Das Ak­kor­de­on - mehr als Qu­etsch­kom­mo­de und Schif­fer­kla­vier

Amerika Woche - - Kultur - Extra -

Das Ak­kor­de­on ist nicht nur ein nstru­ment für Stra en­mu­si­ker. Ein hoch­ka­rä­tig be­setz­tes

es­ti­val in Hannover hat etzt die vie­len

acet­ten von Ban­do­ne­on Ba an und o. vor­ge­stellt. Das Spek­trum reich­te von den Klän­gen des Bal­kans bis zu chi­ne­si­scher Mu­sik.

Wer durch ei­ne be­lie­bi­ge deut­sche Fuß­gän­ger­zo­ne läuft, dem be­geg­net mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit ein Ak­kor­de­on­spie­ler. Auch in der Volks­mu­sik ist das In­stru­ment weit ver­brei­tet - sei es als Schif­fer­kla­vier im Nor­den, als Har­mo­ni­ka oder Schwy­zer­ör­ge­li in den Al­pen. Da­bei kann das Ak­kor­de­on weit­aus mehr.

Sei­ne Aus­drucks­kraft reicht vom Tan­go über Mu­set­te, Kam­mer­mu­sik bis hin zu Jazz und Neu­er Mu­sik. Die ge­sam­te Band­brei­te war jetzt bei der Pre­mie­re des Fes­ti­vals „Ak­kor­de­on - Ein pul­sie­ren­des Fest“in Hannover zu er­le­ben.

„Ich woll­te die Wur­zeln des Ak­kor­de­ons in meh­re­ren Kul­tu­ren von ver­schie­de­nen Kom­po­nis­ten un­ter­su­chen las­sen“, so die künst­le­ri­sche Lei­te­rin des fünf­tä­gi­gen Fes­ti­vals, Els­beth Mo­ser. 13 Urauf­füh­run­gen gab es da­bei. Die Pro­fes­so­rin an der Hoch­schu­le für Mu­sik, Thea­ter und Me­di­en Hannover (HMTMH) ist selbst ei­ne in­ter­na­tio­nal re­nom­mier­te Ak­kor­deo­nis­tin.

Vier Jah­re lang hat sie das Fes­ti­val vor­be­rei­tet, ei­ne sechs­stel­li­ge För­der­sum­me ein­ge­wor­ben und be­kann­te Mu­si­ker für das Pro­jekt ge­won­nen. Zum Auf­takt spiel­ten der ar­gen­ti­ni­sche Ban­do­ne­on-Vir­tuo­se Juan Jo­sé Mo­sa­li­ni und die NDR Ra­dio­phil­har­mo­nie ein Kon­zert von As­tor Piaz­zol­la.

Das Ban­do­ne­on ist in Süd­ame­ri­ka weit ver­brei­tet, ent­wi­ckelt wur­de das Hand­zug­in­stru­ment Mit­te des 19. Jahr­hun­derts aber von ei­nem Deut­schen, dem Kre­fel­der Mu­sik­leh­rer Hein­rich Band. Aus­wan­de­rer nah­men es dann nach Nord- und Süd­ame­ri­ka mit. Els­beth Mo­ser (Fo­to oben) hat mit ei­nem Schwy­zer­ör­ge­li be­gon­nen. „Das lag un­term Weih­nachts­baum als ich vier­ein­halb war. Mit sechs spiel­te ich mein ers­tes Kon­zert“, er­zählt die Schwei­ze­rin. 1974 wur­de sie Lehr­be­auf­trag­te in Hannover, 1983 Pro­fes­so­rin.

„Mein Le­benstraum war es, das Ak­kor­de­on von Kli­schees zu be­frei­en und in die Kon­zert­sä­le zu brin­gen“, so die Mu­si­ke­rin, die vor Energie sprüht. Par­al­lel zum Fes­ti­val er­klingt das Hand­zug­in­stru­ment auch in Klas­sen­zim­mern.

Bun­des­weit ler­nen ak­tu­ell knapp 13.000 Schü­le­rin­nen und Schü­ler Ak­kor­de­on an öf­fent­li­chen Mu­sik­schu­len. In der jüngs­ten Sta­tis­tik des Ver­ban­des deut­scher Mu­sik­schu­len (VdM) be­legt das Ak­kor­de­on Platz 14 der be­lieb­tes­ten In­stru­men­te. An der Spit­ze lie­gen Kla­vier, Gi­tar­re, Vio­li­ne, Block­flö­te und Schlag­zeug.

Noch vor 20 Jah­ren ran­gier­te das Ak­kor­de­on auf Platz 7. Seit 2006 sei­en die Schü­ler­zah­len aber re­la­tiv sta­bil ge­blie­ben, sagt VdMSpre­che­rin Clau­dia Wan­ner. Ein Grund da­für könn­te auch der real­tiv ho­he Preis für ein gu­tes Ak­kor­de­on sein. Da sind Gi­tar­re und ei­ni­ge aber bei wei­tem nicht al­le - an­de­re In­stru­men­te bil­li­ger.

Beim Fes­ti­val in Hannover wa­ren auch Stars wie die 85-jäh­ri­ge rus­si­sche Kom­po­nis­tin So­fia Gu­bai­du­li­na da­bei. Gleich­zei­tig er­kun­de­ten jun­ge Mu­si­ker die Zu­kunft des Ak­kor­de­ons. Wo­jciech Pro­ko­po­wicz, Do­mi­nik Löhr­ke und Jan Sko­rup­ski wid­me­ten sich dem ex­pe­ri­men­tel­len Stück „The disa­pearing star“des Chi­ne­sen Nan Li­an.

Der aus Bel­grad stam­men­de Aleksan­dar Sed­lar ließ in sei­ner Kom­po­si­ti­on Sze­nen aus dem Le­ben des al­ten Ser­bi­ens vor­bei­zie­hen, wo­bei auch der Bal­kan­kon­flikt auf­blitz­te. Gior­gos Ky­ria­ka­kis setz­te mit „Res­tía“(Dü­nung) ein klin­gen­des Zei­chen. Res­tía sei ein Werk zum Ge­den­ken an die Flücht­lin­ge, „die von der Heu­che­lei des „zi­vi­li­sier­ten Wes­tens“im Was­ser des Mit­tel­mee­res er­tränkt wer­den“, sag­te der Grie­che.

Newspapers in German

Newspapers from USA

© PressReader. All rights reserved.