Auf­klä­rung über die blu­ti­gen Un­ru­hen und de­ren Ur­sa­che

Wochen Blitz - - Kolumne -

Taks­in hat wäh­rend sei­ner Amts­zeit als Pre­mier­mi­nis­ter von 2001 bis 2006 die­se Po­si­ti­on für sei­nen Ei­gen­nutz miss­braucht. Z.B. er­nann­te er sich selbst zum Vor­sit­zen­den des ‘Bo­ard of In­vest­ment’, was nor­ma­ler­wei­se nicht mög­lich ist. Es wur­den ver­schie­de­ne Ge­set­ze ge­än­dert, um die Kor­rup­ti­on zu er­leich­tern, z.B. auf den Ge­bie­ten Mo­no­po­li­sie­rung von Brenn­stof­fen, Mo­bi­le Te­le­fo­ne, Sa­tel­li­ten, Agrar­pro­duk­te, Flug­li­ni­en. Taks­in nahm Ein­fluß auf Bör­sen­ge­schäf­te und wusch Geld, in­dem sei­ne Frau Grund­stü­cke vom Staat kauf­te, was er durch sei­ne Un­ter­schrift aut­ho­ri­sier­te. Gel­der wur­den oh­ne Steu­ern zu zah­len hin und her quer durch 6-7 ver­schie­de­ne Fi­nanz­fir­men trans­fe­riert, die ihm selbst ge­hör­ten. Sein Dik­ta­tor­ver­hal­ten ver­brei­te­te sich über­all in den Staats­äm­tern so­wie in den pri­va­ten Un­ter­neh­men. Pres­se und Me­di­en durf­ten sich nur po­si­tiv über ihn äus­sern. Zwei aus­län­di­sche Jour­na­lis­ten vom Wall Street Jour­nal wur­den aus Thai­land aus­ge­wie­sen, weil sie Ne­ga­ti­ves über Herrn Taks­in ge­schrie­ben hat­ten.

Er ver­such­te auch den Kö­nig zu be­ein­flus­sen; dräng­te ihn zur schnel­len Un­ter­schrift al­ler Ge­neh­mi­gun­gen, um sei­ne

(aus der Per­spek­ti­ve ei­ner deutsch­spra­chi­gen Bang­ko­ke­rin)

Kor­rup­ti­on aus­zu­wei­ten. Er woll­te all die öf­fent­li­chen Ver­sor­gungs­be­trie­be in Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten um­wan­deln, an Sin­ga­pur ver­kau­fen und das Geld in sei­ne ei­ge­ne Ta­sche ste­cken.

Als die Schatz­meis­te­rin Khun­y­ing Cha­ru­wan hin­ter die Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten beim Kauf der “CTX” (Com­pu­ter To­mo­gra­phy X-ray) für den neu­en Flug­ha­fen kam, näm­lich die aus­ser­ge­wöhn­lich ho­hen Prei­se, ver­such­te Herr Taks­in sie ih­res Am­tes zu ent­he­ben. Die Be­grün­dung war, sie sei nicht qua­li­fi­ziert für ih­re Po­si­ti­on, da ih­re Kar­rie­re nach oben nicht die Schrit­te in kor­rek­ter Rei­hen­fol­ge ge­nom­men ha­be. Nach ei­ni­gen Mo­na­ten wur­de ihr Ar­beits­zim­mer auf­ge­bro­chen und al­le Nach­wei­se wa­ren ver­schwun­den - sie durf­te ihr Bü­ro nicht mehr be­tre­ten. Taks­in An­hän­ger wähl­ten schon ei­nen Nach­fol­ger für Khun­y­ing Cha­ru­wan, ein Herr Phi­sut soll­te der nächs­te Staats­kas­sen­prü­fer wer­den. Die Un­ter­la­gen wur­den zu­sam­men­ge­stellt, ge­prüft und schliess­lich an das kö­nig­li­che Se­kre­ta­ri­at wei­ter­ge­lei­tet. Sei­ne Ma­jes­tät je­doch un­ter­schrieb nicht.

Khun­y­ing Cha­ru­wan hat in der Mi­chi­gan Uni­ver­si­ty stu­diert, ist Mit­glied und Be­ra­te­rin der World Bank und Trä­ge­rin

Teil 1

von zwei ihr vom Kö­nig ver­lie­he­nen sehr ho­hen Or­den (2004 und 2006) aus der Pe­ri­ode von Kö­nig Ra­ma V.

Über die Ent­las­sung von Khun­y­ing Cha­ru­wan wur­de ernst­haft über ein Jahr lang un­ter den be­deu­ten­den Staats­män­nern, Ab­ge­ord­ne­ten, Wis­sen­schaft­lern, De­ka­nen etc., dis­ku­tiert und ge­strit­ten. Schliess­lich im Feb. 2006 be­stell­te der Kö­nig den Pre­mier­mi­nis­ter in sei­nen Hua Hin Pa­last. Der In­halt der Un­ter­re­dung wur­de nicht ver­öf­fent­licht. Spä­ter ent­nahm man den Nach­rich­ten, dass Khun­y­ing Cha­ru­wan auf ih­ren Ar­beits­platz zu­rück­keh­ren und die­sen bis zum Ren­ten­al­ter be­hal­ten wird. Je­der Scha­den so­wie die ver­lo­re­ne Zeit wäh­rend ih­rer Ar­beits­lo­sig­keit sol­len vollst än­dig kom­pen­siert wer­den.

Ta k si n hat­te sei­ne ge­sam­te Ver­wandt­schaft und die sei­ner Frau zu ho­hen Staats­be­am­ten er­nannt, z.B. in der Po­li­zei, als Ober­be­fehls­ha­ber, als Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter etc.

Er selbst stell­te sich fast auf die glei­che Stu­fe mit dem Kö­nig, ver­teil­te in ei­ner Ge­mein­de in der Pro­vinz Prachin Bu­ri die Na­tio­nal­flag­gen mit Hofspra­che “Long Li­ve the King”, die man sonst nur beim Kö­nigs­paar be­nutzt. Nor­ma­ler­wei­se ist dies ein heik­les The­ma und könn­te zu 15 Jah­re Ge­fäng­nis­stra­fe füh­ren - die Po­li­zis­ten aber stan­den da als hät­ten sie nichts ge­se­hen.

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