Heiz­öl­preis heizt ein

Der Preis für Heiz­öl liegt auf ei­nem Mehr­jah­res­höchst­wert. Zu Be­ginn der Heiz­pe­ri­ode be­ob­ach­ten Lie­fe­ran­ten in der Re­gi­on ei­ne Zu­nah­me der An­fra­gen. Ex­per­ten ge­hen da­von aus, dass das ho­he Preis­ni­veau bis En­de Jahr sta­bil bleibt.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Vorderseite - Der Haus­hal­te und Ar­beits­plät­ze in der Re­gi­on Zü­rich werden noch mit Heiz­öl be­heizt. Tho­mas Schär

Der Heiz­öl­preis kennt zur­zeit prak­tisch nur ei­ne Rich­tung – nach oben. Auch wenn es am Don­ners­tag, be­dingt durch ei­nen Ein­bruch an den Ak­ti­en­märk­ten, zu ei­ner leich­ten Er­ho­lung kam, so deu­tet der­zeit nichts dar­auf hin, dass sich an die­ser an­hal­ten­den Auf­wärts­ent­wick­lung bald et­was än­dern wür­de. Kei­ne Freu­de ha­ben vor al­lem die Haus­be­sit­zer – und dies zu Be­ginn der neu­en Heiz­pe­ri­ode.

Die all­jähr­li­che Heiz­pe­ri­ode hat be­gon­nen und da­mit bei vie­len Haus­be­sit­zern der ban­ge Blick auf den Heiz­öl­preis­in­dex. Die Mehr­heit der Ge­bäu­de­be­sit­zer las­sen ih­re Tanks im Herbst fül­len, al­so dann, wenn es auch ge­braucht wird. Das bringt in die­sem Jahr hap­pi­ge Mehr­kos­ten mit sich, auch wenn die Öl­prei­se am Don­ners­tag kräf­tig ge­sun­ken sind. Ges­tern kos­te­ten 100 Li­ter Heiz­öl 106.95 Fran­ken. Vor ei­nem Jahr wa­ren es noch knapp 80 Fran­ken. Al­lein im Sep­tem­ber leg­te der Preis um 10 Pro­zent zu.

Hö­he­re Schluss­zah­lun­gen

Zur Ver­teue­rung mass­geb­lich bei­ge­tra­gen hat ne­ben dem Aus­fall ei­ner Raf­fi­ne­rie in Süd­deutsch­land und dem tie­fen Rhein­pe­gel vor al­lem die Ve­r­un­si­che­rung an den Bör­sen. Dies we­gen des Han­dels­em­bar­gos der USA ge­gen­über dem Iran, ei­nem der gros­sen Öl­ex­por­teu­re, und dem Han­dels­streit mit Chi­na, der am Don­ners­tag zu ei­nem Kurs­sturz führ­ten. Da­zu kom­men die För­der­aus­fäl­le in den USA we­gen des Hur­ri­kans Micha­el. Mar­kus Mei­er, Di­rek­tor beim Haus­ei­gen­tü­mer­ver­band (HEV) Schweiz, geht da­von aus, dass die Prei­se bis En­de Jahr ziem­lich sta­bil blei­ben dürf­ten. Ei­ne ge­wis­se Ent­span­nung kön­ne er­fol­gen, wenn der Pe­gel­stand des Rheins wie­der an­steigt. Das Nied­rig­was­ser die­ses Som­mers ha­be die Trans­port­kos­ten spür­bar stei­gen las­sen. «Wenn nicht zwin­gend drin­gen­der Be­darf be­steht», wür­de Mei­er erst wie­der ein­kau­fen, «wenn der Preis un­ter 100 Fran­ken liegt».

Für die Ver­mie­ter sieht Mei­er ne­ben den rei­nen Mehr­kos­ten für das Heiz­öl ei­ne wei­te­re Her­aus­for­de­rung. Vie­le Haus­be­sit­zer hät­ten auf­grund der in den letz­ten Jah­ren tie­fe­ren Öl­prei­se die mo­nat­li­chen Akon­to­zah­lun­gen für die Ne­ben­kos­ten re­du­ziert. Der nun wie­der hö­he­re Öl­preis wer­de sich in der de­fi­ni- ti­ven Ver­brauchs­ab­rech­nung be­merk­bar ma­chen, welche sach­be­dingt zeit­ver­zö­gert er­fol­ge: «Es dürf­te dann ver­mehrt der Fall sein, dass hö­he­re Schluss­zah­lun­gen fäl­lig werden, weil die Schluss­ab­rech­nung deut­lich hö­her aus­fällt als die Sum­me der ge­leis­te­ten mo­nat­li­chen Akon­to­zah­lun­gen.»

