VW: Wie­der De­bat­te um Bo­ni und Kun­den - Zu­lie­fe­rer-Gip­fel ge­plant

Amerika Woche - - Auto -

Der Zu­kunfts­pakt bei Volks­wa­gen ist nach Mo­na­ten des Rin­gens zwi­schen Be­triebs­rat und Ma­nage­ment fer­tig. Aber hin­ter den Ku­lis­sen und im Ver­hält­nis zu den Kun­den gärt es wei­ter ge­wal­tig. Die Zu­lie­fe­rer will Nie­der­sach­sen nun schleu­nigst über die Her­aus­for­de­run­gen in­for­mie­ren.

Der ra­di­ka­le Um­bau bei VW mit dras­ti­schen Job­kür­zun­gen und der Kon­zen­tra­ti­on auf neue Ge­schäfts­fel­der lässt den Kon­zern und sei­ne Zu­lie­fe­rer nicht zur Ru­he kom­men. Nach der Vor­la­ge des Zu­kunfts­pakts, der die Strei­chung von welt­weit bis zu 30.000 Stel­len vor­sieht, ent­brann­te zum Wo­chen­be­ginn ei­ne neue De­bat­te um Ma­nage­ment-Bo­ni und den Um­gang mit den vom Die­sel-Skan­dal be­trof­fe­nen Kun­den. Volks­wa­genLie­fe­ran­ten kom­men nach An­ga­ben von Nie­der­sach­sens Wirt­schafts­mi­nis­ter und VW-Auf­se­her Olaf Lies (SPD) vom Mon­tag dem­nächst zu­dem zu ei­nem „Gip­fel­tref­fen“zu­sam­men.

In Zei­ten, in de­nen Be­schäf­tig­te auch die Fol­gen des Ab­gasSkan­dals mit­tra­gen müs­sen, sol­le das Ma­nage­ment kür­zer tre­ten, for­der­te der Chef des CDU-Ar­beit­neh­mer­flü­gels, Karl-Jo­sef Lau­mann, in der „Bild“-Zei­tung: „Ein deut­li­che­res Si­gnal wä­re es, auch die Bo­ni der letz­ten Jah­re an den Kon­zern zu­rück­zu­ge­ben.“Das Top-Ma­nage­ment bei Volks­wa­gen sol­le so für das jüngs­te „Ver­sa­gen“ge­ra­de­ste­hen.

Ak­tio­närs­ver­tre­ter se­hen das ähn­lich. „Die Vor­stän­de kön­nen nicht für Er­fol­ge be­zahlt wer­den, die auf Soft­ware-Ma­ni­pu­la­tio­nen und Be­trug be­ru­hen“, mein­te Jür­gen Kurz von der Deut­schen Schutz­ver­ei­ni­gung für Wert­pa­pier­be­sitz im „Ta­ges­spie­gel“. Das VW-Ma­nage­ment hat­te sich im Früh­jahr be­reit­er­klärt, Tei­le der va­ria­blen Ver­gü­tung zu­rück­zu­stel­len und von der wei­te­ren Ak­ti­en­kur­sEnt­wick­lung ab­hän­gig zu ma­chen.

Der Um­bau des Un­ter­neh­mens, bei dem Mil­li­ar­den durch Job­kür­zun­gen ein­ge­spart wer­den sol­len, war auch The­ma ei­ner Re­gie­rungs­er­klä­rung von Nie­der­sach­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD).

Für Wir­bel sorg­ten da­ne­ben Äu­ße­run­gen von VW-Kon­zern­chef Mat­thi­as Mül­ler (Fo­to). Er hat­te ein man­geln­des Kun­den­in­ter­es­se für den schlep­pen­den Ab­satz von E-Au­tos ver­ant­wort­lich ge­macht. Ent­schä­di­gungs­wün­sche von VWFah­rern, die von der Die­sel­kri­se in Eu­ro­pa be­trof­fen sind, kön­ne er nur „emo­tio­nal“nach­voll­zie­hen. Nicht nur Ver­brau­cher­schüt­zer kri­ti­sier­ten das.

„Ich hal­te die Äu­ße­rung für mehr als un­ge­schickt“, sag­te Lies und be­ton­te: „Das ist der völ­lig fal­sche Weg.“VW ha­be das aber nun ver­stan­den. Auch der CDUVi­ze­frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Dirk To­epf fer mein­te: „Die Kommunikation des Kon­zerns ist un­ter­ir­disch.“VW müs­se nun end­lich wie­der in ein ru­hi­ge­res Fahr­was­ser kom­men.

An­fang De­zem­ber soll­te ein Zu­lie­fe­rer-Tref­fen mehr Klar­heit für wich­ti­ge Lie­fe­ran­ten von Eu­ro­pas größ­tem Au­to­bau­er ge­ben. „Der Ort steht noch nicht fest“, sag­te Lies nach ei­ner Un­ter­rich­tung des zu­stän­di­gen Land­tags­aus­schus­ses in Hannover. Nach ei­nem Auf­takt in klei­ne­rem Krei­se wer­de ei­ne Wo­che spä­ter in gro­ßer Run­de ge­tagt. Da­für wer­de der 6. De­zem­ber als Da­tum an­ge­peilt (die Be­stä­ti­gung stand zu Re­dak­ti­ons­schluss noch aus).

Bei dem Tref­fen der nie­der­säch­si­schen Zu­lie­fer­in­dus­trie soll es um Aus­wir­kun­gen des Zu­kunfts­pakts ge­hen. Die­ser sieht ne­ben Re­for­men und Stel­len­ab­bau auch ei­ne Neu­aus­rich­tung bei den Zu­kunfts­the­men Elek­tro­mo­bi­li­tät und Di­gi­ta­li­sie­rung vor. In Nie­der­sach­sen be­schäf­tigt Volks­wa­gen rund 110.000 Men­schen, noch ein­mal so vie­le sind es in den Zu­lie­fer­un­ter­neh­men.

An­ge­sichts des Wan­dels der Mo­bi­li­tät gel­te es aus­zu­lo­ten, wie die Zu­lie­fe­rer et­wa über neue Kom­po­nen­ten dar­an teil­ha­ben könn­ten, er­klär­te Lies. Er be­ton­te, dass der Gip­fel durch­aus den An­stoß ge­ben könn­te für ein bun­des­wei­tes Tref­fen die­ser Art.

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