Rück­schlag für To­bel­brü­cke

Die Ge­mein­de Küs­nacht muss für den Bau ei­ner Hän­ge­brü­cke über das To­bel ein er­gän­zen­des Gut­ach­ten ein­ho­len, das hat das Ver­wal­tungs­ge­richt an­ge­ord­net.

Zürichsee-Zeitung (Horgen) - - Vorderseit­e - Fa­bi­en­ne Senn­hau­ser

Küs­nacht Ei­ne 180 Me­ter lan­ge Hän­ge­brü­cke über das Küs­nach­ter To­bel soll die Orts­tei­le All­mend und It­sch­nach mit­ein­an­der ver­bin­den. Die Stif­tung Land­schafts­schutz (SL) will das Pro­jekt mit al­len Mit­teln ver­hin­dern. Nach dem Bau­re­kurs­ge­richt muss­te sich des­halb auch das Ver­wal­tungs­ge­richt mit der Hän­ge­brü­cke be­schäf­ti­gen. Wie so­wohl die Ge­mein­de Küs­nacht als auch die SL mit­tei­len, kommt das Ge­richt zum Schluss, dass ein er­gän­zen­des Gut­ach­ten ein­ge­holt wer­den muss, wel­ches die Aus­wir­kun­gen der Hän­ge­brü­cke auf die Flo­ra und Fau­na des To­bels auf­zeigt. Der Weg zur Hän­ge­brü­cke bleibt da­mit wei­ter stei­nig.

180 Me­ter lang und 1,4 Me­ter breit – das sind die Kenn­zah­len der Hän­ge­brü­cke, die die Ge­mein­de Küs­nacht über das To­bel zwi­schen den Orts­tei­len It­sch­nach und All­mend bau­en will. Das 1,1 Mil­lio­nen Fran­ken teu­re Bau­werk wur­de vom in­zwi­schen ver­stor­be­nen Küs­nach­ter Konrad Wil­li ge­spen­det. 2018 stimm­te die Ge­mein­de­ver­samm­lung der not­wen­di­gen Re­vi­si­on des Richt­plans für die Um­set­zung der Brü­cke zu. Seit­her je­doch harzt es.

Die Stif­tung Land­schafts­schutz (SL) wehr­te sich ge­gen den Bau. Das Na­tur- und Land­schafts­schutz­ob­jekt Küs­nach­ter To­bel wer­de durch die Brü­cke ge­fähr­det.

«Wir sind zu­ver­sicht­lich, dass wir frü­her oder spä­ter über die To­bel­brü­cke ge­hen kön­nen.»

Markus Ernst (FDP)

Ge­mein­de­prä­si­dent Küs­nacht

Nach­dem das Zürcher Bau­re­kurs­ge­richt die­se Sor­ge für un­be­grün­det hielt, zog die Stif­tung Land­schafts­schutz ih­ren Re­kurs im letz­ten Herbst wei­ter vor das Ver­wal­tungs­ge­richt. Dort hat sie nun ei­nen Er­folg er­run­gen. Das Ge­richt kommt zum Schluss, dass die Ge­mein­de Küs­nacht – will sie am Pro­jekt fest­hal­ten – ein Gut­ach­ten bei der kan­to­na­len Na­turund Hei­mat­schutz­kom­mis­si­on ein­ho­len und ei­ne Ro­dungs­be­wil­li­gung be­an­tra­gen muss. So­bald das Gut­ach­ten vor­liegt, muss die Ge­mein­de ei­ne Ab­wä­gung ma­chen zwi­schen dem öf­fent­li­chen In­ter­es­se an ei­ner Brü­cke und dem Na­tur­schutz.

Mit dem Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts muss das Pro­jekt zwar in ei­ne Zu­satz­schlau­fe, vom Tisch ist die Brü­cke in­des nicht. Ent­spre­chend op­ti­mis­tisch fällt die Re­ak­ti­on der Ge­mein­de Küs­nacht aus: «Es ist na­tür­lich scha­de, dass sich der Bau der Brü­cke wei­ter ver­zö­gert – auch weil das Ge­richt der Ge­mein­de at­tes­tiert hat, dass sie ei­ne erns­te Aus­ein­an­der­set­zung mit den Schutz­zie­len des In­ven­tar­ein­trags vor­ge­nom­men hat», sagt Ge­mein­de­prä­si­dent Markus Ernst (FDP). So sei das Ver­wal­tungs­ge­richt in vie­len Punk­ten der Auf­fas­sung der Ge­mein­de und des Kan­tons ge­folgt. Dem An­trag der Stif­tung Land­schafts­schutz, das To­bel im Be­reich der Brü­cke ver­bind­lich un­ter Schutz zu stel­len, sei die Rechts­in­stanz et­wa nicht nach­ge­kom­men.

Zu­dem hält das Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts ge­mäss Ernst fest, dass sich die ge­plan­te Brü­cke mit dem Schutz­ziel für das Küs­nach­ter

To­bel in Ein­klang brin­gen las­se und dass die er­leich­ter­te Ver­bin­dung zwi­schen den Quar­tie­ren ein be­rech­tig­tes An­lie­gen sei. «Wir sind des­halb zu­ver­sicht­lich, dass wir frü­her oder spä­ter über die To­bel­brü­cke ge­hen kön­nen.»

Nur ein Etap­pen­sieg

Die Stif­tung Land­schafts­schutz ver­tritt da­ge­gen nach wie vor die Auf­fas­sung, dass ei­ne Hän­ge­brü­cke quer über das Küs­nach­ter To­bel nicht be­wil­li­gungs­fä­hig sei. Dem­ent­spre­chend gros­se Hoff­nun­gen setzt man auf die Be­gut­ach­tung durch die kan­to­na­le Na­turund Hei­mat­schutz­kom­mis­si­on. «Erst mit dem Gut­ach­ten kön­nen die kon­kre­ten Aus­wir­kun­gen der Hän­ge­brü­cke auf die

Flo­ra und Fau­na des To­bels ge­klärt wer­den», sagt Fran­zis­ka Gros­sen­ba­cher, stell­ver­tre­ten­de Ge­schäfts­lei­te­rin der Stif­tung Land­schafts­schutz.

Auch dass das Ver­wal­tungs­ge­richt zum Schluss ge­kom­men ist, dass die Ge­mein­de ein Ro­dungs­ge­such stel­len muss, stösst bei der SL auf Ge­nug­tu­ung. «So­wohl die Ge­mein­de wie auch die kan­to­na­le Fach­stel­le woll­ten das Pro­jekt in ei­nem schlan­ke­ren Ver­fah­ren be­wil­li­gen», sagt Gros­sen­ba­cher. Für die Land­schafts­schüt­ze­rin ist aber klar, dass es sich le­dig­lich um ei­nen Etap­pen­sieg han­delt. Man wer­de das wei­te­re Vor­ge­hen der Ge­mein­de dar­um ge­nau be­ob­ach­ten. Das letz­te Wort scheint noch nicht ge­spro­chen.

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