­bung so zu er­gän­zen, dass Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer ei­ner De­mons­tra­ti­on Mas­ken tra­gen kön­nen, wenn es die öf­fent­li­che Ord­nung nicht ge­fähr­det. Auch Wer­be­ak­tio­nen oder ge­werb­li­che An­läs­se, bei de­nen Ge­sich­ter be­deckt werden, müs­sen trotz Ver­hül­lungs­ver­bot mög­lich sein. Mit der Fra­ge, ob das Ver­hül­lungs­ver­bot mit der Re­li­gi­ons­frei­heit ver­ein­bar ist, be­schäf­tig­ten sich die obers­ten Rich­ter im Land nicht. Dies hät­ten die bei­den Be­schwer­de­füh­rer nicht be­strit­ten, hielt das Bun­des­ge­richt als Be­grün­dung da­zu fest. Das Bun­des­ge­richt hiess die bei­den Be­schwer­den teil­wei­se gut. Wei­te­re Rü­gen, die die Ab­sen­der im Zu­sam­men­hang mit an­de­ren Grund­rech­ten er­ho­ben hat­ten, wies das Bun­des­ge­richt hin­ge­gen als un­be­grün­det ab.

Fuss­ball­fans be­trof­fen

Das Tes­sin führ­te als ers­ter Kan­ton ein Ver­bot ein, im öf­fent­li­chen Raum das ei­ge­ne Ge­sicht zu ver­hül­len. Die Stimm­be­rech­tig­ten nah­men 2013 ei­ne ent­spre­chen­de Initia­ti­ve auf kan­to­na­ler Ebe­ne an und ziel­ten da­bei vor al­lem auf die Voll­ver­schleie­rung (Bur­ka) und den Ge­sichts­schlei­er (Ni­qab) ab. Das ent­spre­chen­de Ge­setz ist seit 1. Ju­li 2016 in Kraft. Vom Ver­hül­lungs­ver­bot be­trof­fen sind bis­her vor al­lem ver­mumm­te Fuss­ball­fans, wie die kan­to­na­le Jus­tiz­di­rek­ti­on An­fang Au­gust mel­de­te. Frau­en mit Bur­ka oder Ni­qab wur­den da­ge­gen kaum je ge­büsst. Seit Ju­li 2016 gab es 37 Ver­fah­ren so­wie ei­ni­ge Ver­war­nun­gen oh­ne Po­li­zei­be­richt. Wer vor­sätz­lich ge­gen das Ver­bot ver­stösst, ris­kiert ei­ne Bus­se zwi­schen 100 und 10 000 Fran­ken. Am ver­gan­ge­nen 23. Sep­tem­ber stimm­te auch der Kan­ton St. Gal­len ei­nem Ver­hül­lungs­ver­bot zu. Der Kan­tons­rat hat­te das Ver­bot En­de 2017 mit den Stim­men von SVP und CVP be­schlos­sen. Meh­re­re Jung­par­tei­en er­grif­fen da­ge­gen das Re­fe­ren­dum, schei­ter­ten je­doch an der Ur­ne. Zur na­tio­na­len Bur­kaInitia­ti­ve «Ja zum Ver­hül­lungs­ver­bot» des Eger­kin­ger Ko­mi­tees hat die Lan­des­re­gie­rung ei­nen Ge­gen­vor­schlag in die Ver­nehm­las­sung ge­ge­ben. Dem­nach sol­len Kon­tak­te mit be­stimm­ten Be­hör­den mit un­ver­hüll­tem Ge­sicht er­fol­gen müs­sen. Zum an­de­ren soll jeg­li­cher Zwang, das Ge­sicht zu ver­hül­len, straf­bar sein.

Frau­en mit Bur­ka oder Ni­qab wur­den da­ge­gen kaum je ge­büsst.

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