Sa­ti­re. Oder was?

Wochen Blitz - - Kolumne -

Schön, dass Sie noch hier sind, lie­ber Gast in Thai­land, um sich nun den zwei­ten Teil un­se­res 10-S-Pro­gramms rein­zu­tun. Und Dan­ke an die Ab­ge­reis­ten, die die­ses Ma­ga­zin abon­niert ha­ben, da­mit sie auch in den nächs­ten Wo­chen ja nichts von un­se­rem Auf­klä­rungs­pro­gramm ver­pas­sen und beim nächs­ten Be­such sou­ve­rän al­le Kri­sen meis­tern. Oder ge­hö­ren Sie zu den Mil­lio­nen Neu­an­kömm­lin­gen aus Bregenz, Bux­te­hu­de und Bern? Dann passt es um­so bes­ser, denn nun ler­nen Sie et­was über Thai­land und kön­nen hier im Über­le­bens­kampf leicht be­ste­hen. Sie müs­sen jetzt nur noch den ers­ten Teil nach­ho­len, und das tun Sie am bes­ten, in dem Sie a) den Wochenblitz vom 23. Ja­nu­ar aus der „Bi­b­lio­thek“Ih­res dritt­klas­si­gen Ho­tels klau­en, oder b) ir­gend­wo käuf­lich er­ste­hen. Ins­be­son­de­re Punkt b) freut un­se­ren Chef­re­dak­teur ganz be­son­ders.

Zur Er­in­ne­rung: wir be­fas­sen uns mit dem täg­li­chen Wahn­sinn in die­ser mei­ner Wahl­hei­mat, die für Sie ur­laubs­tech­nisch nur ein klei­ner Ex­kurs vom hei­mi­schen Cha­os ist. Um al­so den Ur­laub zu über­ste­hen, fol­gen Sie ein­fach dem 10-S-Pro­gramm, das aus fol­gen­den Ab­schnit­ten be­steht: Schmau­sen - Sau­fen - Sex - Spaß - Schimp­fen - Schwät­zen - Son­nen­ba­den - Shop­pen - Schla­fen - Sin­nie­ren.

Im ers­ten Teil ha­ben wir uns mit den ers­ten bei­den S-The­men be­schäf­tigt, dem Schmau­sen und dem Sau­fen. Heu­te geht es um Sex und Spaß, was man­che un­ver­ständ­li­cher­wei­se ger­ne zu ei­nem Punkt zu­sam­men­fas­sen.

Al­so star­ten wir mit Sex. Na­tür­lich ha­ben Sie es sich min­des­tens drei­mal über­legt, ob Sie Ur­laub in Thai­land ma­chen möch­ten. Aber Sie ha­ben all den hä­mi­schen Be­mer­kun­gen Ih­rer nei­di­schen Kol­le­gen „Na, das wird aber an­stren­gend, was?“wi­der­stan­den. Dar­auf­hin zu not­lü­gen, dass Sie mit Ih­rer Frau nach Thai­land rei­sen, macht die Sa­che nur noch schlim­mer. Bes­ten­falls ha­ben Sie da­heim er­zählt, dass Sie nach Af­gha­nis­tan flie­gen.

Auch ha­ben Sie die ab­fäl­li­gen Bli­cke der Flug­be­glei­te­rin­nen igno­riert, nach­dem Sie, ein männ­li­cher Sing­le, den Flie­ger be­tre­ten ha­ben. Oder sind Sie tat­säch­lich mit Fa­mi­lie ge­kom­men? Dann wer­den Sie glück­li­che Ta­ge ver­brin­gen, denn Ih­re Kin­der wer­den von den Thai­län­de­rin­nen ver­göt­tert und ver­hät­schelt, und Sie ha­ben Ih­re Ru­he. Vor­aus­ge­setzt, sie sind blond. Ih­re Kin­der, mei­ne ich.

Wie auch im­mer, nun sind Sie hier und wer­den fest­stel­len, dass al­le Vor­ur­tei­le über Thai­land be­züg­lich Sextou­ris­mus falsch sind. Denn es gibt kei­nen. Pro­sti­tu­ti­on ist ver­bo­ten in Thai­land. Sex ist, wie über­all auf die­ser Welt, aus­schließ­lich ein pri­va­tes The­ma, was Sie auch da­ran er­ken­nen kön­nen, dass bei­spiels­wei­se ein Thai ne­ben sei­ner Ehe­ge­fähr­tin noch ei­ne „mia noi“, al­so ei­ne Zweit­frau, hat. Da­nach fol­gen noch wei­te­re mi­as, und noch no­ier, auf je­den Fall jün­ger, aber das nur ne­ben­bei. Und es ist of­fi­zi­ell. Na ja, fast je­den­falls. Soll­ten Sie je­doch zu­fäl­lig mal Da­men be­geg­nen, von de­nen Sie glau­ben, dass... – dann lie­gen Sie rich­tig mit Ih­rer Ver­mu­tung und kön­nen sich so­zu­sa­gen in­of­fi­zi­ell auf ei­ni­ges ge­fasst ma­chen.

