Rechts­ko­lum­ne von Mar­cus Scholz

Wochen Blitz - - Kolumne -

Mar­cus Scholz ist ein in Deutsch­land zu­ge­las­se­ner Rechts­an­walt, mit ei­ner mehr als zehn­jäh­ri­gen Be­rufs­er­fah­rung. Das ers­te und zwei­te Staats­ex­amen hat er 1999 und 2002 vor dem Land­ge­richt Frank­furt am Main ab­ge­legt.

Die heu­ti­ge Rechts­ko­lum­ne be­fasst sich mit den so­zia­len Si­che­rungs­sys­te­men, die es in Thai­land gibt. Ei­ne für vie­le aus­län­di­sche Ar­beit­ge­ber wich­ti­ge, für vie­le in Thai­land le­ben­de Aus­län­der den­noch wei­test­ge­hend un­be­kann­te The­ma­tik.

Die So­zi­al­ver­si­che­rung in Thai­land ist in dem So­ci­al Se­cu­ri­ty Act No. 3 von 1999, dem Com­pen­sa­ti­on Act von 1994 und dem So­ci­al Se­cua­ri­ty Act von 1990 ge­re­gelt.

Hier­an lässt sich er­ken­nen, dass es erst seit et­was mehr als 20 Jah­ren ei­ne staat­lich or­ga­ni­sier­te So­zi­al­ver­si­che­rung gibt, in Deutsch­land kennt man sol­che Grund­si­che­rungs­sys­te­me be­reits seit seit den 1880er Jah­ren, al­so seit weit mehr als 100 Jah­re.

In Thai­land be­steht die So­zi­al­ver­si­che­rung aus drei Säu­len der Kran­ken­ver­si­che­rung, der Ren­ten­ver­si­che­rung so­wie der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung.

Grund­sätz­lich ist je­der Ar­beit­neh­mer zwi­schen 15 und 60 Jah­ren von der Ver­si­che­rungs­pflicht um­fassst.

Aus­ge­nom­men hier­von sind Staats­be­diens­te­te, im Aus­land ar­bei­ten­de Ar­beit­neh­mer, Leh­rer und Di­rek­to­ren von Pri­vat­schu­len so­wie Schü­ler, Stu­den­ten, Kran­ken­haus­schwes­tern, Pfle­ger und sons­ti­ge Aus­zu­bil­den­de im me­di­zi­ni­schen Be­reich, die an ei­ner Schu­le, Uni­ver­si­tät oder in ei­nem Kran­ken­haus an­ge­stellt sind.

Wei­ter­hin sind Hau­s­an­ge­stellt von der Ver­si­che­rungs­pflicht aus­ge­nom­men.

Für die­se Per­so­nen­grup­pen be­steht al­ler­dings die Mög­lich­keit, sich sel­ber frei­wil­lig zu ver­si­chern.

Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer füh­ren ins­ge­samt 5% des Lohns für die 3 So­zi­al­ver­si­che­run­gen ab.

So wer­den mo­nat­lich 3% für die Ren­ten­ver­si­che­rung, 1,5% für die Kran­ken­ver­si­che­rung und 0,5% für die Ar­beits­lo­sen­un­ter­stüt­zung ab­ge­führt.

Der Ar­beit­ge­ber zieht den durch den Ar­beit­neh­mer zu zah­len­den Be­trag di­rekt vom Ge­halt ab, der Höchst­be­trag, den ein Ar­beit­ge­ber für ei­nen Ar­beit­neh­mer zu zah­len hat, be­trägt mo­nat­lich 750 Bath.

Kran­ken­ver­si­che­rung

Ver­si­che­rungs­schutz be­steht für Leis­tun­gen aus der Kran­ken­ver­si­che­rung wäh­rend der Zeit des Ar­beits­ver­hält­nis­ses so­wie bis zu sechs Mo­na­ten nach Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses.

Rechts­an­walt Scholz lebt und ar­bei­tet in Thai­land. Ge­mein­sam mit sei­nen thai­län­di­schen Kol­le­gen hilft er ins­be­son­de­re aus­län­di­schen Man­dan­ten sich im thai­län­di­schen Rechts­sys­tem zu­recht­zu­fin­den.

So be­rät er un­ter an­de­rem in Fra­gen des Vi­sa- und Auf­ent­halts­rechts, Im­mo­bi­li­en­rechts, bei Fir­men­grün­dun­gen, des Ver­trags­rechts, aber auch in Nach­lass­fra­gen,

Die mo­nat­li­che ma­xi­ma­le Leis­tung aus der Kran­ken­ver­si­che­rung be­trägt 15,000 Baht.

