Die Tür­kei und die EU - Lasst es end­lich!

Amerika Woche - - Personalien - Extra -

Seit der Amts­über­nah­me durch den Möch­te-gern-Sul­tan Er­do­gan und spä­tes­tens seit die­sem omi­nö­sen Putsch, bei dem man wirk­lich hin­ter­fra­gen muss, ob der De­s­pot nicht selbst da­hin­ter­ge­steckt hat, hät­te es ei­gent­lich je­dem klar sein müs­sen, dass ei­ne Mit­glied­schaft der Tür­kei in der Eu­ro­päi­schen Uni­on die­se selbst der Lä­cher­lich­keit preis­ge­ben wür­de.

Er­do­gan und sei­ne will­fäh­ri­gen Va­sal­len ha­ben ganz ein­deu­tig un­ter Be­weis ge­stellt, dass ih­nen die eu­ro­päi­schen Grund­sät­ze völ­lig Wurst sind. Und wer bis­lang von ei­ner is­la­mi­schen Un­ter­wan­de­rung der EU ge­spro­chen und sich da­für hat bö­se Kri­tik ge­fal­len las­sen müs­sen, der sieht sich um­so mehr be­stä­tigt. Das ein­zi­ge, was der „Boss vom Bo­spo­rus“will, sein ein­zi­ger Be­weg­grund für die bis­he­ri­gen Auf­nah­me­ver­hand­lun­gen ist das Be­stre­ben, noch mehr Tür­ken als bis­her in die EU zu schleu­sen. Da­für wä­re die Ein­rei­se oh­ne er­for­der­li­ches Vi­sum das bes­te Mit­tel.

Brei­te Mehr­heit

Mit brei­ter Mehr­heit hat nun das Eu­ro­pa­par­la­ment ein vor­über­ge­hen­des Ein­frie­ren der EU-Bei­tritts­ge­sprä­che mit der Tür­kei ge­for­dert. Die EU-Ab­ge­ord­ne­ten ver­lang­ten in Straß­burg von der EU-Kom­mis­si­on und den Mit­glied­staa­ten, nicht wei­ter mit An­ka­ra über of­fe­ne Ver­hand­lungs­ka­pi­tel zu spre­chen und kei­ne neu­en zu er­öff­nen. Recht­lich bin­dend ist die Auf­for­de­rung nicht - und Juncker und Co. wür­den nur zu ger­ne ganz schnell dar­über hin­weg­ge­hen. Aber so ein­fach wird das nicht sein.

Die tür­ki­sche Füh­rung konn­ten die Eu­ro­pa­po­li­ti­ker mit die­ser Re­so­lu­ti­on na­tür­lich nicht be­ein­dru­cken, da­für sorg­te schon al­lein der tür­ki­sche Hoch­mut. So sag­te der tür­ki­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Bi­na­li Yil­di­rim in An­ka­ra an­läss­lich der Tür­kei-Re­so­lu­ti­on: „Die Be­zie­hun­gen mit der Eu­ro­päi­schen Uni­on sind oh­ne­hin nicht so eng. Das ist ei­ne Be­zie­hung, die mit Mü­he und Not und wi­der­wil­lig läuft.“

Zehn­mal durch­le­sen

Na bit­te, das soll­ten sich EUChef Je­an-Clau­de Juncker und sei­ne Ge­treu­en je­den Tag zehn­mal durch­le­sen, vi­el­leicht ver­ste­hen sie es dann auch: Die Tür­ken wol­len nichts an­de­res, als ei­nen EU-Bei­tritt nur zu ih­ren Be­din­gun­gen. Und wenn sie ge­mein­sam mit al­len mos­le­mi­schen Ver­bän­den und dann noch zu grün­den­den neu­en Par­tei­en in der EU erst ein­mal die Mehr­heit ha­ben, dann steht ei­ner völ­li­gen Is­la­mi­sie­rung des Abend­lan­des nichts mehr im We­ge.

Der tür­ki­sche EU-Mi­nis­ter Ömer Ce­lik nann­te die Ent­schei­dung „kurz­sich­tig und vi­si­ons­los“. Die Maß­nah­men der tür­ki­schen Re­gie­rung wäh­rend des Aus­nah­me­zu­stands zu kri­ti­sie­ren, sei „ei­ne Un­ge­rech­tig­keit ge­gen­über un­se­rem Land“. Bei sol­chen Aus­sa­gen fällt es schon schwer, nicht aus der Haut zu fah­ren.

