Dop­pel­pass treibt Spalt zwi­schen Mer­kel und CDU-Ba­sis

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Amerika Woche - - Meinung -

Bvon Hans Bre­mer

un­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel sperrt sich ge­gen den Par­tei­tags­be­schluss ih­rer Christ­de­mo­kra­ten, den Kom­pro­miss mit dem so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Re­gie­rungs­part­ner zur Dop­pelStaats­bür­ger­schaft auf­zu­kün­di­gen. „Es wird in die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode kei­ne Än­de­rung ge­ben“, sag­te die CDU-Che­fin am Mitt­woch in Es­sen nach En­de des Par­tei­tags vor Jour­na­lis­ten. Sie hal­te den Be­schluss per­sön­lich für falsch.

„Ich glau­be auch nicht, dass wir Neue Zürcher Zei­tung Am deut­schen We­sen soll wie­der ein­mal die Welt ge­ne­sen. Dies­mal hat al­ler­dings nicht deut­sche Hy­bris die Idee er­son­nen, son­dern ei­ne Schar Ver­zwei­fel­ter bei­der­seits des At­lan­tiks, die nach Br­ex­it und Trumps Sieg den Wes­ten dem Un­ter­gang ge­weiht se­hen. An­ge­la Mer­kel, so die Hoff­nung, trotzt den Stür­men des Po­pu­lis­mus und or­ga­ni­siert die Ge­gen­wehr der An­stän­di­gen in ei­ner von Zer­falls­er­schei­nun­gen be­droh­ten EU. Welch ha­ne­bü­che­ner Un­sinn. Sol­che Ge­dan­ken­spie­le über­schät­zen die deut­schen Mög­lich­kei­ten und un­ter­schät­zen die in der Eu­ro­päi­schen Uni­on wirk­sa­men Kräf­te. Aber es ist ei­ne be­währ­te Me­tho­de in der EU: Zu­stän­dig sind im­mer die an­de­ren. Ber­lin kann, zu­mal im Zu­sam­men­spiel mit Pa­ris, die EU wei­ter­ent­wi­ckeln, so­fern ei­ne we­sent­li­che Vor­aus­set­zung er­füllt ist: Die Mit­glie­der müs­sen po­li­ti­sches Ka­pi­tal in den Zu­sam­men­halt der Uni­on in­ves­tie­ren, statt Brüs­sel al­lei­ne da­nach zu be­ur­tei­len, wel­che Vor­tei­le sie auf dem Ba­sar der bald nur noch sie­ben­und­zwan­zig her­aus­schla­gen kön­nen. Die Welt, Ber­lin Der vor kur­zem noch ex­klu­si­ve Klub der wohl­ha­bends­ten Na­tio­nen ist zur Res­ter­am­pe ver­kom­men. Da­mit es nicht noch är­ger kommt, rei­chen das Be­schwö­ren der gu­ten Idee im al­ten Trott kei­nes­wegs. So ist auch die DDR ei­nen Wahl­kampf über den Dop­pel­pass ma­chen, wie wir das frü­her mal ge­macht ha­ben.“Die De­le­gier­ten hat­ten nach hef­ti­ger De­bat­te mit knap­per Mehr­heit für ei­nen An­trag der Jun­gen Uni­on ge­stimmt, die so­ge­nann­te Op­ti­ons­pflicht für in Deutsch­land ge­bo­re­ne Kin­der aus­län­di­scher El­tern wie­der ein­zu­füh­ren. Da­bei geht es haupt­säch­lich um Kin­der tür­ki­scher El­tern. Der Ko­ali­ti­ons­part­ner SPD und die op­po­si­tio­nel­len Grü­nen zeig­ten sich em­pört über den Be­schluss. Seit ei­ner Ver­ein­ba­rung der Ko­ali­ti­on aus Christ- und So­zi­al­de­mo­kra­ten im De­zem­ber 2014 müs­sen sich in Deutsch­land ge­bo­re­ne Kin­der von Aus­län­dern nicht mehr im Al­ter von 18 bis 23 Jah­ren zwi­schen der deut­schen und der Staats­an­ge­hö­rig­keit ih­rer El­tern ent­schei­den. Die CDU will das wie­der rück­gän­gig ma­chen.

