Letz­te Er­geb­nis­se mit Ser­gio Er­mot­ti

Der Tes­si­ner hat bei der gröss­ten Bank der Schweiz die Ri­si­ken stark ge­senkt, teu­re Rechts­fäl­le ge­löst und Mil­li­ar­den in die Tech­nik in­ves­tiert. Doch es gibt auch Schat­ten­sei­ten.

Zürichsee-Zeitung (Horgen) - - Vorderseit­e - Hol­ger Alich Jor­gos Brou­zos Zu­ge­spro­chen in Mil­lio­nen Fran­ken Ef­fek­tiv aus­be­zahlt

Wirt­schaft Un­ter Ser­gio Er­mot­ti hat die Gross­bank UBS das Ri­si­ko­ka­pi­tal re­du­ziert, sich auf die Ver­mö­gens­ver­wal­tung kon­zen­triert – und 14 Mil­lio­nen Dol­lar aus­ge­ge­ben für Rechts­fäl­le und An­walts­kos­ten. Am Di­ens­tag stellt der Tes­si­ner zum letz­ten Mal die Quar­tals­er­geb­nis­se vor. Neun Jah­re war er an der Spit­ze der UBS – län­ger als je­der an­de­re vor ihm.

Nächs­ten Di­ens­tag stellt UBSChef Ser­gio Er­mot­ti zum 36. und da­mit letz­ten Mal die Quar­tals­er­geb­nis­se der Bank vor. Er wird mit or­dent­li­chen Zah­len «Ciao» sa­gen, der Vor­steu­er­ge­winn dürf­te mit rund zwei Mil­li­ar­den Dol­lar deut­lich über dem Vor­jah­res­er­geb­nis lie­gen.

Wäh­rend neun Jah­ren stand der Tes­si­ner an der Spit­ze der gröss­ten Schwei­zer Bank. Zu sei­nen sicht­bars­ten Leis­tun­gen zählt al­lein schon die­se re­kord­lan­ge Amts­dau­er. Denn vie­le sei­ner Vor­gän­ger wie gin­gen vor­zei­tig nach Skan­da­len – wie Os­wald Gr­ü­bel. Den­noch ist Er­mot­tis Ab­schied nicht frei von Miss­tö­nen, denn in der Bran­che ist be­kannt, dass er sich ei­gent­lich ei­nen in­ter­nen Nach­fol­ger ge­wünscht hät­te, um dann 2022 selbst als UBS-Prä­si­dent zu­rück­zu­kom­men. Am 1. No­vem­ber über­nimmt nun Ralph Ha­mers, der Ex-Chef der nie­der­län­di­schen Gross­bank ING. Zeit für ei­ne Bi­lanz der Ära Er­mot­ti. heu­er­te er bei Cre­dit Suis­se an. Im­mer­hin: Mit Iq­bal Khan ge­lang Er­mot­ti ein viel be­ach­te­ter Fang. steht ein Ver­fah­ren um um­strit­te­ne Ge­schäf­te mit US-Hy­po­the­ken­ver­brie­fun­gen an. Cre­dit Suis­se hat die­sen Fall mit ei­nem teu­ren Ver­gleich aus der Welt ge­schafft, die UBS ver­sucht ihr Glück bei den Ge­schwo­re­nen. wer­den, dass die zu­neh­men­de Re­gu­lie­rungs­dich­te ei­nen tief­grei­fen­den Bü­ro­kra­tie­ab­bau er­schwert hat. Den­noch kri­ti­sie­ren auch Bank­in­si­der die UBS als zu schwer­fäl­lig. Da­mit hängt zu­sam­men, dass die Kos­ten auf ho­hem Ni­veau ver­har­ren. Das Ver­hält­nis von Kos­ten zu Ein­nah­men lag zu­letzt bei fast 76 Pro­zent. Bei der Cre­dit Suis­se sind es nur 70 Pro­zent. Ana­lys­ten mo­nie­ren zu­dem, dass die As­set-Ma­nage­ment-Spar­te ein Rand­da­sein fris­tet. Ge­sprä­che über ein Zu­sam­men­ge­hen mit der deut­schen DWS schei­ter­ten. Auch der Ver­jün­gung der Füh­rungs­crew wird sich der neue UBS-Chef Ralph Ha­mers an­neh­men müs­sen.

Die meis­ten Ma­na­ger äus­sern sich lie­ber nicht zu po­li­ti­schen The­men, weil sie Angst da­vor ha­ben, sich die Fin­ger zu ver­bren­nen – das gilt nicht für Ser­gio Er­mot­ti. Er schal­te­te sich im­mer wie­der en­ga­giert in po­li­ti­sche De­bat­ten ein: sei es zu den Bi­la­te­ra­len (da­für), der Zins­po­li­tik der SNB (sehr kri­tisch), der Er­hö­hung des Ren­ten­al­ters auf 72 oder ei­nem Frei­han­dels­ab­kom­men mit den USA (da­für). Auch die Wett­be­werbs­ver­zer­rung durch die staat­lich ge­deck­ten Kan­to­nal­ban­ken pran­ger­te er öf­fent­lich an.

Er­mot­ti war mit ei­nem Sa­lär von zu­letzt mehr als 12 Mil­lio­nen Fran­ken ei­ner der best­be­zahl­ten Ban­ker Eu­ro­pas. In sei­nem ers­ten Amts­jahr wa­ren es et­was mehr als 6 Mil­lio­nen Fran­ken. Tat­säch­lich aus­be­zahlt wur­den ihm im Zei­t­raum 2012 bis 2019 rund 50 Mil­lio­nen Fran­ken. Sei­ne US-Kol­le­gen wie Ja­mie Di­mon von der US-Bank JP Mor­gan ka­men aber auf deut­lich hö­he­re Ge­häl­ter – rund 30 Mil­lio­nen Dol­lar pro Jahr.

Für die Ak­tio­nä­re scheint die Ära Er­mot­ti auf den ers­ten Blick ei­ne Null­run­de ge­we­sen zu sein: Der Ak­ti­en­kurs ist mit rund 11 Fran­ken wie­der da, wo er bei sei­nem Amts­an­tritt stand. Doch we­gen Ne­ga­tiv­zin­sen, Sor­ge vor Kre­dit­aus­fäl­len, Di­gi­ta­li­sie­rungs­stress und Re­gu­lie­rungs­kos­ten sind Ban­ken welt­weit der­zeit bei An­le­gern we­nig be­liebt. In der Ära Er­mot­ti schüt­te­te die Bank gut 20 Mil­li­ar­den Dol­lar über Di­vi­den­den und Ak­ti­en­rück­käu­fe aus. 2011 ver­dien­te die Bank un­ter dem Strich 4,2 Mil­li­ar­den Fran­ken. 2019 wa­ren es un­ge­fähr ge­nau­so viel – al­ler­dings fuhr da­mals die UBS ei­ne viel grös­se­re Bi­lanz und da­mit grös­se­re Ri­si­ken. Die Ein­nah­men sta­gnier­ten in­des – die Ver­mö­gens­ver­wal­tung leg­te zwar zu, doch der Ab­bau der In­vest­ment­bank und die Ne­ga­tiv­zin­sen kos­ten Er­trag. Er­mot­ti hat die Bank auf ein so­li­des Fun­da­ment ge­stellt. Mit Raum für Ver­bes­se­run­gen, den nun sein Nach­fol­ger Ralph Ha­mers nut­zen muss.

Fo­to: Sal­va­to­re Vin­ci (13 Pho­to)

En­de Ok­to­ber gibt Ser­gio Er­mot­ti die Füh­rung der Gross­bank UBS ab.

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