Er­do­gans Will­kür

Nach Me­di­en­an­ga­ben wur­den mehr als 36.000 Men­schen in der Tür­kei in Un­ter­su­chungs­haft ge­nom­men, mehr als 75.000 zi­vi­le Staats­be­diens­te­te und An­ge­hö­ri­ge der Si­cher­heits­kräf­te ent­las­sen, Tau­sen­de wei­te­re sus­pen­diert. Die tür­ki­sche Re­gie­rung wirft ih­nen Ver­bin­dun­gen zur Be­we­gung des in den USA le­ben­den Pre­di­gers Fe­thul­lah Gü­len vor, die sie für den an­geb­li­chenPutsch­ver­such ver­ant­wort­lich macht.

Staats­chef Er­do­gan hat gar nicht erst die Ab­stim­mung über die Re­so­lu­ti­on ab­ge­war­tet. „Ich ru­fe al­len, die uns vor den Bild­schir­men zu­se­hen, und der gan­zen Welt zu: Egal wie das Re­sul­tat aus­fällt, die­se Ab­stim­mung hat für uns kei­nen Wert“, sag­te er in sei­ner un­ver­gleich­li­chen Ar­ro­ganz be­reits ei­nen Tag zu­vor.

Oh­ne­hin hegt Er­do­gan ei­ne tie­fe Ab­nei­gung ge­gen das Eu­ro­pa­par­la­ment, dem er die Un­ter­stüt­zung der ver­bo­te­nen kur­di­schen Ar­bei­ter­par­tei PKK vor­wirft. Zu­gleich hält er die Ver­samm­lung für ei­nen Hort der Tür­kei- und Is­lam­feind­lich­keit.

Al­les Ter­ro­ris­ten

Kei­ne Fra­ge, in Er­do­gans Sicht­wei­se ist je­der, der sich ihm nicht voll­ends un­ter­wirft und nach sei­ner Pfei­fe tanzt, ein Ter­ro­rist. Die­se Ma­sche ist so ein­fach zu durch­schau­en, dass es im­mer noch wun­dert, dass es EU-Mit­glieds­staa­ten gibt, die die Ge­sprä­che und Ver­hand­lun­gen nicht auf Eis le­gen wol­len - Deutsch­land in per­so­na An­ge­la Mer­kel in­klu­si­ve. Aber ge­ra­de Deutsch­land ist mit­ver­ant­wort­lich da­für, weil hier z.B. die PKK nur we­gen der Tür­kei­ver­liebt­heit der deut­schen Re­gie­rung zu ei­ner ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung er­klärt wor­den ist. Ein Grund für die Zu­rück­hal­tung dürf­te die Flücht­lings­po­li­tik sein. Die en­ge Zu­sam­men­ar­beit mit der Tür­kei ist - so se­hen es Mer­kel und Co., der Haupt­grund da­für, dass der­zeit ver­gleichs­wei­se we­ni­ge so­ge­nann­te Flücht­lin­ge nach West- und Mit­tel­eu­ro­pa kom­men. In Wahr­heit ist es viel­mehr die von Un­garns Mi­nis­ter­prä­si­dent in­iti­ier­te Schlie­ßung der Bal­kan­rou­te, die den gro­ßen Zustrom an Asyl­su­chen­den ein­ge­dämmt hat.

Das war je­dem klar

Der im März mit der Tür­kei im po­li­ti­schen Blind­flug ge­schlos­se­ne Flücht­lings­pakt sieht un­ter an­de­rem vor, dass die EU al­le Mi­gran­ten, die il­le­gal über die Tür­kei auf die grie­chi­schen In­seln kom­men, zu­rück­schi­cken darf. Die Tür­kei droht nun aber im­mer wie­der da­mit, die Ver­ein­ba­rung auf­zu­kün­di­gen. Dass das so kom­men muss­te, auch das hät­te je­dem klar sein müs­sen.

Wie - das muss man sich al­len Erns­tes fra­gen - kön­nen Juncker, Tusk & Co. mit so ei­nem über­heb­li­chen Macht­men­schen wie Er­do­gan über­haupt noch über ei­nen Bei­tritt zur Eu­ro­päi­schen Uni­on spre­chen? Wür­den die EU-Po­li­ti­ker ih­re ei­ge­nen Wer­te ernst neh­men, so dürf­te es nur ei­ne ein­zi­ge Re­ak­ti­on dar­auf ge­ben: So­for­ti­ger Ab­bruch der Bei­tritts­ver­hand­lun­gen und Rück­stel­lung al­ler bis­he­ri­gen Ka­pi­tel auf Null.

