Ein Tag im Old Ger­man Beer­hou­se

Wochen Blitz - - Fundgrube -

Lan­ge ge­plant, aber letzt­end­lich doch spon­tan, reis­ten drei Bon­ner En­de Ju­ni Rich­tung Thai­land. Wohl wis­send, dass die deut­sche Mann­schaft bei der Eu­ro­pa­meis­ter­schaft noch gro­ßes vor hat­te. So dach­te man zu­min­dest. Al­so was macht man im Aus­land um we­nigs­tens ein biss­chen EMFee­ling mit zu er­le­ben - man sucht sich Gleich­ge­sinn­te.

Ge­sagt ge­tan, und so wur­de zum Halb­fi­na­le der deut­schen Mann­schaft ein Tisch im Old Ger­man Beer­hou­se Bang­kok re­ser­viert. Durch die Zeit­ver­schie­bung wer­den die Spie­le in Thai­land erst um 01:45 an­ge­pfif­fen. Schon beim Be­tre­ten der Gast­stät­te - in­mit­ten des Bang­ko­ker Sze­ne­vier­tel, ge­säumt von rie­si­gen Ho­tels - ver­spürt man ei­ne ge­wis­se hei­mi­sche Ver­traut­heit. Et­was ver­wir­rend wir­ken im ers­ten Mo­ment nur die thai­län­di­schen Be­die­nun­gen, die al­le­samt in deut­schen Tri­kots ar­bei­ten.

Der re­ser­vier­te Tisch er­weist sich erst­mal als Flop. Die ein­hei­mi­schen Deut­schen, die et­wa 95% der spä­ter an­we- sen­den Gäs­te dar­stel­len soll­ten, hat­ten be­reits kurz nach dem Halb­fi­nal­ein­zug fast das ge­sam­te Gast­haus re­ser­viert. Kur­ze Zeit spä­ter kom­me ich mit Frank, dem Be­sit­zer des Gast­hau­ses ins Ge­spräch. Der et­wa Mit­te Vier­zig­jäh­ri­ge, ur­sprüng­lich aus Gum­mers­bach stam­men­de Deut­sche, lebt be­reits seit 24 Jah­ren in Bang­kok. An mei­nem Dia­lekt iden­ti­fi­ziert er mich so­fort als Rhein­län­der. An die­sem Abend sitzt Frank schon St­un­den vor dem Spiel mit ein paar äl­te­ren Deut­schen am Tisch, und spielt das in der Hei­mat so be­lieb­te Wür­fel­spiel na­mens “Scho­cken“. Hin­ter ihm steht ei­ne Eh­ren­wand mit al­ler­lei Spor­tu­ten­si­li­en, dar­un­ter ein Geiß­bock, was mein rhei­ni­sches Herz di­rekt et­was hö­her schla­gen lässt.

Um­so nä­her das Spiel rückt, um­so vol­ler wird das Gast­haus. Ca. 200 Per­so­nen sol­len hier Sitz­plät­ze fin­den, ich schät­ze bis zum An­pfiff ha­ben sich an die 300 Men­schen in meist grü­nen oder wei­ßen Tri­kots ein­ge­fun­den. Es ist eng ge­wor­den, Stüh­le wer­den ge­rückt, Be­die­nun­gen klet­tern zwi­schen Stüh­len und Ti­schen hin­durch, und es ist heiß wie im­mer in Bang­kok. Man kommt ins Ge­spräch, ein deut­sches Film­team ne­ben mir, vor mir ein Do­zent an ei­ner der Bang­ko­ker Uni­ver­si­tä­ten, ein Sprach­leh­rer, ein Ver­si­che­rungs­kauf­mann. Al­les Deut­sche, die sich mehr oder we­ni­ger in Bang­kok nie­der­ge­las­sen ha­ben, und mir ge­gen­über be­teu­ert je­der nicht mehr zu­rück zu wol­len.

Man kennt sich un­ter­ein­an­der, es wird ge­grüßt, ei­ne klei­ne deut­sche En­kla­ve. Ab An­pfiff ver­folgt na­tür­lich je­der ge­bannt das Spiel. Es wird ge­klatscht und ge­lit­ten, deut­sche Sprech­chö­re an­ge­stimmt und aus den Bo­xen dröhnt “Ta­gen wie die­ser“von den To­ten Ho­sen.

Lei­der ist der Spiel­ver­lauf, wie je­dem be­kannt sein soll­te, nicht wirk­lich po­si­tiv für die deut­sche Mann­schaft. Dies trägt lei­der da­zu bei, dass sich das Beer­hou­se nach Ab­fiff sehr schnell leert. Wir neh­men uns ein Ta­xi um wie­der zu un­se­rem Ho­tel zu fah­ren. Aus, vor­bei, aber zum Glück se­hen wir im nächt­li­chen Bang­kok kei­ne laut hu­pen­den Ita­lie­ner durch die Stadt fah­ren!

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