In­ter­na­tio­na­le Pres­se­stim­men

Amerika Woche - - Meinung -

FAZ An­ge­la Mer­kel hat nicht mehr und nicht we­ni­ger als ei­ne Vi­si­on für ei­ne wei­te­re Kanz­ler­schaft ge­lie­fert. Sie ist über­schrie­ben mit Glo­ba­li­sie­rung und Di­gi­ta­li­sie­rung, bei­des die wich­tigs­ten Grün­de da­für, war­um in Deutsch­land, Eu­ro­pa und Ame­ri­ka die Ge­sell­schaf­ten so po­la­ri­siert sind wie seit Ge­ne­ra­tio­nen nicht mehr. Die Bot­schaft lau­te­te ganz ein­fach: „Die Ve­rän­de­run­gen wer­den schnel­ler kom­men, als wir den­ken.“Ge­meint wa­ren nicht ir­gend­wel­che Ve­rän­de­run­gen im Rah­men ei­ner glo­ba­li­sier­ten und di­gi­ta­li­sier­ten Wirt­schaft, son­dern Ve­rän­de­run­gen, die an die Wur­zeln in­dus­tri­el­ler Wert­schöp­fun­gen ge­hen. Mer­kel nahm das Wort nicht in den Mund, das es für der­lei Um­brü­che gibt, um die Ve­r­un­si­che­rung nicht noch zu näh­ren, die sie doch ge­ra­de ein­zu­fan­gen such­te. Das Wort ist Re­vo­lu­ti­on. Cor­rie­re del­la Se­ra, Rom Es ist ei­ne gu­te Nach­richt, trotz des Ge­kei­fes der vie­len in­to­le­ran­ten und an­ti-eu­ro­päi­schen Rat­ten­fän­ger. Aber die Ent­schei­dung von An­ge­la Mer­kel bringt auch ein Ri­si­ko mit sich, das sie un­be­dingt ab­wen­den muss. Ein gan­zes Jahr trennt uns von der mög­li­chen Be­stä­ti­gung der Kanz­ler­schaft. Ein Jahr, an des­sen En­de ei­ne po­li­ti­sche Land­schaft Eu­ro­pas ste­hen könn­te, die sich nach dem ita­lie­ni­schen Re­fe­ren­dum, der Prä­si­den­ten­wahl in Ös­ter­reich, den Wah­len in Frank­reich und Hol­land ra­di­kal ver­än­dert hat. Soll­te Frau Mer­kel die lan­gen Mo­na­te des Wahl­kamp­fes da­mit ver­brin­gen, in Eu­ro­pa wei­ter auf Sicht zu se­geln und le­dig­lich Klip­pen und Fal­len aus­zu­wei­chen, wä­ren die An­nah­me der Her­aus­for­de­rung und ihr groß­zü­gi­ges An­ge­bot, die Füh­rung zu über­neh­men, ei­ne ver­pass­te Chan­ce. Was Eu­ro­pa jetzt und nicht in drei, sechs oder zwölf Mo­na­ten braucht, ist ei­ne füh­ren­de und trei­ben­de Kraft, um wie­der ei­nen An­schub zu be­kom­men. Na­tür­lich wird Frau Mer­kel nicht al­lei­ne ge­las­sen. Na­tür­lich wer­den die eu­ro­päi­schen Part­ner, und an ers­ter Stel­le Ita­li­en, ihr bes­tes tun, sie zu er­mun­tern und mit ihr Über­le­gun­gen an­zu­stel­len. Aber am En­de ist die wah­re Her­aus­for­de­rung für die deut­sche Kanz­le­rin sie selbst, ihr Cha­rak­ter, ihr Ver­ständ­nis von Macht, ih­re Ge­neigt­heit zu ver­mit­teln: Ge­lingt es Mer­kel in dem Jahr, das sie da­von trennt, Ge­schich­te zu schrei­ben, nicht ei­nen auf Mer­kel zu ma­chen? Du­ma, So­fia, Bul­ga­ri­en Die Prä­si­den­ten­wahl in Frank­reich und dann die Par­la­ments­wah­len in Deutsch­land wer­den ein Test für den Sta­tus quo auf dem Al­ten Kon­ti­nent sein, wo­bei die Pro­test­stim­mung in der EU im­mer stär­ker wird. Wäh­rend in ei­ner Rei­he eu­ro­päi­scher Staa­ten der Trend zum Wan­del of­fen­sicht­lich ist, bleibt in ei­ner der Lo­ko­mo­ti­ven der EU al­les beim Al­ten. Frau Mer­kel wei­gert sich, die Au­gen zu öff­nen und die Wirk­lich­keit zu se­hen, die von ih­ren Be­stre­bun­gen dra­ma­tisch ab­weicht. Soll­te sie doch ein vier­tes Man­dat ge­win­nen, wird die Stim­mung der Deut­schen ge­gen die EU in ih­rer jet­zi­gen Form nicht ab­flau­en - das Ra­ting der Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land be­weist dies. Ber­lings­ke, Kopenhagen Kurz nach­dem das Er­geb­nis der US-Prä­si­den­ten­wahl klar wur­de, wur­de Mer­kel zum letz­ten Boll­werk der li­be­ra­len Wer te ge­gen die Wel­le von Pro­test­be­we­gun­gen aus­er­ko­ren, die - so fürch­ten ei­ni­ge - den Wes­ten nun über­rol­len wer­den. Aber das ist ein ge­fähr­li­cher Ge­dan­ke. Auch wenn Mer­kel ei­nen si­che­ren Sieg ein­fährt, müs­sen sie und der Rest der EU-Re­gie­rungs­chefs die Ur­sa­che der Un­zu­frie­den­heit in der Be­völ­ke­rung an­ge­hen. Und das ist in ers­ter Li­nie die Flücht­lings- und Mi­gran­ten­kri­se. Hier hat die EU ekla­tan­te Feh­ler ge­macht. Wenn Mer­kel und die an­de­ren EU-Chefs kei­ne nach­hal­ti­ge und lang­fris­ti­ge Lö­sung fin­den - und das wird al­les an­de­re als ein­fach sein -, wird es sehr schwie­rig für sie, ih­re Da­seins­be­rech­ti­gung vor ei­nem gro­ßen Teil der Wäh­ler bei den be­vor­ste­hen­den Wah­len zu recht­fer­ti­gen. Ma­gyar Id­ök, Bu­da­pest Der letz­ten wah­ren Füh­re­rin der frei­en Welt, der zu un­ser al­ler Glück im Amt ver­blei­ben wol­len­den An­ge­la Mer­kel, dür­fen wir dank­bar da­für sein, dass sie, oh­ne die an­de­ren EU-Staa­ten zu be­fra­gen,