Die Ko­lum­ne von Ernst Nim­mich

Wie schon im ers­ten Teil ne­ben­bei er­wähnt, ge­hört Sex zu den be­lieb­tes­ten Ver­gnü­gun­gen der Thais, ne­ben Trin­ken. Und Es­sen. Dies al­les zu­sam­men­ge­fasst – Schmau­sen, Sau­fen und Sex – führt zu Spaß, und das ist das wich­tigs­te in Thai­land und wird „Sa­nuk“ge­nannt. Wir sind al­so voll im S-Pro­gramm. Prak­ti­zier­ter Sex der männ­li­chen Thais ist je­doch eher quan­ti­ta­tiv ori­en­tiert, was zur Fol­ge hat, dass die Thai­län­de­rin­nen den ho­hen Qua­li­täts­stan­dard aus­län­di­scher Warm­blüt­ler vor­zie­hen. Das ist der Grund, war­um wir so be­liebt sind. Ein an­de­rer Grund ist, dass Aus­län­der grund­sätz­lich reich sind, lä­chelnd sämt­li­che un­nö­ti­gen Aus­ga­ben de­ckeln und so­mit für die Mä­dels ei­nen wich­ti­gen Ziel­markt dar­stel­len. Denn soll­ten Sie mal abends in ei­ner Bar sit­zen, um die Live-Mu­sik zu ge­nie­ßen – und nur des­halb sind Sie hier - ha­ben Sie Ge­le­gen­heit, rei­zen­de Be­kann­schaf­ten zu ma­chen, oder gar die net­te Kas­sie­re­rin der Ka­si­korn­bank wie­der­zu­tref­fen, bei der Sie nur we­ni­ge St­un­den vor­her Ih­re Schei­ne um­ge­tauscht ha­ben. Bei der Kon­ver­sa­ti­on ist es ein Vor­teil, dass we­der Sie noch die Hüb­sche ei­ni­ger­ma­ßen eng­lisch spre­chen, so dass die Un­ter­hal­tung sich auf das we­sent­li­che be­schränkt und man schnell zur Sa­che kommt. Dies ist im Üb­ri­gen auch in klar ver­ständ­li­cher Zei­chen­spra­che in­ter­na­tio­na­li­siert. An­sons­ten heißt es beim Ein­stieg: „what’s your Na­me?“„whe­re you from?“„how much you ha­ve?“. Sie ant­wor­ten nur mit „Hein­rich“, „Berlin“und „mak-mak“und schon sind Sie im Ge­schäft. Trin­ken Sie in Ru­he aus, denn sie hat Hun­ger und wird erst­mal was es­sen wol­len. Jetzt stellt sich die Fra­ge nach dem „Wo­hin“. Im ers­ten Teil un­se­res 10-S-Pro­gramms ha­ben wir ge­lernt, dass dies mit dem sich leicht zu mer­ken­den „bai nai?“ab­ge­fragt wird. Sa­gen Sie aber jetzt nicht „bai Ot­to“, son­dern fra­gen Sie sel­bi­ges zu­rück, wenn Sie das Gold­stück nicht mit auf Ihr Zim­mer neh­men möch­ten. So wer­den Sie un­ver­züg­lich nach ne­ben­an in ein so­ge­nann­tes „short-ti­me“Ho­tel ge­führt, wo Sie 300 Baht hin­blät­tern, um so­dann ein sti­cki­ges, et­was ge­wöh­nungs­be­dürf­ti­ges Zim­mer zu be­tre­ten. Sie du­schen zu­nächst, auch wenn Sie beim An­blick der Du­sche sich an­schlie­ßend nicht un­be­dingt sau­be­rer füh­len. Al­so, ich weiß das nur so vom Hö­ren­sa­gen. Was Sie dann al­ler­dings nach ge­ta­ner Ar­beit an das Mä­del zah­len soll­ten, weiß ich wirk­lich nicht, ehr­lich. Nur so­viel: wenn Khun Nick von ih­rer kran­ken Oma und dem stets be­trun­ke­nen Pa­pa/Ehe­mann/Bru­der er­zählt, soll­ten Sie et­was groß­zü­gi­ger sein und noch ei­nen Ro­ten auf den Brau­nen le­gen. So, nach­dem Sie zu­viel ge­zahlt ha­ben, sind Sie nun Pro­fi und ge­hen rou­ti­niert in die nächs­te Bar. Auch sprach­lich sind Sie gut drauf, denn es än­dert sich nichts am Dia­log. Ne­ben dem ver­dien­ten Whis­ky wer­fen Sie sich nun die un­ver­meid­li­chen Erd­nüs­se so­wie die klei­ne blaue Pil­le ein. Be­ach­ten Sie bei Ih­ren Aus­ga­ben, dass Sie nicht un­be­dingt Geld spa­ren, wenn Sie Ni­cky mit auf Ihr Ho­tel­zim­mer neh­men, denn da ach­tet der Con­cier­ge auf Ne­ben­ein­nah­men, heisst al­so: er kon­trol­liert und ko­piert zu­nächst den Aus­weis der Klei­nen, was gut für Sie und für al­le Fäl­le ist. Dann ver­langt er aber ein paar Schei­ne, denn schließ­lich ha­ben Sie ja nur ein Ein­zel­zim­mer ge­bucht. Sei­en Sie al­so dar­auf vor­be­rei­tet, dass Sie et­wa 500 Baht schnell zur Hand ha­ben, um den pein­li­chen Bli­cken Ih­rer Rei­se­trup­pe, die zu­fäl­lig ge­ra­de kom­plett in der Lob­by steht, nicht all­zu­lan­ge aus­ge­setzt zu sein. In et­was teu­re­ren Ho­tels be­kom­men Sie es ger­ne auch auf die Rech­nung ge­schrie­ben. Ach­ten Sie je­doch dar­auf, wer zu­hau­se Ih­re Buch­hal­tung macht und ha­ben Sie ei­ne gu­te Ant­wort pa­rat, wenn Ih­re Gat­tin die Ho­tel­rech­nung in­spi­ziert und fragt: „Du Schatz, was ist denn ein Joi­ner?“

