Sa­ti­re. Oder was?

Wochen Blitz - - Kolumne -

Nun ist es da, das neue Jahr. Da­für sind die klei­nen Ne­ben­ef­fek­te von Ih­rer Neu­jahrspar­ty weg, denn mitt­ler­wei­le be­fin­den wir uns mit­ten im Ja­nu­ar und steu­ern un­auf­halt­sam auf Os­tern zu. Auch sind vie­le Tou­ris­ten wie­der da­heim, wäh­rend neue in Thai­land ein­flie­gen. Na­tür­lich ha­ben „wir“wie­der ei­ne Be­su­cher­re­kord­zahl er­reicht. Über 20 Mil­lio­nen Tou­ris ha­ben Thai­land be­sucht. Oder wa­ren es 21 Mio? Egal, sol­che Sta­tis­ti­ken ge­hö­ren so­wie­so zu den „whi­te lies“. In­si­der wis­sen, was ich mei­ne.

Wid­men wir uns heu­te die­ser über­wäl­ti­gen­den Zahl an Gäs­ten, vor al­lem je­nen, die sich das ers­te Mal im Kö­nig­reich auf­hal­ten und aus Deutsch­land, Ös­ter­reich und der Schweiz kom­men, aber auch aus den Nach­bar­län­dern, wo man der deut­schen Spra­che hier und dort mäch­tig ist, al­so den Nie­der­län­dern und den Bay­ern.

Hier­zu ge­hört ei­ne Ein­füh­rung in den All­tag in Thai­land. „Ba­na­ne“wer­den Sie jetzt sa­gen, da Sie ja schon al­les von Loo­se bis Ruf­fert ge­le­sen ha­ben, oder aus dem neu­es­ten „Lo­nely Pla­net“, min­des­tens aber aus der „Brigitte“wis­sen. Recht ha­ben Sie, und doch gibt es noch was da­zu zu ler­nen. Am bes­ten, wir be­we­gen uns le­dig­lich auf den Ge­bie­ten, die am gän­gigs­ten sind, wenn man in Thai­land Ur­laub macht. Das ist, kurz und prä­gnant, das 10-S-Pro­gramm:

Schmau­sen - Sau­fen - Sex - Spaß - Schimp­fen - Schwät­zen - Son­nen­ba­den - Shop­pen - Schla­fen - Sin­nie­ren.

Wird auch die Qua­dra­tur des Krei­ses ge­nannt. Die Thais be­herr­schen da­ge­gen nur das 5-S-Pro­gramm, wo­bei Sie ins­be­son­de­re auf „Schimp­fen“ach­ten soll­ten, wenn Sie sich da­ne­ben be­neh­men.

Wenn Sie je­doch zu de­nen ge­hö­ren, die sich in den we­ni­gen Ur­laubs­wo­chen so­wie­so nur am Pool Ih­rer Ho­tel­an­la­ge be­we­gen, müs­sen Sie nichts be­fürch­ten. Aus­ser, dass der ein­hei­mi­sche Bar­kee­per fünf Mi­nu­ten braucht, um das Bier ins Glas flie­ßen zu las­sen, da­mit Sie auch ja kei­nen Schaum ha­ben. Thanks to the Brits.

Die wohl be­kann­tes­te Re­gel in Thai­land lau­tet: Lä­cheln Sie. Im­mer. Und egal,

Die Ko­lum­ne von Ernst Nim­mich

was pas­siert. Da­mit kom­men Sie am wei­tes­ten, so­weit, bis Sie nicht mehr wis­sen, ob Sie sich noch in Thai­land be­fin­den, oder be­reits in La­os. Das war’s al­so schon zum The­ma Ta­xi­fah­rer.

Be­gin­nen wir mit dem Schmau­sen: Na­tür­lich möch­ten Sie die be­rühm­te Thai­län­di­sche Kü­che aus­pro­bie­ren. Hier­zu ge­hen Sie ein­fach nur an die Stra­ße zu ei­ner der vie­len rol­len­den Gar­kü­chen, set­zen sich zwi­schen die Müll­sä­cke und ge­nie­ßen Sie die Nu­del­sup­pe mit viel Grü­nem und we­nig Flei­schi­gem, des­sen Her­kunft des öf­te­ren nicht un­be­dingt de­fi­nier­bar ist. Aber es schmeckt. Sie kön­nen al­les auch in ei­nen Plas­tik­beu­tel ein­tü­ten las­sen und mit zu­rück auf Ihr Zim­mer neh­men, ge­mein­sam mit der nach­lau­fen­den Kat­ze und dem ver­laus­ten Hund, die sich nun bei­de in Sie ver­liebt ha­ben. Soll­ten Sie ein Re­stau­rant vor­zie­hen, wer­den Sie mit der Spei­se­kar­te kein Pro­blem ha­ben, denn sie sind viel­fach über­setzt. In eng­lisch und, für un­se­re ost­deut­schen Lands­leu­te, auch in rus­sisch. Und mit Fo­tos, da­mit auch die Ösis klar kom­men.

