Par­tei­lo­se wol­len Sit­ze im Ge­mein­de­rat

Am 25. Ok­to­ber fin­den in der Schaff­hau­ser Ex­kla­ve Ge­mein­de­rats­wah­len statt. Ins­ge­samt sind in den bei­den Dör­fern je vier Sit­ze zu be­set­zen.

Zürcher Unterländer - - Vorderseit­e - Ma­nu­el Na­var­ro

Buch­berg/Rüd­lin­gen In den Ge­mein­den Buch­berg und Rüd­lin­gen ste­hen am nächs­ten Wo­che­n­en­de wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen an. Nach­dem be­reits im Au­gust die Ge­mein­de­prä­si­den­ten ge­wählt wor­den sind, müs­sen nun noch die üb­ri­gen Mit­glie­der der Exe­ku­ti­ve be­stimmt wer­den. Die Si­tua­tio­nen in den bei­den Ge­mein­den sind da­bei von ei­ni­gen Un­ter­schie­den ge­prägt. Zwar gilt es in bei­den Dör­fern, je­weils vier Sit­ze zu be­set­zen. Sie sind je­doch nicht gleich um­kämpft. In Buch­berg kommt es zur Kampf­wahl, weil ins­ge­samt fünf Kan­di­da­ten zur Ver­fü­gung ste­hen: Drei bis­he­ri­ge Ge­mein­de­rä­te tre­ten noch­mals an, und zwei Neue stre­ben eben­falls nach ei­nem Sitz. Un­ter den Kan­di­die­ren­den gibt es kei­ne Frau. Ganz an­ders in Rüd­lin­gen: Dort be­wer­ben sich zwei Frau­en und zwei Män­ner für den Ge­mein­de­rat. Und hier dürf­te es kaum Über­ra­schun­gen ge­ben: Weil kein Bis­he­ri­ger für die nächs­te Le­gis­la­tur­pe­ri­ode von 2021 bis 2024 wie­der an­tritt, kan­di­die­ren vier Per­so­nen für vier Sit­ze. Was in bei­den Dör­fern hin­ge­gen gleich ist: Al­le neu­en Kan­di­da­ten sind par­tei­los.

In Buch­berg und Rüd­lin­gen steht am Sonn­tag, 25. Ok­to­ber, ein wich­ti­ger Ter­min an. Die Stimm­be­rech­tig­ten der bei­den Ge­mein­den der Schaff­hau­ser Ex­kla­ve be­stim­men an den Ge­samt­er­neue­rungs­wah­len den Ge­mein­de­rat für die Le­gis­la­tur 2021 bis 2024. In bei­den Dör­fern setzt sich der Ge­mein­de­rat je­weils aus fünf Per­so­nen zu­sam­men. Ge­wählt wer­den müs­sen je­doch nun nur noch je­weils vier Exe­ku­tiv­mit­glie­der. Denn das Ren­nen ums Ge­mein­de­prä­si­di­um wur­de in den Dör­fern be­reits se­pa­rat im Au­gust ent­schie­den. In Buch­berg wur­de Hans­pe­ter Kern (SVP) wie­der­ge­wählt, in Rüd­lin­gen Mar­tin Kern (par­tei­los).

In Buch­berg geht je­mand leer aus

Von den bis­he­ri­gen Ge­mein­de­rä­ten in Buch­berg tre­ten drei wie­der an. Es sind dies Mar­cel Geh­ring (par­tei­los), Da­ni­el Thé­venaz (FDP) und Rolf Sie­ber (par­tei­los). Nicht mehr zur Wahl stellt sich Ro­bert Kel­ler, der bis­her dem Res­sort Fi­nan­zen vor­stand. Zu ei­ner Kampf­wahl kommt es, weil sich nebst den Bis­he­ri­gen zwei wei­te­re Kan­di­da­ten zur Ver­fü­gung stel­len.

Der um we­ni­ge Mo­na­te jün­ge­re Kan­di­die­ren­de ist Phil­ipp Ba­er. Der Par­tei­lo­se ist 47 Jah­re alt, hat Rechts­wis­sen­schaf­ten stu­diert, sich da­nach aber zum di­plo­mier­ten Wirt­schafts­prü­fer aus­bil­den las­sen. Nach 7 Jah­ren in der Wirt­schafts­prü­fung ar­bei­te­te Ba­er an­schlies­send als Fi­nanz­chef von di­ver­sen Fir­men. Mit sei­nen ins­ge­samt 21 Jah­ren Er­fah­rung im Fi­nanz­we­sen sieht sich Ba­er als prä­des­ti­niert für das Fi­nanz­amt, sagt aber, er sei durch­aus auch of­fen für an­de­re Äm­ter. Der ge­bür­ti­ge Ber­ner wohnt seit 11 Jah­ren mit sei­ner Frau und sei­nen bei­den Kin­dern in der Ge­mein­de. Po­li­tisch, sagt Ba­er, kön­ne er sich kei­ner Par­tei zu­ord­nen, de­cke aber durch sei­ne of­fe­ne Ge­sin­nung vie­le The­men der heu­ti­gen Po­lit­land­schaft ab.

