Nternationale res­se­stim­men

Amerika Woche - - Meinung -

ten? ... Am En­de wird es wohl die be­lieb­tes­te al­ler Po­li­ti­ker­op­tio­nen: das Wei­ter­wurs­teln. Grie­chen­land be­hält den Eu­ro bei, ei­nigt sich mit der EU auf ei­nen Kom­pro­miss, führt den Spar­kurs mit Ab­stri­chen fort und muss sei­ne Schul­den erst spä­ter zu­rück­zah­len. Die Wen­de in Eu­ro­pa, die Lin­ke al­ler La­ger nach dem Wahl­sieg von Tsi­pras her­bei­schwär­men, wird in­des Wunsch­den­ken blei­ben. Ei­ne so­zi­al­ro­man­ti­sche Aus­wei­tung der Staats­aus­ga­ben ist bei den jet­zi­gen Schul­den­stän­den nicht drin. Le Mon­de, Paris Die Part­ner At­hens ha­ben sich schon be­reit­er­klärt, über die Schul­den­last Grie­chen­lands zu ver­han­deln. Man muss Tsi­pras oh­ne buch­hal­te­ri­sche Spitz­fin­dig­keit hel­fen, doch die­ser wird in der In­nen- wie in der Haus­halts­po­li­tik auch schwie­ri­ge An­pas­sungs­pro­zes­se ein­lei­ten müs­sen. Tsi­pras muss von ei­nem ziem­lich un­rea­lis­ti­schen Wahl­kampf­pro­gramm auf ein mü­he­vol­les Pro­gramm um­sat­teln. Ei­ne sol­che Wen­de er­for­dert gro­ßes po­li­ti­sches Ta­lent. Tsi­pras hat ge­zeigt, dass er ein sol­ches Ta­lent be­sitzt. Man darf ihm viel Glück wün­schen. Eu­ro­pä­er und Grie­chen sind da­zu ver­dammt, ei­ne Ei­ni­gung zu fin­den. Li­do­ve no­vi­ny, Prag Die Grie­chen ma­chen ei­nen un­dank­ba­ren Ein­druck. Der Wahl­tri­umph der ex­trem lin­ken Sy­ri­za be­deu­tet nichts an­de­res, als dass sie die Für­spra­chen aus Brüs­sel und die An­stren­gun­gen ih­rer ei­ge­nen Re­gie­rung nicht zu schät­zen wuss­ten. Der eu­ro­päi­sche Rat, „rich­tig zu wäh­len“, konn­te kaum be­deu­ten, den­je­ni­gen den Rü­cken zu zei­gen, die hart­nä­ckig ver­su­chen, Grie­chen­land über Was­ser und in der Eu­ro­zo­ne zu hal­ten. Es ist pa­ra­dox, dass die Re­gie­rung ab­ge­straft wur­de, als die Wirt­schaft wie­der an­fing zu wach­sen. Es ist ein war­nen­der Fin­ger­zeig: Ex­tre­mis­ten könn­ten auch an­dern­orts in Eu­ro­pa Er­folg ha­ben. Cor­rie­re della Se­ra, Rom In Grie­chen­land hat die Hoff­nung ge­won­nen. Oder bes­ser, die Hoff­nung hat die Angst ge­schwächt und sie so­gar fast zer­stört. Nach fünf Jah­ren der Aus­te­ri­tät, dra­ko­ni­scher Maß­nah­men, Op­fern und ei­ner ho­hen Ar­beits­lo­sig­keit hat sich das Volk für ei­nen Wan­del ent­schie­den. Nicht mehr be­din­gungs­los zu ak­zep­tie­ren, was von den Kre­dit­ge­bern ver­langt wird und die eu­ro­päi­sche Front of­fen her­aus­zu­for­dern. Si- cher­lich ist Grie­chen­land da­mit nicht al­lei­ne, es gibt an­de­re Län­der in der EU, in de­nen laut ein Kurs­wech­sel ge­for­dert wird. (...) Es ist ein zu er­war­ten­des Er­geb­nis, das aber auch über­rascht we­gen der Di­men­sio­nen des Ab­stands zwi­schen den Sie­gern und den Par­tei­en der ak­tu­el­len Re­gie­rung. Das be­deu­tet, dass die Re­gie­rung schlim­me Feh­ler ge­macht hat, in­dem sie das Ge­spenst der Ka­ta­stro­phe im Fal­le ei­nes Sy­ri­za-Siegs be­schwo­ren hat und ei­ni­ge Er­klä­run­gen über­nom­men hat, die vor al­lem aus Berlin ka­men. De Stan­daard, Lüt­tich Eu­ro­pa steht nun vor ei­nem Di­lem­ma. Soll es ri­go­ros auf dem strik­ten Spar­kurs be­ste­hen, den es den Grie­chen auf­er­legt hat? Oder soll es sich mit Tsi­pras an den Ver­hand­lungs­tisch set­zen, um nach ei­nem Kom­pro­miss zu su­chen? Letz­te­res scheint die ver­nünf­tigs­te Op­ti­on zu sein. Da­bei dürf­te je­doch der ra­di­kals­te Punkt des Sy­ri­zaPro­gramms - der Er­lass ei­nes Teils der Staats­schul­den - aus­ge­schlos­sen sein. Das wä­re nicht fair ge­gen­über je­nen Eu­rolän­dern, die sich stets dem Brüs­se­ler Spar­dik­tat ge­beugt ha­ben.

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