Gy­si: Das Ab­wen­den Grie­chen­lands wird Nach­ah­mer fin­den

Grie­chen­lands­neue Re­gie­rungkün­digt dieZu­sam­men­ar­beit mit­derT­roi­k­a­auf. DieEu­ro-Part­ner füh­len­sich­vor­den Kopf­ge­sto­ßen. Links­frak­ti­ons­chef Gy­si­sieht­dieT­roi­kaPo­li­tik­derEUund da­mi­tauchKanz­le­rin Mer­kel­ge­schei­tert.

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Di­js­sel­blo­em for­der­te die Links­Rechts-Re­gie­rung auf, ih­re Ver­spre­chen ein­zu­hal­ten. Sicht­lich ver­är­gert gin­gen die bei­den Po­li­ti­ker aus­ein­an­der. Die Tsi­pras-Re­gie­rung for­dert ei­nen Schul­den­schnitt und ein En­de der Spar­auf­la­gen.

Ei­nen Schul­den­er­lass lehn­te Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel ( CDU) ab. „ Es gab schon ei­nen frei­wil­li­gen Ver­zicht der pri­va­ten Gläu­bi­ger, Grie­chen­land wur­den von den Ban­ken be­reits Mil­li­ar­den er­las­sen. Ei­nen wei­te­ren Schul­den­schnitt se­he ich nicht“, so Mer­kel am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de. Zur Vor­aus­set­zung für wei­te­re Fi­nanz­hil­fen mach­te sie die Fort­set­zung des Re­form­kur­ses.

Auch Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) wies - na­tür­lich - Schul­den­er­lass-For­de­run­gen zu­rück. „Wenn ich ein ver­ant­wort­li­cher grie­chi­scher Po­li­ti­ker wä­re, wür­de ich kei­ne De­bat­ten über ei­nen Schul­den­schnitt füh­ren“, sag­te Schäu­b­le in sei­ner ty­pisch rup­pi­gen und über­heb­li­chen Art. „Wer die Fi­nan­zie­rung der grie­chi­schen Schul­den kennt, weiß, dass es bis zum Jahr 2020 kein Pro­blem gibt.“

Der IWF er­war­te, dass dank der gu­ten Ent­wick­lung in Grie­chen­land die Schul­den­quo­te bis 2020 auf 112 Pro­zent sin­ken wird. Das wä­re deut­lich un­ter dem heu­ti­gen Ni­veau Ita­li­ens. „Ich se­he da kei­nen An­lass, über ei­nen Schul­den­schnitt zu spe­ku­lie­ren“, sag­te Schäu­b­le.

Uni­ons- Po­li­ti­ker zei­gen sich em­pört über die Wei­ge­rung At­hens, wei­ter mit den Spar-Kon­trol­leu­ren der Troi­ka zu­sam­men­zu­ar­bei­ten. Der Ob­mann der Uni­ons-Frak­ti­on im Bun­des­tags­fi­nanz­aus­schuss, Hans Mi­chel­bach (CSU), sieht ei­nen „of­fe­nen Bruch“der Ver­trä­ge: „Das muss sicht­ba­re Kon­se­quen­zen ha­ben“. Der Chef­haus­häl­ter der Bun­des­tags- frak­ti­on, Norbert Barth­le (CDU), be­ton­te, At­hen müs­se sich an die ge­setz­li­chen Ver­ein­ba­run­gen hal­ten. Grie­chen­land be­kom­me der­zeit noch Hilfs­kre­di­te der Eu­ro­ret­ter und sei nach Ein­schät­zung von Ex­per­ten auch künf­tig auf Un­ter­stüt­zung in Mil­li­ar­den­hö­he an­ge­wie­sen.