Eben­falls neu in den Ge­mein­de­rat ge­wählt wer­den möch­te Andre­as Geh­ring, der wie Ba­er 47 Jah­re alt ist. Geh­ring ist selbst­stän­di­ger Un­ter­neh­mer und lei­tet ei­ne Fir­ma, die sich auf Mul­ti­me­dia-Lö­sun­gen spe­zia­li­siert hat. Er ist in Buch­berg auf­ge­wach­sen und wohnt nach ei­nem kur­zen Ab­ste­cher nach Rafz seit 2009 wie­der in der Ge­mein­de. Be­kannt ist Geh­ring in der Ge­mein­de als Kom­man­dant der Feu­er­wehr Buch­berg-Rüd­lin­gen. «Durch die Ab­ga­be des Kom­man­dos per En­de Jahr steht mir wie­der viel Zeit zur Ver­fü­gung», sagt Geh­ring. Dar­um und weil er sich wei­ter für die Ge­mein­de ein­set­zen will, ha­be er sich für ei­ne Kan­di­da­tur ent­schlos­sen. Geh­ring ist par­tei­los und wür­de sich im po­li­ti­schen Spek­trum eher Mit­te-rechts ein­ord­nen. Als ei­nes der grös­se­ren The­men für die nächs­te Le­gis­la­tur sieht er ne­ben dem Um­gang mit der Co­ro­naK­ri­se

das Pro­jekt für ein Schul­zen­trum in Rüd­lin­gen.

In Rüd­lin­gen ste­hen fri­sche Kräf­te be­reit

Da von den bis­he­ri­gen Ge­mein­de­rä­ten (mit Aus­nah­me des be­reits ge­wähl­ten Prä­si­den­ten) kei­ner wie­der an­tritt, wird sich die Be­hör­de fast kom­plett aus neu­en Ge­sich­tern zu­sam­men­set­zen. Vier Kan­di­die­ren­de – zwei Frau­en, zwei Män­ner, al­le par­tei­los – stel­len sich für die frei­en vier Sit­ze zur Ver­fü­gung.

«Ich bin Rüd­lin­ge­rin durch und durch», sagt die 40-jäh­ri­ge Sen­ta Ner­a­cher. Sie sei im Dorf ge­bo­ren und ha­be den gröss­ten Teil ih­res Le­bens dort ver­bracht. Ner­a­cher war auch schon Mit­glied der Bür­ger­kom­mis­si­on. «Ei­nen wei­te­ren Bei­trag für mei­ne Ge­mein­de zu leis­ten, war schon im­mer ein Traum von mir», er­klärt sie. «Als sich nun die Ge­le­gen­heit er­gab, stell­te ich mich sehr gern zur Ver­fü­gung.» Ner­a­cher ist me­di­zi­ni­sche Pra­xi­s­as­sis­ten­tin und ar­bei­tet in ei­ner ra­dio­lo­gi­schen Pra­xis in Bülach. Sie hat zwei Töch­ter und lebt in ei­ner Part­ner­schaft. Auf die Fra­ge, was es in Rüd­lin­gen an­zu­pa­cken ge­be, er­klärt Ner­a­cher, ein gros­ses An­lie­gen sei ihr ei­ne nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung der Ge­mein­de.