Wenn Sie wie ge­wohnt erst mal die Ge­trän­ke be­stel­len wol­len, be­vor Sie sich für das Reis­ge­richt ent­schei­den, so ist das ver­geb­lich, denn die Thais sind höf­lich und war­ten, bis Sie auch das Es­sen aus­ge­wählt ha­ben. Soll­te Sie das ir­ri­tie­ren, den­ken Sie dran: Lä­cheln. Kommt dann das Es­sen - die Ge­trän­ke hat die Hüb­sche lei­der ver­ges­sen-, so kommt erst mal nur der Reis, der dann kalt ge­wor­den ist, wenn das Ge­grill­te auf­ge­tischt wird. In Ge­mein­schaft zu es­sen be­deu­tet, dass je­der von je­dem Tel­ler et­was zu sich nimmt und dem an­de­ren gönnt, al­so nicht so wie Zu­hau­se. Ach­ten Sie auch hier auf das Bier: Sie ha­ben zwar kei­nen Schaum, da­für aber sehr viel Eis im Glas. Las­sen Sie es zu­rück­ge­hen, lä­chelnd, und sa­gen Sie auf per­fekt Thai­län­disch: „Mai au nam keng“. Zu­ge­ge­ben, es dau­ert dann et­was, bis das fri­sche Bier oh­ne Eis kommt, weil die Mä­dels am Tre­sen sich erst­mal ab­gig­geln müs­sen. Aber: Sie sind von nun an ein Held. Kom­men Sie dem­nächst wie­der, er­hal­ten Sie mit Si­cher­heit den bes­ten Plas­tik­tisch di­rekt ne­ben der Kü­che.

Wenn es um‘s Be­zah­len geht, ge­ben Sie um Him­mels Wil­len kein Trink­geld, oder nur we­nig, denn sonst ist das Re­stau­rant dem­nächst we­gen Ge­schäfts­auf­ga­be ver­waist.

Der Thai­län­di­schen Re­gel zu­fol­ge be­zahlt im Üb­ri­gen der oder die Äl­tes­te am Tisch. Dumm ge­lau­fen, wenn Sie Opi da­heim ge­las­sen ha­ben.

Nach ei­ner Wo­che be­kom­men Sie Heiß­hun­ger auf ei­ne Schweins­haxn, gar­niert mit Kar­tof­fel­brei und – na­tür­lich - Sau­er­kraut. Hier­zu ge­hen Sie zu den deut­schen Re­stau­rants, die Ih­nen bei­spiels­wei­se in Pat­ta­ya’s Nak­lua Road dicht bei dicht al­les bie­ten, in­klu­si­ve Zil­le’s Mi­lieu oder der Alt­stadtat­mo­sphä­re Hei­del­bergs. Zu­min­dest dem Na­men nach. Hier gibt es auch die bes­ten Bu­let­ten Süd­ost­asi­ens, mit So­ße und an­ge­brann­ten Brat­kar­tof­feln für un­glaub­li­che 135 Thai Baht, oder kom­plet­te Abend­buf­fets quer durch die eu­ro­päi­schen Ge­nüs­se für schlap­pe 195 Baht – das Er­geb­nis gna­den­lo­sen Wett­be­werbs, wo­mit sich auch die stets schlech­te Lau­ne der Wir­te er­klä­ren lässt.

In Bangkok gibt es vie­le deut­sche und Schwei­zer Re­stau­rants, wo sich nicht nur die deutsch­spra­chi­ge Eli­te trifft, um sich die neu­es­te Schei­dungs­ge­schich­te zu er­zäh­len. Ös­ter­rei­chi­sche Gast­stu­ben sind eher rar, al­so müs­sen Sie auf den Kai­ser­schmarrn ver­zich­ten.

Be­su­chen Sie bei­spiels­wei­se das Old Ger­man Beer­hou­se und schau­en Sie end­lich mal wie­der Bun­des­li­ga und ins Warstei­ner-Glas. Oder ge­hen Sie zu Ot­to, ei­ne In­sti­tu­ti­on in Thai­land seit Kai­ser’s Zei­ten. Bö­se Zun­gen be­haup­ten, dass Ot­to der eng­li­schen Spra­che nicht mäch­tig ist und sein Re­stau­rant da­her in Deutsch „Bei Ot­to“tauf­te. Da­bei war es nur ein ge­nia­ler Mar­ke­tingtrick, um die Gäs­te an­zu­lo­cken, denn Thais fra­gen Sie stän­dig, egal ob man sich kennt oder nicht, und in Er­man­ge­lung an­de­rer The­men: „Bai nai?“was so­viel heisst wie „Wo­hin gehst du?“. Wor­auf­hin Sie ant­wor­ten: „Bai Ot­to“. Ist doch klas­se, oder?

