Nach dem Ap­fel­se­gen spru­delt der Süss­most

Die Obst­bau­ern in der Re­gi­on dür­fen sich über ei­ne über­aus üp­pi­ge Ern­te freu­en – beim Ta­fel- wie beim Most­obst. Kein Wun­der, fliesst jetzt in der Kun­den­mos­te­rei von Ni­k­laus Gis­ler im Hir­zel der süs­se Saft ge­press­ter Äp­fel in Strö­men.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Zürichsee - Ar­thur Schäp­pi in der Re­gi­on sind die­ses Jahr reich mit Früch­ten be­han­gen. pur­zeln die Äp­fel über ei­ne Rut­sche in ein Was­ser­bad . . . geht es wei­ter in die Müh­le. wird mit ei­ner Ei­sen­stan­ge her­aus­ge­kratzt.

Auf dem Hof von Bau­er Ni­k­laus Gis­ler am Renn­weg ob Hir­zelSpit­zen sta­peln sich Ha­ras­se vol­ler leuch­tend far­bi­ger Äp­fel. Süss-sau­rer Duft hängt in der Luft und ein klap­pern­des Ge­räusch ist zu ver­neh­men. Es stammt von ei­ner me­cha­ni­schen Rätz­müh­le, in der gera­de Hoch­stam­mäp­fel der Sor­ten Bo­sko­op, Spar­tan, Sau­er­grau­ech und Schnei­der zer­klei­nert und ge­raf­felt werden: Ni­k­laus Gis­ler ist am Mos­ten. In sei­ner Kun­den­mos­te­rei gibt es die­se Sai­son we­gen der über­aus üp­pi­gen Ap­fel­ern­te denn auch be­son­ders viel zu tun. Seit Wo­chen schon setzt der 33-jäh­ri­ge Hirz­ler Land­wirt nun sei­ne Most­pres­se je­den zwei­ten Tag in Be­trieb. Die letz­ten bei­den Wo­chen stand sie so­gar täg­lich im Dau­er­ein­satz.

Auch Klein­kun­den will­kom­men

Mit der Pro­duk­ti­on hat­te der Kun­den­mos­ter schon am 22. Au­gust be­gon­nen – rund drei Wo­chen frü­her als in an­de­ren Jah­ren. «Die Hoch­stamm­bäu­me sind reich be­han­gen und die An­lie­fe­rungs­men­gen enorm», be­stä­tigt er. Da­bei ha­be der tro­cke­ne und heis­se Som­mer den Äp­feln of­fen­sicht­lich nicht viel an­ha­ben kön­nen. Die Qua­li­tät sei eher über­durch­schnitt­lich, und nur un­ter den zu al­ler­erst ge­ern­te­ten Sor­ten ha­be es klei­ne­re Früch­te als üb­lich ge­habt. Ein­zel­ne Obst­pro­du­zen­ten lie­fern manch­mal Men­gen von 1,5 bis 2 Ton­nen zum Pres­sen in den Hir­zel. Will­kom­men aber sind dort auch pri­va­te Klein­kun­den, die viel­leicht nur ei­nen oder zwei Ap­fel­bäu­me in ih­rem Vor­gar­ten ste­hen ha­ben und ger­ne ih­ren ei­ge­nen Most trin­ken möch­ten. 10 000 Li­ter Ap­fel­saft hat Ni­k­laus Gis­ler die­ses Jahr be­reits pro­du­ziert – fast dop­pelt so viel wie in der gan­zen Sai­son 2017, als die Ern­te als Fol­ge von Frost wäh­rend der Blü­te­zeit äus­serst spär­lich aus­ge­fal­len war. Bis zum ver­län­ger­ten Sai-

«Die Hoch­stamm­bäu­me sind reich be­han­gen und die An­lie­fe­rungs­men­gen enorm.» Ni­k­laus Gis­ler, Bau­er und Kun­den­mos­ter

so­n­en­de von Mit­te No­vem­ber dürf­ten es nun 13 000 bis 14 000 Li­ter werden.

An­ge­lie­fert werden die rei­fen Baum­früch­te gröss­ten­teils aus der nä­he­ren Re­gi­on, häu­fig mit Trak­tor und La­de­wa­gen oder Kip­per, klei­ne­re Men­gen et­wa auch in Ha­ras­sen im Kof­fer­raum von Per­so­nen­wa­gen.

Zu­erst gehts ins Was­ser­bad

Be­vor die Mo­st­äp­fel dann mit ei­ner För­der­schne­cke und ei­nem Trans­port­band in die Müh­le ver­frach­tet werden, pur­zeln und plump­sen sie erst ein­mal durch ei­nen Trich­ter in ein Was­ser­bad, wo sie ge­wa­schen und wo al­len­falls an­ge­faul­te oder lä­dier­te Ex­em­pla­re von Ni­k­laus Gis­ler oder sei­ner Le­bens­part­ne­rin Tir­za Ade aus­sor­tiert werden. Den nach dem Mahl­pro­zess üb­rig ge­blie­be­nen Mai­schen­brei kratzt Gis­ler je­weils mit ei­ner Ei­sen­stan­ge aus dem Aus­fluss­rohr der Müh­le und füllt da­mit ei­ne hy­drau­li­sche Presse, aus der dann zu gu­ter Letzt der na­tur­trü­be Süss­most quillt.

Der frisch ge­press­te Saft wird in Me­tall­tanks ab­ge­pumpt und ruht dort erst ein­mal über Nacht. Dort wird er auch – je nach Wunsch der Auf­trag­ge­ber – häu­fig noch ge­klärt und spä­ter dann meist pas­teu­ri­siert, be­vor er von den Kun­den in Plas­tik­beu­teln oder in sel­ber mit­ge­brach­ten Bal­lon­fla­schen ab­ge­holt werden kann. Den Ap­fel­saft, den Gis­ler aus den Äp­feln von 62 ei­ge­nen Hoch­stamm­bäu­men presst, ver­kauft er hin­ge­gen di­rekt ab Hof so­wie ans Hirz­ler Wohn- und Pfle­ge­heim Spy­ri­g­ar­ten. Und seit die­ser Wo­che be­lie­fert er da­mit auch den Hirz­ler Volg-La­den.

Fo­tos: An­dré Sprin­ger

Die Ap­fel­bäu­me

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