Da, wie ge­sagt, Pro­sti­tu­ti­on in Thai­land ver­bo­ten ist, gibt es al­so auch kei­ne Pro­sti­tu­ier­ten, son­dern höchs­tens Se­mi-Pro­fes­sio­nals. Sie wer­den über­rascht sein, dass vie­le Nacht­fal­ter, de­nen Sie des Nachts be­geg­nen, im Ge­gen­satz zum „Bel Air“in der Wie­ner Vor­stadt sehr nett und an­schmieg­sam sind. Es fällt Ih­nen leicht, sich zu ver­lie­ben, und der Weg ist der Süs­sen Ziel. Ich ha­be ei­ni­ge Be­kann­te, de­ren lang­jäh­ri­ge Ehen auf ei­nem zu­fäl­li­gen Tref­fen im Tra­vel­ler’s Pub oder im Bam­boo ba­sie­ren, vor­aus­ge­setzt na­tür­lich, dass Sie al­le Fra­gen be­züg­lich Ih­rer fi­nan­zi­el­len Vor­sor­ge be­frie­di­gend be­ant­wor­ten konn­ten. Wer­fen Sie al­so nie­mals mit Be­grif­fen wie et­wa „Hartz IV“um sich – das kennt hier je­de Maus. (ist nur zu nut­zen, wenn Sie ei­nen sau­be­ren Ab­gang ha­ben möch­ten).

Das zum männ­li­chen Sing­le. Na­tür­lich ha­ben auch die Frau­en Spaß. Spaß da­ran, wie Män­ne ver­geb­lich ver­sucht, sei­ne neu­gie­ri­gen Bli­cke mit­tels Son­nen­bril­le zu ka­schie­ren, Spaß an den Go­ckeln und Ma­chos, die hier nichts aus­ser sich selbst be­wei­sen müs­sen. Aber auch Spaß an au­ßer­ge­wöhn­li­chen Mög­lich­kei­ten mit der kurz­haa­ri­gen Gig. Man sieht zu­dem des öf­te­ren Paa­re, die ge­mein­sam mit Khun Gung am Tre­sen ei­nen zwit­schern. Da ist das Pär­chen aus Man­ches­ter, bei­de in schwar­zer Le­der­kluft, die Nacht für Nacht nicht nur den mu­sik­ma­chen­den Al­t­ro­ckern im „Coun­try Road“in der Soi Cow­boy, son­dern auch den Sa­do-Er­fah­run­gen von Khun Meauw lau­schen. Fans des Gleich­ge­schlecht­li­chen, oder des da­zwi­schen, kom­men im Freu­den­land der To­le­ranz voll auf ih­re Kos­ten. Nur Ben­ni aus Bern hat­te et­was Pech, der, ah­nungs­los wie er war, sich von zwei Ka­tois ei­ne Ho­sen­ta­schen­mas­sa­ge ver­pas­sen ließ, so­zu­sa­gen sand­wich­tech­nisch, und sich da­nach wun­der­te, dass zwar die Ho­se voll, aber die Ta­schen leer wa­ren. Schwupp­di­wupp, war al­les weg, das Geld, das Han­dy und der Ehe­ring. Ach so, Sie wis­sen nicht, was ein Ka­toi ist? Nur so­viel: in Thai­land sind die schöns­ten Frau­en Män­ner. Apro­pos Sand­wich: Sie soll­ten auch mal ei­nes der bes­se­ren Mas­sa­ge­häu­ser be­su­chen, der Ge­sund­heit zu­lie­be. Hier wird ein her­vor­ra­gen­der Ser­vice mit Rie­sen­schaum­bad ge­bo­ten und al­les, was so zum Hand­werk ge­hört.