Wie es­sen je­doch die Thais? Auf je­den Fall un­über­hör­bar. Und stän­dig. Ein Freund sag­te ein­mal, dass für die Thais das Ar­bei­ten ei­ne un­will­kom­me­ne Un­ter­bre­chung zwi­schen den Mahl­zei­ten ist. Der wirt­schaft­li­che Er­folg der Be­sit­zer von Stra­ßen­kü­chen und Re­stau­rants ist in Thai­land auf je­den Fall ge­si­chert, weil man ein­fach nicht satt wird und der Thai, so wie Sie auch, nach ei­ner St­un­de wie­der et­was zu sich neh­men muss.

Sau­fen. Zu­ge­ge­ben, kein schö­nes Wort, aber Trin­ken passt nicht zu den zehn S un­se­res Pro­gramms. Da­für passt es um­so mehr auf ei­ni­ge hier le­ben­de Aus­län­der, de­nen Sie in den Bars der Stra­ßen be­geg­nen, die sich Soi Cow­boy, Wal­king Street oder Bang­la Road nen­nen. Wen­den Sie sich ver­trau­ens­voll an sie, wenn Sie mal ei­ne be­stimm­te Stra­ße oder ei­ne Tou­ris­ten­at­trak­ti­on su­chen. Die Jungs sind leicht zu er­ken­nen an Tä­to­wie­run­gen, Un­ter­hemd und der ge­fälsch­ten Ro­lex. Zwar er­hal­ten Sie kei­ne be­frie­di­gen­de Aus­kunft, kön­nen aber da­nach ein Buch über Hein­zi‘s tol­len Le­bens­lauf schrei­ben, der Ih­nen nach dem fünf­ten Bier er­zählt, dass er zu de­nen ge­hört, „die wo dem Klin­si das Ki­cken bei­ge­bracht hän“und kürz­lich den Sie­men­sLeu­ten den U-Bahn-Deal ver­schafft hat. Dass er mal bei Kö­nig‘s zum Kaf­fee ein­ge­la­den war, kön­nen Sie dann aber eher sei­nem drit­ten Thai-Whis­ky zu­schrei­ben, der Rest stimmt na­tür­lich.

Und lä­cheln Sie bit­te über den Witz, den man Ih­nen stän­dig er­zäh­len wird, auch wenn’s weh tut. So wird auch Pau­le in Pat­pong’s Ping-Pong-Bar Ih­nen die­sen er­zäh­len: „Weisst du, wie du in Thai­land ei­ne Mil­li­on machst? In dem du zwei mit­bringst.“Was für ein Brül­ler. Wäh­rend Pau­le sich selbst nicht mehr ein­kriegt, ge­ben Sie ihm ei­nen aus, wech­seln Sie aber nicht das The­ma, son­dern un­auf­fäl­lig das Eta­blis­se­ment. Dort be­stel­len Sie sich ei­nen Wod­ka, den Sie jetzt un­be­dingt brau­chen, und ei­nen La­dy-Drink für die Schön­heit ne­ben Ih­nen, die lei­der kei­ne La­dy ist, was Sie dann aber erst mer­ken, wenn es zu spät ist.

Trin­ken ge­hört, nach Sex, zu den be­lieb­tes­ten Ablen­kun­gen der Thais. Egal zu wel­cher Uhr­zeit, Sie fin­den Thais stets mit ei­ner Pul­le Whis­ky auf dem Tisch, fleis­sig nach­ge­schenkt von der rei­zen­den Be­die­nung, die auch nicht ver­gisst, viel Was­ser und Eis da­zu zu tun. Da­her sind Thais auch nicht so schnell blau wie un­ser­eins, für den pur zu sich ge­nom­me­ner Al­ko­hol zum ge­ho­be­nen Li­fe­style ge­hört.

Wie über­all, au­ßer in Nord­ko­rea, ist auch in Thai­land all­zu ex­zes­si­ver Al­ko­hol­ge­nuss nicht un­ge­fähr­lich. Wenn ei­ni­ge zu viel in­tus ha­ben, nei­gen sie zum Streit, so dass Sie auf­pas­sen müs­sen, dass Sie vom Tür­ste­her der Co­zy Dis­co nicht ei­nen vor die Glo­cke krie­gen. Auch hier ist es wie­der wich­tig, zu lä­cheln. Recht­zei­tig.

So, nun ha­ben wir die ers­ten bei­den S-Punk­te un­se­res Pro­gramms ab­ge­han­delt. Wenn Sie al­so mehr über die nächs­ten Punk­te - Sex und Spaß - er­fah­ren wol­len, le­sen Sie in Kür­ze die nächs­te Aus­ga­be, und Sie wer­den wis­sen, war­um so vie­le Tou­ris­ten im­mer wie­der nach Thai­land kom­men.

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