aus frei­em Wil­len Mil­lio­nen von asia­ti­schen und afri­ka­ni­schen Ein­wan­de­rern nach Eu­ro­pa ein­ge­la­den hat, da­mit wir al­le ver­ste­hen und er­fah­ren kön­nen, was ef­fi­zi­ent funk­tio­nie­ren­der Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus ist. Im Herbst 2017 wird in Deutsch­land die Gro­ße Ko­ali­ti­on wie­der­auf­ge­legt, da kön­nen wir si­cher sein. Den Ko­ali­tio­nä­ren wird es je­doch als Warn­zei­chen die­nen, dass ih­re Zu­stim­mungs­wer­te dras­tisch sin­ken wer­den und dass die ein­wan­de­rungs- und is­lam­feind­li­che AfD dritt­stärks­te Par­tei wer­den wird. Ei­ne Par­tei, de­ren Auf­stieg die am Schuld­be­wusst­sein lei­den­de deut­sche Ge­sell­schaft seit dem Zwei­ten Welt­krieg zu ver­hin­dern trach­te­te. Im li­be­ra­len und to­le­ran­ten Deutsch­land dür­fen näm­lich sol­che Par­tei­en nicht exis­tie­ren. Aber sie exis­tie­ren. Die Füh­rer der frei­en Welt ha­ben sie her­vor­ge­bracht. Neue Zürcher Zei­tung Mer­kel ist un­ent­behr­lich, wird sug­ge­riert. Ih­re vier­te Kan­di­da­tur soll als eben­so na­tür­li­che Fü­gung er­schei­nen wie ih­re durch die Bun­des­tags­wahl in zehn Mo­na­ten fol­gen­de Wie­der­wahl zur Kanz­le­rin. Bun­des­kanz­le­rin Al­ter­na­tiv­los al­so, ge­nau so, wie Mer­kel zu re­gie­ren pflegt. Die­se Sicht­wei­se ist eben­so un­sin­nig wie Mer­kels ste­te Be­haup­tung wäh­rend der Eu­ro-Kri­se, die im­mer neu­en Mil­li­ar­den­kre­di­te an Grie­chen­land sei­en al­ter­na­tiv­los, wol­le man ein „Schei­tern Eu­ro­pas“ver­hin­dern. Und sie ist ge­nau­so Syds­ven­s­kan, Mal­mö Ei­ne Ge­schich­te mit ver­trau­tem Geist schrei­tet in die­sen Ta­gen mit schwe­ren Schrit­ten durch die west­li­che Welt: Rechts­ex­tre­mis­mus, Na­tio­na­lis­mus und der Geist des Iso­la­tio­nis­mus. In den USA ging aus die­sem Geist Do­nald Trump als Sie­ger der Prä­si­dent­schafts­wahl her­vor. Im Mai nächs­ten Jahr kann Frank­reich an der Rei­he sein. (...) Am Sonn­tag­abend kam je­den­falls ei­ne gu­te und lang er­war­te­te Nach­richt: An­ge­la Mer­kel be­stä­tig­te auf ei­ner Pres­se­kon­fe­renz, dass sie nach den deut­schen Wah­len 2017 für ei­ne vier­te Amts­zeit als Kanz­le­rin zur Ver­fü­gung steht. Rou­ti­niert und re­spek­tiert ist Mer­kel die ver­ei­ni­gen­de Kraft in Eu­ro­pa und der EU - und der ge­sam­ten frei­en Welt - so sehr ge­braucht in die­sen Zei­ten, wo so vie­les an­de­re ins Wan­ken ge­ra­ten ist.

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