Ei­nen klei­nen Trost für Mie­ter und Ver­mie­ter gibt es: Auf­grund des war­men Wet­ters in die­sem Jahr dürf­ten we­ni­ger Heiz­ta­ge an­fal­len als auch schon. Zu­dem sind nach An­ga­ben von Mei­er im­mer mehr Ge­bäu­de im­mer bes­ser iso­liert, an­der­seits die Öl­hei­zun­gen in ih­rer Wir­kung im­mer ef­fek­ti­ver ge­wor­den. Ins­ge­samt ist der Heiz­öl­markt in der Schweiz rück­läu­fig. In der Re­gi­on Zü­rich spielt aber – wie in al­len an­de­ren Re­gio­nen – Heiz­öl im Hei­zungs­markt mit ei­nem An­teil von knapp 50 Pro­zent nach wie vor die mit Ab­stand wich­tigs­te Rol­le, ge­folgt von Gas und Wär­me­pum­pen. Von der der­zei­ti­gen Öl­preis­hausse pro­fi­tie­ren die lo­ka­len Lie­fe­ran­ten vor Ort nicht. «Wir be­lie­fern die End­kon­su­men­ten mit Heiz­öl, Die­sel und Ben­zin. Un­se­re Mar­ge ist un­ab­hän­gig vom je­wei­li­gen Preis­ni­veau», sagt Jan Fehr, Lei­ter Mar­ke­ting bei Oel-Hau­ser AG in Au-Wä­dens­wil. Di­rekt mehr ver­die­ne, wer das Öl för­de­re. Oel-Hau­ser be­schäf­tigt 18 Mit­ar­bei­ter so­wie 20 Fremd­fahr­zeu­ge und be­lie­fert die gan­ze Deutsch­schweiz. Ak­tu­ell be­ob­ach­tet Fehr ei­ne Zu- nah­me der An­fra­gen be­tref­fend den Heiz­öl­preis. Er emp­fiehlt, das Preis­ni­veau ge­nau im Au­ge zu be­hal­ten und auch ei­nen all­fäl­li­gen Zu­kauf zu wa­gen. Vor den Fest­ta­gen sei die Nach­fra­ge nach Heiz­öl meist so­wie­so schon gross, was zu län­ge­ren Lie­fer­fris­ten und un­ter Um­stän­den hö­he­ren Prei­sen füh­ren könn­te.

Nach­fra­ge zeigt nach oben

Auch Mar­tin Rich­li, Lei­ter Ein­kauf bei Os­ter­wal­der Zü­rich AG, wünsch­te sich als un­ab­hän­gi­ger Markt­teil­neh­mer ger­ne tie­fe­re Prei­se: «Da wir die Be­stän­de an der Bör­se ab­si­chern und un­se­re Ein­käu­fe auf den in­ter­na­tio­na­len Öl­prei­sen auf­ge­rech­net werden, pro­fi­tie­ren wir nicht bei an­stei­gen­den Prei­sen.» Das sich in Fa­mi­li­en­be- sitz be­fin­den­de Han­dels­un­ter­neh­men ist Teil der Avia-Ver­ei­ni­gung und be­treibt 90 Tank­stel­len der Mar­ke Avia. Mit den bei­den Heiz­öl­lie­fe­ran­ten Günthardt (Küs­nacht) und Wett­stein (Hor­gen) ver­fügt Os­ter­wal­der über zwei wich­ti­ge Stand­bei­ne am lin­ken und rech­ten See­ufer.

Die Nach­fra­ge nach Heiz­öl hat aus Sicht von Rich­li auf­grund der Sai­so­na­li­tät und re­la­tiv tie­fen Tank­be­stän­de eher zu­ge­nom­men. Ein gros­ser Teil der Kund­schaft ver­fol­ge die Preis­ent­wick­lung. Aus sei­ner Sicht wird in der Re­gel im Som­mer auf­ge­füllt, «was aber lei­der in die­sem Som­mer we­gen der ver­gleichs­wei­se ho­hen Prei­se ge­gen­über der letz­ten Jah­re und des Hit­ze­som­mers nicht statt­fand».

Fo­to: Keysto­ne

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