Freud und Leid nach dem Fran­ken­schock - Fir­men ban­gen

Der­star­keFran­ken­hat fürSchwei­zer­ei­ne­net­te, abe­rauch­ei­nehäss­li­che Sei­te:Im­port­wa­ren­und Ur­lau­bimAus­land­wer­denz­war­bil­li­ger.Doch dieEx­port­in­dus­trie lei­detund­warnt­vor Job­ver­lus­ten.

Amerika Woche - - Alpenregion -

Deut­sche

Lu­xus­au­tos sind in der Schweiz be­liebt. Und so man­cher Eid­ge­nos­se über­legt der­zeit, ob jetzt nicht die bes­te Zeit ist, sich ein neu­es zu­zu­le­gen. „Freu­de am Fah­ren wird noch at­trak­ti­ver“, wirbt ein gro­ßer Au­to­bau­er aus dem nörd­li­chen Nach­bar­land - und ver­weist da­bei auf sei­ne „ Eu­ro Ad­van­ta­ge Prä­mi­en“.

Ob Au­tos oder Ba­by­win­deln, Mö­bel, Kos­me­tik, Wasch­mit­tel oder Ge­mü­se - so gut wie al­les, was die Schweiz aus um­lie­gen­den Län­dern der „Schwach­wäh­rungs­zo­ne“im­por­tiert, wird jetzt in Fran­ken bil­li­ger. Teil­wei­se bis zu 30 Pro­zent be­trägt der „Eu­ror­abatt“, den Händ­ler ein­räu­men. Ju­bel­stim­mung kommt auf, wenn Eid­ge­nos­sen ih­ren nächs­ten Aus­lands­ur­laub bu­chen. Ob Eu­ro, Dol­lar, Yen oder Pe­so - die Au­ßen­welt ist für Schwei­zer so bil­lig wie nie zu­vor.

Der Geld­se­gen war ab­so­lut über­ra­schend her­ein­ge­bro­chen. Tho­mas Jor­dan (klei­nes Foto), der Chef der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank (SNB), trat am 15. Ja­nu­ar vor die Pres­se und er­klär­te - un­er­war­tet für die meis­ten Fi­nanz­ex­per­ten: „ Die SNB hat be­schlos­sen, den Min­dest­kurs von 1,20 Fran­ken pro Eu­ro per so­fort auf­zu­he­ben und ihn nicht mehr mit De­vi­sen­käu­fen durch­zu­set­zen.“

Fi­nanz­märk­te re­agier­ten in Se­kun­den. Die Nach­fra­ge nach dem - vor al­lem we­gen der Un­wäg­bar­kei­ten der Eu­ro­zo­ne - als si­che­rer Ha­fen gel­ten­den „Eid­ge­nos­sen­dol­lar“stieg da­durch sprung­haft an.

Kos­te­te ein Fran­ken im De­zem­ber noch 83 Cents, so muss man da­für heu­te rund ei­nen Eu­ro hin­le­gen. Und das bei ei­nem oh­ne­hin schon enorm ho­hen Schwei­zer Preis­ni­veau. Ein hal­ber Li­ter Bier im Bahn­hofs­re­stau­rant in Zü­rich kos­tet nun 8 Eu­ro - statt bis­her 6,65. Ähn­lich ha­ben sich auch Im­port­wa­ren aus der Schweiz für Eu­ro­zah­ler ver­teu­ert.

Auch für den De­vi­sen­markt gilt frei­lich: Des ei­nen Freud, des an­de­ren Leid. Vie­le Eid­ge­nos­sen tra­gen ih­ren Fran­ken- Kraft­protz zur Be­geis­te­rung deut­scher Ein­zel­händ­ler, Gas­tro­no­men, Zahn­ärz­te oder auch Fri­seu­re flei­ßig ins be­nach­bar­te ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Grenz­ge­biet. In vie­len Schwei­zer Un­ter­neh­men bricht in­des Zu­kunfts­angst aus.

Weil der größ­te Teil der Ex­por­te - von Scho­ko­la­de und Kä­se über Uh­ren bis zu Fahr­zeug­tei­len, Ma­schi­nen und Aus­rüs­tun­gen - in den Eu­ro­raum geht, be­fürch­ten Fir­men er­heb­li­che Ein­nah­me­ver­lus­te. Das Di­lem­ma: Sie müs­sen ent­we­der ih­re Prei­se in Eu­ro er­hö­hen oder da­heim die Kos­ten sen­ken oder auch bei­des, um nicht in Fran­ken in die Ver­lust­zo­ne ab­zu­rut­schen. Doch hö­he­re Prei­se dämp­fen die Nach­fra­ge und da­mit Um­satz und Ge­winn.

Seit Ta­gen wird in der Wirt­schaft de­bat­tiert, wie die La­ge in den Griff zu be­kom­men wä­re. Am un­mit­tel­bars­ten ist die Tou­ris­mus­in­dus­trie be­trof­fen. Nach­dem der Fran­ken­schock die Schweiz noch mehr zur Hoch­preis­in­sel im Eu­ro­meer ge­macht hat, ha­gel­te es Stor­nie­run­gen.

Vor ei­ni­gen Jah­ren be­kam man für ei­nen Eu­ro noch mehr als 1,65 Fran­ken. Da­mals galt das Al­pen­land als ge­ra­de noch er­schwing­lich. Mit der jüngs­ten Fran­ken­auf­wer­tung sei­en Fe­ri­en in der Schweiz nun aber „dop­pelt so teu­er wie in den Nach­bar­län­dern“, klag­te Ca­si­mir Plat­zer, Prä­si­dent des Bran­chen­ver­ban­des Gastro­suis­se.

Er­ör­tert wird ei­ne Aus­set­zung der Mehr­wert­steu­er für Tou­ris­mus und Gas­tro­no­mie. Ver­tre­ter der Ex­port­in­dus­trie brach­ten Lohn­kür­zun­gen und die Ver­län­ge­rung der Ar­beits­zeit oh­ne Lohn­aus­gleich ins Ge­spräch. Sonst kön­ne die Schweiz ih­re nied­ri­ge Ar­beits­lo­sen­quo­te von 3,4 Pro­zent nicht hal­ten. Sol­che Maß­nah­men sei­en „ab­so­lut nö­tig“, so der Chef des Stel­len­ver­mitt­lers Adec­co, Patrick De Ma­e­senei­re.

Ge­werk­schaf­ten und Un­ter­neh­men for­der­ten staat­li­che Un­ter­stüt­zung für den Fall von Kurz­ar­beit - auch, um die Ab­wan­de­rung von Fir­men ins Eu­ro­land zu ver­hin­dern. Dem gab die Re­gie­rung rasch statt. Am ver­gan­ge­nen Di­ens­tag wies sie die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung an, al­len Be­trof­fe­nen von Kurz­ar­beit, die durch den Fran­ken­schock be­gründ­bar ist, ei­nen Aus­gleich zum bis­he­ri­gen Lohn zu zah­len.

Dass der Eu­ro bald stär­ker und da­mit die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Schweiz auf ih­rem wich­tigs­ten Ex­port­markt wie­der bes­ser wird, glaubt der­zeit nie­mand. Ex­per­ten des In­dus­trie­dach­ver­bands Swiss­mem ge­hen viel­mehr da­von aus, dass be­trof­fe­ne Un­ter­neh­men bis zu zwei Jah­re brau­chen wer­den, um un­ter an­de­rem durch Ra­tio­na­li­sie­rungs­maß­nah­men die Fol­gen der Fran­ken­auf­wer­tung zu ver­dau­en.

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