Ne­ben Ner­a­cher be­wirbt sich mit Da­nie­la Sie­ber ei­ne wei­te­re Frau für ei­nen Sitz in der Be­hör­de. Sie­ber war lan­ge Lei­te­rin und Tur­ne­rin des TV Buch­berg-Rüd­lin­gen. «Nach­dem ich An­fang Jahr den Rück­tritt als ak­ti­ve Tur­ne­rin ge­ge­ben ha­be, bin ich be­reit für ei­ne neue Auf­ga­be», er­klärt Sie­ber ih­re Mo­ti­va­ti­on für die Kan­di­da­tur. Die 40-Jäh­ri­ge ist ge­lern­te Schrei­ne­rin und heu­te als Fuss­spe­zia­lis­tin tä­tig. Sie­ber wohnt mit ih­rem Le­bens­part­ner zu­sam­men, ist in Rüd­lin­gen ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen und lebt seit 1980 fast un­un­ter­bro­chen in der Ge­mein­de. «Si­cher müs­sen wir dar­an ar­bei­ten, dass un­ser Dorf­bild mit den Rie­gel­häu­sern und den Reb­ber­gen be­ste­hen bleibt und der Wein­bau nicht noch mehr ver­schwin­det», ant­wor­tet Sie­ber auf die Fra­ge nach The­men und Schwer­punk­ten, die es an­zu­pa­cken ge­be. Zu­dem be­nö­ti­ge es viel Ar­beit und of­fe­ne Dis­kus­sio­nen, um die Zu­sam­men­ar­beit mit den um­lie­gen­den Ge­mein­den und den Kan­to­nen auf­recht­zu­er­hal­ten. Po­li­tisch ver­or­tet sich Sie­ber in der Mit­te, wo­bei sie je nach The­ma et­was nach links oder rechts rut­sche.

«Po­li­tisch ste­he ich eher rechts, bin aber kein SVP-Hard­li­ner», sagt hin­ge­gen Sil­vio Martha­ler. Der 51-jäh­ri­ge Va­ter von zwei Kin­dern ist in Rüd­lin­gen ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen und wur­de schon bei frü­he­ren Wah­len an­ge­fragt, ob er nicht am Amt in­ter­es­siert sei. «Auf­grund mei­ner Tä­tig­kei­ten in der Feu­er­wehr als Vi­ze­kom­man­dant und im Schiess­ver­ein Rüd­lin­gen als Kas­sier

hat mir die Zeit für ein wei­te­res Amt ge­fehlt», so Martha­ler. Nun wird er per En­de Jahr aber sei­ne Vor­stands­tä­tig­keit im Schiess­ver­ein be­en­den, aus der Feu­er­wehr ist er be­reits aus­ge­schie­den. «So­mit neh­me ich mir nun die Zeit für ei­ne neue Auf­ga­be in der Ge­mein­de.» Martha­ler ist ge­lern­ter Last­wa­gen­me­cha­ni­ker und ar­bei­tet seit 22 Jah­ren bei der Ba­mag Ma­schi­nen AG, seit 3 Jah­ren als Re­gio­nal­ver­kaufs­lei­ter für Bau­ma­schi­nen und För­der­mit­tel.

Pas­send zu den üb­ri­gen Kan­di­die­ren­den, ist auch Wer­ner Va­ter­laus bes­tens mit Rüd­lin­gen ver­traut. «Ich bin hier auf­ge­wach­sen und jetzt wie­der seit 2016 zu­rück», sagt der 47-Jäh­ri­ge. Er kan­di­die­re, weil ihm das Le­ben in Rüd­lin­gen sehr gut ge­fal­le und er an­pa­cken möch­te, da­mit «wir in Zu­kunft ei­ne at­trak­ti­ve Ge­mein­de mit ho­her Le­bens­qua­li­tät blei­ben». Va­ter­laus ar­bei­tet bei der Post in Diels­dorf un­ter an­de­rem als Pra­xis­be­treu­er Ler­nen­de in der Brief­zu­stel­lung, ist ver­hei­ra­tet und hat ei­nen Sohn. «Durch die Ve­rän­de­rung im Ge­mein­de­rat mit vier neu­en Mit­glie­dern und der Pen­si­on un­se­rer lang­jäh­ri­gen Ge­mein­de­schrei­ber­hin ent­steht ein er­heb­li­cher Wis­sens­ver­lust», gibt Va­ter­laus in Be­zug auf die künf­ti­gen The­men­schwer­punk­te in der Ge­mein­de zu be­den­ken. Die­ses Wis­sen müs­se mit ei­ni­gem Auf­wand wie­der­auf­ge­baut oder er­hal­ten wer­den. Auch die Sa­nie­rung der Schul- und Sport­an­la­ge Ch­apf sei Teil ei­ner zeit­ge­mäs­sen In­fra­struk­tur für al­le, die in An­griff ge­nom­men wer­den soll­te. Po­li­tisch sieht sich Va­ter­laus in der «lö­sungs­ori­en­tier­ten Mit­te».

Fo­to: Pe­ter Würm­li

In Buch­berg kommt es am 25. Ok­to­ber zur Kampf­wahl.

Fo­to: PD

Wer­ner Va­ter­laus

Fo­to: PD

Da­nie­la Sie­ber.

Fo­to: PD

Andre­as Geh­ring.

Fo­to: PD

Sen­ta Ner­a­cher.

Fo­to: PD

Phil­ipp Ba­er.

Fo­to: PD

Sil­vio Martha­ler.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.