SPD-Chef Sig­mar Ga­b­ri­el er­klär­te in Ber­lin: „Das ist ein schlim­mer Be­schluss“und „ein Schlag ge­gen die In­te­gra­ti­on.“Mer­kel ha­be sich ihr Wie­der­wahl­er­geb­nis beim CDUPar tei­tag von 89,5 Pro­zent „er­kauft“, in­dem sie nun den in­ner­par­tei­li­chen zu­grun­de ge­gan­gen. Es ist ab­seh­bar, dass Eu­ro­pa in den kom­men­den blei­er­nen Jah­ren nur­mehr als lo­cke­rer Ver­bund von Na­tio­nal­staa­ten ei­ne Über­le­bens­chan­ce hat. Der fran­zö­si­sche Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat Fil­lon gibt hier eher die Rich­tung vor als An­ge­la Mer­kel, die die EU zwar als trans­na­tio­na­les Pro­jekt be­treibt aber mit Zen­tra­le in Ber­lin. Süd­deut­sche Zei­tung, Mün­chen Der CDU hat Mer­kel nun auch ehr­lich ge­sagt, wo ih­re Gren­ze liegt. Die Selbst­ver­ständ­lich­keit, mit der die Par­tei von ei­ner Kan­di­da­tur aus­ging, wird nicht da­mit ent­gol­ten, dass die Kanz­le­rin al­les tut, was die CDU ver­langt. Die Par­tei woll­te Mer­kel an der Spit­ze, ob­wohl sie mit ih­rer Flücht­lings­po­li­tik kreu­z­un­glück­lich ist. Die Kanz­le­rin hat mit ih­ren Zu­ge­ständ­nis­sen längst ih­re Glaub­wür­dig­keit ris­kiert. Der An­trag zum En­de der dop­pel­ten Staats­bür­ger­schaft war eins zu viel. Mit dem Auf­tritt da­nach hat Mer­kel ih­re Zwei­fel der CDU über­ge­ben. Sie hat selbst für die nächs­ten Wo­chen je­ne Fra­ge auf­ge­wor­fen, vor der sich die Par­tei aus Be­quem­lich­keit bis­lang ge­drückt hat. Sie lau­tet: Lie­be CDU, pas­sen wir wirk­lich noch zu­sam­men? Münch­ner Mer­kur Als Kanz­ler­kan­di­da­tin mit mau­en 89 % als Par­tei­che­fin wie­der­ge­wählt zu wer­den, ist bit­ter ge­nug. Geg­nern ih­rer Flücht­lings­po­li­tik die in Deutsch­land ge­bo­re­nen Kin­der aus­län­di­scher El­tern op­fe­re. Mer­kel kön­ne nicht knapp ei­ne Mil­li­on Flücht­lin­ge ein­la­den „und sich da­für be­ju­beln las­sen“, dann aber die hier ge­bo­re­nen Kin­der schlecht be­han­deln. Die dop­pel­te Staats­bür­ger­schaft sei im Ko­ali­ti­ons­ver­trag von CDU, CSU und SPD ver­an­kert. „Und so­lan­ge sich die CDU-Frak­ti­on an den Ko­ali­ti­ons­ver­trag hält, gibt‘s kei­ne Pro­ble­me“, sag­te er.