Das wür­de be­deu­ten, dass die Tür­kei, soll­te sie je­mals wirk­lich de­mo­kra­ti­sche wer­den - was durch­aus be­zwei­felt wer­den kann, da ech­te De­mo­kra­tie nie­mals ei­ne Stär­ke der Tür­ken war -, dann müss­ten neue Bei­tritts­ver­hand­lun­gen ganz von vor­ne be­gin­nen, oh­ne auf den jet­zi­gen Sta­tus quo zu­rück­zu­grei­fen. Da­mit wä­re vi­el­leicht für al­le Zei­ten zu ver­hin­dern, dass die EU, die eh schon weit­aus mehr Mos­lems be­her­bergt als es gut sein kann, sich noch wei­ter von den ori­gi­när eu­ro­päi­schen Völ­kern ent­fernt.

Es geht nicht um Glau­ben

Nein, das ist kei­nes­wegs ei­ne Het­ze ge­gen An­ders­gläu­bi­ge, und um Glau­ben geht es hier schon gar nicht. Aber wer im­mer noch die Au­gen vor dem ver­schließt, was ei­ne wei­te­re An­sied­lung von Mil­lio­nen von Mos­lems mit dem west­li­chen Eu­ro­pa ma­chen wür­de, dem ist wirk­lich nicht mehr zu hel­fen. Üb­ri­gens: Von 623 Par­la­men­ta­ri­ern stimm­ten 479 für die Re­so­lu­ti­on. Nur 37 Ab­ge­ord­ne­te stimm­ten ge­gen den Kom­pro­miss, den die vier größ­ten Frak­tio­nen im Par­la­ment aus­ge­han­delt hat­ten; 107 ent­hiel­ten sich.

Dras­ti­scher Lö­sungs­an­satz

Ein Lö­sungs­an­satz: An­statt vor Er­do­gan zu ku­schen soll­ten die eu­ro­päi­schen Spit­zen­po­li­ti­ker von Juncker über Tusk bis zu Mer­kel und Hol­lan­de doch ein­fach ei­ne mög­li­che Re­ak­ti­on der EU dar­auf er­sin­nen, falls die Tür­kei das Flücht­lings­ab­kom­men auf­kün­digt. Die Mit­tel da­zu wä­ren ge­ge­ben:

1. So­for­ti­ge Auf­kün­di­gung jeg­li­cher fi­nan­zi­el­len Un­ter­stüt­zung für die Tür­kei. Für den Zei­t­raum von 2014 bis 2020 sind 4,45 Mil­li­ar­den Eu­ro „Her­an­füh­rungs­hil­fe“an die EU ein­ge­plant, nach 4,8 Mil­li­ar­den von 2007 bis 2014. Völ­lig ab­surd!

2. So­for­ti­ger Stop der Zu­sam­men­ar­beit im Rah­men der NA­TO, was de fac­to ei­nem NA­TO-Aus­schluss gleich­kom­men wür­de.

3. Aber­er­ken­nung von Staats­zu­ge­hö­rig­kei­ten zu ei­nem EUMit­glieds­staat, wenn gleich­zei­tig ei­ne Staats­zu­ge­hö­rig­keit zur Tür­kei be­steht, und da­mit ver­bun­den die so­for­ti­ge Aus­wei­sung in die Tür­kei.

4. So­for­ti­ge und lü­cken­lo­se Auf­kün­di­gung der wirt­schaft­li­chen Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen der EU und der Tür­kei.

5. Ein­frie­ren sämt­li­cher Kon­ten tür­ki­scher Staats­bür­ger in al­len EUStaa­ten bis zur Klä­rung der letzt­end­lich bin­de­nen Staats­zu­ge­hö­rig­keit.

6. All­um­fas­sen­des Ver­bot von po­li­ti­schen und ge­sell­schaft­lich­ver­eins­mä­ßi­gen Ak­ti­vi­tä­ten für al­le Tür­ken in der EU.

Zu­ge­ge­ben, die­se Punk­te klin­gen sehr dras­tisch. Aber es wä­re doch in­ter­es­sant zu eru­ie­ren, wie schnell dann ein Rie­sen­auf­schrei durch sämt­li­che tür­ki­schen Ge­sell­schafts­schich­ten kä­me. Solch ein Druck dürf­te selbst für den „Sul­tan vom Bo­spo­rus“zu groß sein. Und wenn nicht, dann wür­de das um­so mehr zei­gen, dass Er­do­gan und sei­ne Tür­ken nichts, aber auch gar nichts in der Eu­ro­päi­schen Uni­on ver­lo­ren ha­ben.

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