Vom Ver­si­che­rungs­schutz um­fasst sind nicht be­rufs­be­ding­te Krank­hei­ten, In­va­li­di­tät so­wie Schwan­ger­schaft. Für Leis­tun­gen im Krank­heits­fall ist ei­ne drei­mo­na­ti­ge Bei­trags­zah­lung in­ner­halb der letz­ten 15 Mo­na­te an­spruchs­be­grün­den­de Vor­aus­set­zung. In die­sem Fall wer­den Kos­ten für am­bu­lan­te und sta­tio­nä­re Un­ter­su­chun­gen, Kran­ken­trans­por­te, Me­di­ka­men­te so­wie Ver­pfle­gung im Kran­ken­haus über­nom­men.

Kran­ken­geld

Der Ver­si­cher­te hat ei­nen An­spruch auf Kran­ken­geld für 90 Ta­ge pro nicht be­rufs­be­ding­ter Krank­heit und ins­ge­samt 180 Ta­ge pro Jahr. Das Kran­ken­geld be­trägt die Hälf­te des letz­ten Durch­schnitts­ver­diens­tes, je­doch nicht mehr als 15,000 THB.

Schwan­ger­schaft

Schwan­ge­re ha­ben ei­nen An­spruch auf Er­stat­tung der Kran­ken­haus­kos­ten die bei der Ge­burt an­fal­len. Seit 2007 wer­den sämt­li­che wei­te­ren Kos­ten wie Vor­un­ter­su­chun­gen bis zur Ge­burt in ei­ner ma­xi­ma­len Hö­he von 12,000 Baht er­stat­tet.

Wei­ter­hin wer­den für 90 Ta­ge 50% des letz­ten Durch­schnitts­lohns be­zahlt. Vor­aus­set­zung hier­für ist al­ler­dings, dass die Schwan­ge­re in­ner­halb der letz­ten 15 Mo­na­te min­des­tens 7 Bei­trä­ge für die So­zi­al­ver­si­che­rung ab­ge­führt hat.

Es wer­den je­doch nur die Kos­ten für ma­xi­mal 2 Schwan­ger­schaf­ten über­nom­men.

Kin­der­geld

Für bis zu 2 Kin­dern wird bis zu de­ren 6 Le­bens­jahr ein mo­nat­li­ches Kin­der­geld in Hö­he von 350 Baht be­zahlt. Der Ar­beit­neh­mer muss so­zi­al­ver­si­chert sein und das Kind muss ehe­lich sein.

Leis­tun­gen im To­des­fall

Hin­ter­blie­be­ne er­hal­ten für die Be­er­di­gungs­kos­ten ei­ne Zah­lung in Hö­he von 100 Ta­gen des Min­dest­lohns. Wei­ter­hin er­hal­ten Hin­ter­blie­be­ne, wenn der Ar­beit­neh­mer min­des­tens ein Jahr lang Bei­trä­ge be­zahlt hat, ei­ne Bei­hil­fe in Hö­he des 1,5fa­chen des letz­ten Mo­nats­lohns. Pa­ti­en­ten­ver­fü­gun­gen und sons­ti­gen ver­trags­recht­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten.Rechts­an­walt Scholz wird über die An­walts­lis­te der deut­schen Bot­schaft in Bang­kok emp­foh­len.

Mar­cus Scholz steht den Wo­chen­blitz Le­sern ne­ben der Rechts­ko­lum­ne auch ger­ne für Fra­gen un­ter

zur Ver­fü­gung.

www.thai­recht.com E-Mail: in­fo@thai­recht.com

Für Ar­beit­neh­mer die mehr als 10 Jah­re Bei­trä­ge ge­zahlt ha­ben be­trägt der Bei­hil­fe­an­spruch ei­nen 5fa­chen Mo­nats­lohn, je­doch ma­xi­mal 15,000 Baht.

Ren­ten­ver­si­che­rung

Leis­tun­gen aus der Ren­ten­ver­si­che­run­gen wer­den ab dem 55. Le­bens­jahr ge­zahlt.

Hat der Ver­si­cher­te we­ni­ger als 12 Mo­na­te Ren­ten­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge be­zahlt, so er­hält er als Ein­mal­zah­lung die­sen Be­trag zu­rück.

Hat der Ver­si­cher­te mehr als 12 Mo­na­te aber we­ni­ger als 180 Mo­na­te Ren­ten­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge ein­be­zahlt, so er­hält er eben­falls als ein­ma­li­gen Be­trag sei­ne und die vom Ar­beit­ge­ber ein­be­zahl­ten Bei­trä­ge zu­rück.

Ab Zah­lun­gen in die Ren­ten­kas­se von mehr als 180 Mo­na­ten er­hält der Ver­si­cher­te ei­ne mo­nat­li­che Ren­te in Hö­he von 15% der letz­ten 60 Mo­na­te durch­schnitt­lich er­ziel­ten Lohn­zah­lun­gen.