Uni­ons­frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der ver­si­cher­te dem Par­tei­tag: „Be­schlüs­se des Bun­des­par­tei­tags wer­den na­tür­lich in der Bun­des­tags­frak­ti­on ernst ge­nom­men.“Die Uni­on ha­be aber ei­nen Ko­ali­ti­ons­part­ner, mit dem sie über Be­schlüs­se spre­chen müs­se. Die De­le­gier ten müss­ten Ver­ständ­nis da­für ha­ben, dass ein Par­tei­tags­be­schluss nicht gleich Ge­set­zes­text wer­den kön­ne. Et­was an­de­res sei, Be­schlüs­se in ei­nem Wahl­pro­gramm für die Wahl 2017 zu ver­deut­li­chen. CDU-Vi­ze Tho­mas Strobl sag­te der dpa: „Ist doch in Ord­nung, wenn die CDU Aber es hät­te noch viel schlim­mer kön­nen für An­ge­la Mer­kel auf dem CDU-Par­tei­tag. Vie­le mach­ten ihr Kreuz mit ge­ball­ten Fäus­ten und zu­sam­men­ge­bis­se­nen Zäh­nen. Wie ver­hee­rend die Stim­mung wirk­lich ist, er­fuhr die ent­setz­te Par­tei­füh­rung ges­tern. Da ent­lud sich der Frust der De­le­gier­ten im Vo­tum für die Ab­schaf­fung des Dop­pel­pas­ses; die Kanz­le­rin räch­te sich, in­dem sie aus­schloss, sich für den Be­schluss stark zu ma­chen. Das sind Zei­chen ei­ner Zer­rüt­tung, wie sie Kanz­lern sonst nur in ih­rer End­pha­se wi­der­fah­ren, und schon gar nicht auf Par­tei­ta­gen vor wich­ti­gen Wah­len. „Ihr müsst mir hel­fen“, fleh­te die Kanz­le­rin ih­re CDU an, aber die schal­tet auf Durch­zug. Mer­kel ist ei­ne Par­tei­che­fin, der die Zü­gel aus der Hand ge­nom­men wer­den. Der Ta­ges­spie­gel, Ber­lin Die Kanz­le­rin hat ei­ne für ih­re Ver­hält­nis­se al­les of­fen­ba­ren­de, al­les of­fen­le­gen­de Re­de an ihr Par­tei­volk ge­hal­ten. In der Re­de hat sie da­von ge­spro­chen, wie lan­ge und wie sehr sie mit sich ge­run­gen hat, ob sie sich das Gan­ze, al­so Kan­di­da­tin für Par­tei­vor­sitz und Kanz­ler­schaft, noch ein­mal an­tun soll - „auch als Per­son“. Das ist viel­leicht ein biss­chen ver­quast, aber mehr an Ehr­lich­keit geht nicht. Über­setzt heißt das: Sie woll­te raus. Ei­gent­lich. Mer­kel steht im Ze­nit, heißt es im­mer. Das be­deu­tet, dass es hö­her nicht ei­ne kla­re Po­si­ti­on hat. Sie ist nur mit kei­ner an­de­ren de­mo­kra­ti­schen Par­tei um­setz­bar.“

In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­zie­re (CDU) hat­te in der De­bat­te noch ge­mahnt, es sei nicht schön, ei­nen Kom­pro­miss wie­der zu kip­pen. Er ken­ne auch kei­nen mög­li­chen Ko­ali­ti­ons­part­ner, mit dem die CDU das Vo­tum ge­gen die dop­pel­te Staats­bür­ger­schaft durch­set­zen könn­te. Au­ßer­dem wer­de den be­trof­fe­nen jun­gen, in Deutsch­land

