Af­gha­nis­tan? Bun­des­wehr? Da war doch was...

Ja, rich­tig: Der ge­fähr­lichs­te, ver­lust­reichs­te und teu­ers­te Ein­satz in der Ge­schich­te der Trup­pe. Und dann fragt man sich un­wei­ger­lich: wo­für?

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Soll wirk­lich am deut­schen We­sen die Welt ge­ne­sen? Es gab Zei­ten, da ist der Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter al­le zwei Mo­na­te nach Af­gha­nis­tan ge­reist, um nach dem Rech­ten zu se­hen. Spä­ter wa­ren es al­le drei Mo­na­te, dann nur noch zwei Mal im Jahr. In­zwi­schen kommt von der Ley­en le­dig­lich kurz vor Weih­nach­ten vor­bei. Wie­der steht sie auf dem Ad­vents­markt des Camp Mar­mal, spricht mit Sol­da­ten, lässt sich nur zu gern mit ih­nen fo­to­gra­fie­ren.

Von der Ley­en war es wich­tig, trotz des An­schlags in Ber­lin nach Af­gha­nis­tan zu kom­men, aha! Als am Mon­tag­abend der Last­wa­gen an der Ber­li­ner Ge­dächt­nis­kir­che in den Weih­nachts­markt ras­te und zwölf Men­schen star­ben, war sie im west­afri­ka­ni­schen Ma­li un­ter­wegs. Auf dem Rück­flug ent­schied sie sich re­la­tiv rasch da­für, trotz­dem nach Af­gha­nis­tan zu rei­sen. Was hat ei­ne Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin auch schon mit Ter­ror­an­schlä­gen zu tun?

Der Be­such wirft ein sel­te­nes Schlag­licht den im­mer noch größ­te Ein­satz der Bun­des­wehr, der in Deutschland kaum noch wahr­ge­nom­men wird. Vor ei­ni­gen Jah­ren war das noch mehr als 5000 Sol­da­ten am Hin­du­kusch. Stän­dig gab es Mel­dun­gen über An­schlä­ge auf Bun­des­wehr­pa­trouil­len, über Ge­fech­te, To­te und Ver­letz­te. Wo­für, das frag­ten sich da­mals wie heu­te vie­le. Zwar wird die Po­li­tik nicht mü­de, die Wich­tig­keit der Aus­lands­ein­sät­ze der Bun­des­wehr zu be­to­nen, doch sind da er­heb­li­che Zwei­fel an­ge­bracht. Kei­ne Fa­mi­lie will ei­nen Sohn oder ei­ne Toch­ter be­kla­gen, die in ei­nem sinn­lo­sen Kampf für Men­schen mit mit­tel­al­ter­li­chen Denk­wei­sen, son­dern auch mit ei­ner gro­ßen Ver­ach­tung für al­les West­li­che ge­tö­tet wer­den.

Und ganz ehr­lich: Ge­bracht hat der Ein­satz au­ßer viel Leid bis­her über­haupt nichts. Das En­de der Ge­walt ist in Af­gha­nis­tan nicht nä­her ge­rückt - im Ge­gen­teil. Um 22 Pro­zent ist laut UN die Zahl der „be­waff­ne­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen“2016 ge­gen­über 2015 an­ge­stie­gen. Die Zahl der zi­vi­len Op­fer wächst wei­ter, die Re­gi­on wird im­mer un­si­che­rer. Aber das wol­len von der Ley­en & Co. nicht hö­ren.

In ih­rer An­spra­che sagt die Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin: „Es ist so viel er­reicht wor­den. Das dür­fen wir nicht da­durch ge­fähr­den, dass wir vor­schnell ab­zie­hen.“

Was ist denn er­reicht wor­den? Nichts, au­ßer noch mehr Sär­ge mit Töch­tern und Söh­nen deut­scher Fa­mi­li­en. Un­fass­bar!

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