Für den Fall, dass der Ver­si­cher­te mehr als 180 Mo­na­te ein­be­zahlt hat, er­höht sich der aus­zu­zah­len­de mo­nat­li­che Be­trag je wei­te­re 12 Mo­na­te um 1%.

Für den Fall, dass der Ver­si­che­rungs­neh­mer vor dem 55. Le­bens­jahr ver­stirbt bzw. in­ner­halb er ers­ten 6 Mo­na­te ab Er­rei­chen des Ren­ten­ein­trittal­ters, so er­hal­ten sei­ne Er­ben als Ein­mal­zah­lung al­le ein­ge­zahl­ten Bei­trä­ge.

An­spruchs­be­rech­tig­te Er­ben kön­nen je­doch le­dig­lich die Ehe­frau, die El­tern bzw. die Kin­der sein.

Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung

Seit 2004 gibt es in Thai­land ei­ne staat­li­che Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung.

Ar­beit­neh­mer, die in den letz­ten 15 Mo­na­ten vor ih­rer Ar­beits­lo­sig­keit min­des­tens 6 Mo­na­te lang So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge be­zahlt ha­ben, ha­ben ei­nen An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld.

Wei­te­re Vor­aus­set­zung ist, dass die Ar­beits­lo­sig­keit nicht auf­grund von Straf­ta­ten wie Kor­rup­ti­on, bzw. schwe­ren Ver­feh­lun­gen sel­ber ver­ur­sacht wur­de und for­ma­le Er­for­der­nis­se wie re­gel­mä­ßi­ges Mel­den beim So­ci­al Se­cu­ri­ty Of­fice ein­ge­hal­ten wer­den.

Die Hö­he der Zah­lung be­ur­teilt sich da­nach, ob das Ar­beits­ver­hält­nis ein­sei­tig, al­so durch ar­beit­ge­ber­be­ding­te Kün­di­gung be­en­det wur­de.

Für den Fall der Kün­di­gung durch den Ar­beit­ge­ber er­hält der Ar­beit­neh­mer 50% sei­nes letz­ten Durch­schnitts­ge­halts, je­doch ma­xi­mal für die Dau­er von 3 Mo­na­ten pro Jahr.

Im Fal­le ei­ner ein­ver­nehm­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses bspw. auf­grund ei­nes Auf­he­bungs­er­tra­ges er­hält der Ar­beit­neh­mer 30% sei­nes letz­ten Mo­nats­ge­halts, wie­der­um für die Dau­er von 3 Mo­na­ten.

Ab­fin­dungs­zah­lun­gen ha­ben kei­nen Ein­fluss auf die Ent­ste­hung der Leis­tung und wer­den auch nicht an­ge­rech­net.

Work­men`s Com­pen­sa­ti­on Fund

Wei­ter­hin be­steht die Ver­pflich­tung für je­den Ar­beit­neh­mer, für sei­ne Mit­ar­bei­ter 0,2% - 1% in den so­ge­nann­ten „Work­men`s Com­pen­sa­ti­on Fund“, al­so ei­ne Un­fall­ver­si­che­rung ein­zu­be­zah­len. Ar­beit­neh­mer ha­ben so­mit ei­nen An­spruch auf Er­stat­tung ih­rer Kos­ten, die ih­nen bei ei­nem Be­rufs­un­fall ent­ste­hen. Ne­ben den me­di­zi­ni­schen Kos­ten wer­den ab ei­ner mehr als drei­tä­gi­gen Ar­beits­un­fä­hig­keit im Rah­men der Lohn­fort­zah­lung 60% des letz­ten Durch­schnitts­lohns ge­zahlt.

Im Fal­le des To­des, so­wie Krank­heit und In­va­li­di­tät ha­ben der Ver­si­cher­te, bzw. des­sen An­ge­hö­ri­ge eben­falls An­sprü­che ge­gen den Ar­beit­ge­ber, der wie­der­um ei­nen Rück­er­stat­tungs­an­spruch ge­gen den Work­men`s Com­pen­sa­ti­on Fund hat.

Wie an­hand der obi­gen Aus­füh­run­gen deut­lich wird, gibt es in Thai­land durch­aus so­zia­le Si­che­rungs­sys­te­me. Die­se Ko­lum­ne kann je­doch nur ei­nen gro­ben Über­blick ge­ben. Soll­ten Sie wei­ter­ge­hen­de Fra­gen zu die­sem The­men­be­reich und an­de­ren recht­li­chen The­men in Thai­land ha­ben, so wen­den Sie sich ger­ne je­der­zeit an mich.

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