Den ar­ro­gan­ten Hö­he­punkt setz­te al­ler­dings EU-Par­la­ments­prä­si­dent Mar­tin Schulz. Im Rin­gen um Er­leich­te­run­gen beim Schul­den­ab­bau hat er der neu­en grie­chi­schen Re­gie­rung ge­ra­ten, An­grif­fe auf Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel zu be­en­den. Er ha­be Mi­nis­ter­prä­si­dent Al­exis Tsi­pras „nach­drück­lich ans Herz ge­legt, ver­bal ab­zu­rüs­ten“, sag­te Schulz. „Schließ­lich ist es un­ter an­de­rem die Bun­des­re­gie­rung, die ihm wird hel­fen müs­sen.“Es mö­ge bei man­chen vi­el­leicht gut an­kom­men, „ auf die Deut­schen ein­zu­prü­geln – aber es ist auch kurz­sich­tig und bringt uns nicht wei­ter.“

Der EU- Par­la­ments­prä­si­dent be­män­gel­te, er kön­ne die Kon­zep­ti­on der neu­en Re­gie­rung in At­hen „im Mo­ment noch nicht voll­stän­dig er­ken­nen“. Dies er­öff­ne aber auch die Chan­ce, ge­mein­sam ei­ne kon­struk­ti­ve Rich­tung ein­zu­schla­gen, sag­te Schulz, was auch im­mer er dar­un­ter ver­ste­hen mag.

Wie ernst die La­ge ins­ge­samt für die EU, den Eu­ro und auch An­ge­la Mer­kel ist, das macht auch ein Kom­men­tar des Spie­gels deut­lich: „ Der Sieg von Al­exis Tsi­pras war auch ei­ne Nie­der­la­ge von An­ge­la Mer­kel. Die Grie­chen ha­ben ei­ne ra­di­ka­le Re­gie­rung ge­wählt, um sich von deut­schem Druck zu be­frei­en. Ei­ne Po­li­tik, die zu­nächst rich­tig wirkt, er­weist sich als falsch, wenn sie die La­ge nicht bes­ser macht, son­dern schlech­ter. Jetzt muss die Po­li­tik da­für sor­gen, dass die La­ge wie­der bes­ser wird. Da­für soll­te sie ih­re Zie­le und Stra­te­gi­en de­fi­nie­ren.

Für die Deut­schen heißt das: Nach­sicht üben. Wenn Tsi­pras ei­nen Fun­ken po­li­ti­schen Ver­stan­des hat, dann weiß er, dass er Mer­kel nicht zu viel zu­mu­ten darf, denn selbst­ver­ständ­lich ist sie wei­ter­hin den deut­schen Wäh­lern ver­pflich­tet, und die AfD lau­ert. Nichts wä­re schlim­mer als ein ge­gen­sei­ti­ges Auf­schau­keln der Po­pu­lis­ten. Soll­te Tsi­pras ge­nau das wol­len, hat Eu­ro­pa kei­ne Chan­ce!“

Der neue grie­chi­sche Fi­nanz­mi­nis­ter Gi­an­nis Va­rou­fa­kis hat die Auf­nah­me von im­mer mehr Kre­di­ten durch sein Land als aus­sichts­los cha­rak­te­ri­siert. „Die­ses Schnee­ball­sys­tem muss auf­hö­ren“, sag­te er am Mitt­woch bei der Über­nah­me sei­nes Mi­nis­te­ri­ums. Die Geld­ge­ber ha­ben Grie­chen­land nach sei­nen Wor­ten „zu viel Geld“ge­lie­hen. Das Pro­blem der grie­chi­schen Schul­den müs­se neu ge­re­gelt wer­den. „Das ha­be ich be­reits Eu­ro­grup­pen­chef Je­ro­en Di­js­sel­blo­em te­le­fo­nisch gesagt und er hat Ver­ständ­nis ge­zeigt“, sag­te Va­rou­fa­kis. Wir brau­chen ei­nen eu­ro­päi­schen New De­al“, sag­te er wei­ter.

Va­rou­fa­kis ver­sprach, Grie­chen­land wer­de kei­ne neu­en Schul­den ma­chen. Die Grie­chen wer­den künf­tig „nur das aus­ge­ben, was sie ver­die­nen“. Mit ei­ner Ge­sell­schaft, die Lu­xus­ar­ti­kel kon­su­mie­re, sei es „vor­bei“.

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