Ich er­in­ne­re mich auch an die Ge­schich­te ei­nes Freun­des, der vor Jah­ren öf­ters ge­schäft­lich nach Thai­land kam, sich auch gut aus­kann­te und ei­nes Ta­ges von sei­ner Frau, ei­ner pro­mo­vier­ten Wirt­schafts­wis­sen­schaft­le­rin, nach Bangkok be­glei­tet wur­de. Er zeig­te ihr die Se­hens­wür­dig­kei­ten, aber auch das Nacht­le­ben rund um Si­lom. Es dau­er­te ei­ni­ge Ta­ge, bis Frau Dok­tor al­les ver­daut hat und fol­gen­den Dia­log star­te­te: „Al­so ehr­lich, was hier ab­geht.“„hmmm.“„Und so lo­cker.“„hmmm.“„Al­so, ich kann das schon nach­voll­zie­hen, wenn hier ein Mann schwach wird.“„hm.“„Ehr­lich, du, wenn du mal...“„hmmm?“„Nee du, wirk­lich, könnt‘ ich gut ver­ste­hen, bei so vie­len hüb­schen Mäd­chen.“„hmmm.“„Hab da auch gar kein Pro­blem mit.“„--“. „Nee, kannst ru­hig sa­gen – has­te mal...?“„hmmmmm“. Nach der Schei­dung zog er hier­her und hei­ra­te­te sei­ne Al­ca­tra­zLie­be. So, jetzt wis­sen Sie, wie‘s geht.

Al­les in al­lem geht es nur dar­um, dem Sa­nuk zu fol­gen, al­so Spaß zu ha­ben. Der oder die Thai kann zwar we­der tan­zen noch sin­gen, was sie aber nicht ab­hält, ge­nau das bis zum Ab­win­ken zu be­trei­ben. Nach Fei­er­abend ge­niesst man Es­sen und Ka­rao­ke. Man lacht und trinkt, als ob der nächs­te Tag ein hei­li­ger ist, an dem üb­li­cher­wei­se kein Al­ko­hol aus­ge­schänkt wird, höchs­tens in Kaf­fee­tas­sen. Ge­hen Sie mal in Bangkok nachts um zwei auf die Suk­hum­vit. Da tanzt nicht nur der Bär. Wäh­rend ei­ni­ge Kn­ei­pen dicht ma­chen, ste­hen Ih­nen plötz­lich ei­ne Gar­kü­che und Stra­ßen­bar nach der an­de­ren eben­so zur freu­di­gen Ver­fü­gung, wie die hüb­sches­ten Mä­dels und Jungs, die nach ers­ten Um­sät­zen nun wei­te­ren Spaß su­chen, den auch Sie sich nicht ent­ge­hen las­sen möch­ten.

So, jetzt ha­be ich doch, wi­der bes­se­ren Wis­sens, Sex und Spaß zu­sam­men­ge­wor­fen, wie konn­te das nur pas­sie­ren?

Nun ja, na­tür­lich gibt es auch an­de­re Ver­gnü­gun­gen, die Spaß ma­chen. Aber das be­han­deln wir dann beim nächs­ten Mal, wenn wir uns pro­gramm­ge­mäß mit Schimp­fen und Schwät­zen be­schäf­ti­gen. Falls Sie bis da­hin nicht von Amors Pfeil ge­trof­fen wur­den. Oder vom Blitz. Dann doch we­nigs­tens vom Wochenblitz. Blei­ben Sie dran.

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