La­g­ar­de macht trotz Ver­ur­tei­lung wei­ter

Amerika Woche - - Global -

Schuld­spruch, kei­ne Stra­fe, da­für je­de Men­ge Ar­ro­ganz: Christina La­g­ar­de, ei­ne der mäch­tigs­ten Frau­en der Welt, will un­ge­ach­tet der Ver­ur­tei­lung als Che­fin des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds wei­ter­ma­chen.

Was je­dem an­de­ren das be­ruf­li­che Ge­nick bre­chen wür­de, dar­auf feixt sich IWF-Che­fin Chris­ti­ne La­g­ar­de noch ei­nen. Sie will un­ge­ach­tet des Schuld­spru­ches ei­nes Pa­ri­ser Son­der­ge­rich­tes ih­re Ar­beit beim Welt­wäh­rungs­fonds fort­set­zen. Das aus La­g­ar­de und 24 wei­te­ren Mit­glie­dern be­ste­hen­de Füh­rungs­gre­mi­um des Fonds sprach der 60-Jäh­ri­gen dann auch ganz de­mons­tra­tiv das Ver­trau­en aus. Rü­cken­de­ckung be­kam La­g­ar­de auch aus Pa­ris von der Re­gie­rung ih­res Hei­mat­lan­des. Das ist dann so wie mit der ei­nen Krä­he, die der an­de­ren kein Au­ge aus­hackt.

Das Ge­richt hat­te be­fun­den, La­g­ar­de ha­be in ih­rer Zeit als fran­zö­si­sche Fi­nanz­mi­nis­te­rin fahr­läs­sig im Amt ge­han­delt. Da­durch wur­den dem du­bio­sen Ge­schäfts­mann Ber­nard Ta­pie 400 Mil­lio­nen Eu­ro(!) an Scha­den­er­satz zu­ge­spro­chen. Je­der nor­ma­le Staats­bür­ger - egal ob in Frank­reich, Deutschland oder auch den U.S.A. - wä­re da­für mit Si­cher­heit für vie­le Jah­re in den Knast ge­wan­dert - La­g­ar­de selbst­ver­ständ­lich nicht

Der Ge­richts­hof der Re­pu­blik hat­te die selbst­herr­li­che 60-Jäh­ri­ge zwar schul­dig ge­spro­chen, aber sich an­schei­nend nicht ge­traut, ei­ne Stra­fe zu ver­hän­gen, denn dann wä­re La­g­ar­de kaum noch halt­bar ge­we­sen. So hat­ten dann auch die Staats­an­walt­schaft ein­mü­tig mit der Ver­tei­di­gung ei­nen Frei­spruch ver­langt.

La­g­ar­de sag­te, sie wol­le nun nach vor­ne schau­en und ih­re Ar­beit fort­set­zen: «Es gibt ei­nen Punkt, an dem man ein­fach in­ne­hal­ten, ei­ne Sei­te um­blät­tern und wei­ter­ma­chen muss». Sie sei sehr glück­lich da­mit, kei­ne Be­ru­fung ge­gen das Ur­teil ein­le­gen zu müs­sen und all ih­re Auf­merk­sam­keit auf ih­re Ar­beit an der IWF-Spit­ze zu kon­zen­trie­ren.

Die IWF-Füh­rung er­klär­te, man ha­be bei der Beur­tei­lung der Sach­la­ge al­le re­le­van­ten Fak­to­ren in Be­tracht ge­zo­gen, dar­un­ter auch die her­aus­ra­gen­de Füh­rung des IWF durch La­g­ar­de und das welt­wei­te Ver­trau­en, das die­se Füh­rung ge­nie­ße. «In die­sem Zu­sam­men­hang er­neu­ert der Vor­stand das un­ein­ge­schränk­te Ver­trau­en in die Fä­hig­kei­ten sei­ner Di­rek­to­rin, ih­re Pflich­ten ef­fek­tiv fort­set­zen zu kön­nen.» Na­tür­lich...

Im Mit­tel­punkt des Pro­zes­ses stand die Af­fä­re um den schil­lern­den Ex-Mi­nis­ter und Ge­schäfts­mann Ber­nard Ta­pie. La­g­ar­de stimm­te 2007 ei­nem Schieds­ver­fah­ren zu, um ei­nen lang­wie­ri­gen Rechts­streit mit Ta­pie bei­zu­le­gen. Als die Schieds­män­ner dem Un­ter­neh­mer dar­auf­hin ei­ne ho­he Sum­me von mehr als 400 Mil­lio­nen Eu­ro zu­spra­chen, ver­zich­te­te La­g­ar­de auf ei­nen Ein­spruch. Im Kern krei­de­te das Ge­richt La­g­ar­de an, die­sen Ein­spruch nicht ein­ge­legt zu ha­ben.

La­g­ar­de lei­tet den Welt­wäh­rungs­fonds seit 2011 und ge­hört da­mit zum klei­nen Zir­kel der mäch­tigs­ten Frau­en der Welt. Sie hat­te im Pro­zess in der ver­gan­ge­nen Wo­che be­teu­ert, sie sei un­schul­dig und ha­be nach bes­tem Ge­wis­sen ge­han­delt. Sie war von 2007 bis 2011 fran­zö­si­sche Wirt­schafts­und Fi­nanz­mi­nis­te­rin.

Das Schieds­ver­fah­ren im Rechts­streit um Ta­pie er­wies sich letzt­lich als ei­ne schlech­te Lö­sung. In­zwi­schen lau­fen Be­trugs­er­mitt­lun­gen ge­gen meh­re­re Be­tei­lig­te, weil es Ver­bin­dun­gen zwi­schen Ta­pie und ei­nem der Schieds­leu­te ge­ge­ben ha­ben soll. Der Schieds­spruch wur­de des­halb be­reits von Ge­rich­ten auf­ge­ho­ben. Ta­pie (73) wur­de zu­dem ver­ur­teilt, die Ent­schä­di­gung von rund 400 Mil­lio­nen zu­rück­zu­zah­len.

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