auf­ge­wach­se­nen Men­schen

mehr geht. Es be­ginnt der Ab­stieg. Das ist au­gen­fäl­lig. Die CDU und Mer­kel, nach all die­sen Jah­ren wird es jetzt schwie­rig. Sie kön­nen im­mer we­ni­ger mit­ein­an­der. Ei­gent­lich. FAZ Die CDU mach­te in Es­sen al­len­falls ei­nen zag­haf­ten Ver­such, das auch in der Gru­ga­hal­le all­ge­gen­wär­ti­ge AfD-Ge­spenst zu ver­trei­ben. Die vie­len Un­zu­frie­de­nen, die ihr den Rü­cken ge­kehrt ha­ben, wer­den sich wei­ter­hin über­le­gen, war­um sie zu­rück­keh­ren sol­len. Da­für müss­te we­nigs­tens die CDU-Rein­kul­tur von der Mer­kelRe­gie­rung un­ter­scheid­bar sein. Das war nicht be­son­ders dring­lich, so lan­ge es die Kon­kur­renz von rechts nicht gab und die von links durch the­ma­ti­sche As­si­mi­lie­rung be­drängt wur­de. Des­halb hat die CDU jetzt aber mit sich selbst fast mehr zu kämp­fen als mit dem po­li­ti­schen Geg­ner. Han­dels­blatt Mer­kel will die bür­ger­li­che Mit­te hin­ter sich ver­sam­meln. Doch es ist ge­ra­de ih­re Po­li­tik, die das Land in der Flücht­lings­po­li­tik spal­tet. Da­bei geht es nicht nur um die Flücht­lings­po­li­tik. Die Mit­te der Ge­sell­schaft muss sich nach dem Par­tei­tag in Es­sen wei­ter fra­gen, wie Mer­kel ihr un­ter die Ar­me grei­fen will. Mer­kel sprach lan­ge über die Aus­wir­kun­gen der Di­gi­ta­li­sie­rung und der Glo­ba­li­sie­rung, die vie­len Men­schen Angst ma­che. vor den Kopf ge­sto­ßen. Die CDU sei auch mit dem Kom­pro­miss grund­sätz­lich ge­gen die dop­pel­te Staats­bür­ger­schaft, ak­zep­tie­re aber Aus­nah­men. „Wir wol­len das nicht rück­ab­wi­ckeln.“

CDU-Prä­si­di­ums­mit­glied Jens Spahn rief dann aber un­ter Ju­bel von De­le­gier­ten, na­tür­lich müs­se man in ei­ner Ko­ali­ti­on Kom­pro­mis­se ma­chen, „aber wir sind hier auf ei­nem Par­tei­tag“. Es sei kei­ne Zu­mu­tung, jun­gen Men­schen ei­ne be­wuss­te Ent­schei­dung ab­zu­ver­lan­gen. Was al­ler­dings dar­aus für Mer­kel folgt, blieb im Un­ge­fäh­ren. Doch die bür­ger­li­che Mit­te hät­te es ger­ne schon et­was ge­nau­er ge­wusst, was Mer­kel ei­gent­lich mit dem Land bis 2021 noch vor­hat. Mer­kel ist kei­ne, von der man gro­ße Vi­sio­nen für Eu­ro­pa oder gar für Deutsch­land er­war­tet. Doch et­was mehr Aus­sich­ten dürf­ten es dann doch sein. Die CDU-Vor­sit­zen­de, die auf dem Par­tei­tag in Leip­zig 2003 die Re­for­me­rin gab, ist schon längst Ver­gan­gen­heit. In Es­sen klang vie­les nach ei­nem Wei­ter-so. Ma­gyar Id­ök, Bu­da­pest Wo­hin ist die „Will­kom­mens­kul­tur“ver­schwun­den? Es na­hen die Wah­len und die De­le­gier­ten be­schlos­sen ein Pro­gramm, das im Ge­gen­satz zu den bis­he­ri­gen Di­rek­ti­ven steht. Nur Mer­kel glaubt, dass sich le­dig­lich die Ak­zen­te ver­scho­ben hät­ten und die Rich­tung die sel­be ge­blie­ben sei. Hier schei­det sich ver­ant­wort­li­che Po­li­tik vom krampf­haf­ten Vol­un­ta­ris­mus. Oh­ne Kon­zep­te ein Land zu füh­ren und von Tag zu Tag ir­gend­wie wei­ter­zu­wurs­teln, das geht gar nicht. Es ist zwar sehr wahr­schein­lich, dass Mer­kel als wahr­haft ge­wief­te Po­li­ti­ke­rin auch ihr ge­gen­wär ti­ges po­li­ti­sches Pro­blem lö­sen und wei­ter­hin Deutsch­land re­gie­ren wird, doch die Fra­ge ist, mit wel­cher Mehr­heit im Rü­cken. Aber es ist ei­ne ge­wal­ti­ge, äu­ßerst ge­fähr­li­che Il­lu­si­on. Wet­ter­häh­ne kön­nen we­der Eu­ro­pa noch Deutsch­land den Weg wei­sen.

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