Zum Mars oh­ne Rück­flug: Mis­sio­nen rü­cken in wei­te­re Fer­ne

Amerika Woche - - Wissenschaft -

Einst such­ten TV-Sen­der per Cas­ting Mit­glie­der für Pop-Bands. 2017 soll es ei­ne ver­gleich­ba­re Aus­le­se ge­ben, um ge­eig­ne­te Teams für Mars-Mis­sio­nen oh­ne Rück­flug zu fin­den. Aber kommt es über­haupt je­mals zum Start?

Ei­ne Mars-Mis­si­on oh­ne Rück­flug, für die sich je­der be­wer­ben kann - mit die­ser äu­ßerst um­strit­te­nen Idee macht das nie­der­län­di­sche Pro­jekt Mars One seit ei­ni­gen Jah­ren im­mer wie­der von sich re­den. Da­bei be­zwei­feln vie­le Wis­sen­schaft­ler, dass es der Initia­ti­ve gelingen wird, dau­er­haft ei­ne be­wohn­ba­re Sied­lung auf dem Mars zu er­rich­ten. Und tat­säch­lich hat Mars One sei­nen Zeit­plan nun zum wie­der­hol­ten Ma­le ge­än­dert.

Der Start der ers­ten be­mann­ten Mis­si­on zum Ro­ten Pla­ne­ten ver- schiebt sich dem­nach um Jah­re. Los­ge­hen soll es nach der­zei­ti­gem Fahr­plan im Jahr 2031, An­kunft wä­re nach rund sie­ben­mo­na­ti­gem Flug 2032. Tests und Er­kun­dun­gen oh­ne Men­schen sind schon frü­her vor­ge­se­hen: ab 2022. Die In­ves­ti­tio­nen müss­ten in Fahrt ge­bracht wer­den, er­klär­te Mit­be­grün­der Bas Lans­dorp, ein Un­ter­neh­mer und In­ge­nieur.

Wie das funk­tio­nie­ren soll? Ne­ben der ge­mein­nüt­zi­gen Stif­tung, der Mars One Foun­da­ti­on, ist kürz­lich ei­ne bri­ti­sche Ak­ti­en­ge­sell­schaft ins Le­ben ge­ru­fen wor­den. Sie heißt Mars One Ven­tures und hat An­fang De­zem­ber knapp 250.000 Ak­ti­en aus­ge­ge­ben. Die Ge­sell­schaft soll so das nö­ti­ge Ka­pi­tal für die nächs­ten Schrit­te ein­brin­gen - zu­nächst ein­mal ist die Re­de von bis zu zehn Mil­lio­nen Eu­ro. Es geht dar­um, das ge­sam­te Pro­jekt zu ver­mark­ten: Die Ge­sell­schaft hält un­ter an­de­rem die Rech­te für Mer­chan­di­sing, Über­tra­gung, Spie­le und Apps.

Die Stif­tung hin­ge­gen ist zu­stän­dig für Aus­wahl und Trai­ning der künf­ti­gen As­tro­nau­ten. 2017 will Mars One mit der Aus­le­se wei­ter­ma­chen, auch das ist spä­ter als ur­sprüng­lich vor­ge­se­hen. Aus der­zeit noch 100 An­wär­tern sol­len meh­re­re je vier­köp­fi­ge Grup­pen aus­ge­wählt und für jah­re­lan­ges Mis­si­ons­trai­ning ein­ge­stellt wer­den.

Das ist auch nö­tig, denn schon seit dem letz­ten Som­mer zeich­net sich ein Kan­di­da­ten­schwund bei Mars One ab. Die Stif­tung teil­te mit, An­wär­ter sei­en aus per­sön­li­chen Grün­den aus­ge­schie­den und an­de­re Be­wer­ber nach­ge­rückt. Ein ita­lie­ni­scher Top-100-Kan­di­dat zum Bei­spiel über­leg­te es sich an­ders, weil er sich ver­lieb­te und auf der Er­de blei­ben will. In­so­fern dürf­te es an­ge­sichts des ge­plan­ten Starts 2031 ei­ne Her­aus­for­de­rung sein, die Lai­en-Be­wer­ber über­haupt bei der Stan­ge zu hal­ten. Wel­ches Team als ers­tes zum Mars auf­bricht, soll sich im Jahr des Starts ent­schei­den.

So­wohl Fi­nan­zen wie auch Kan­di­da­ten sorg­ten da­mit be­reits rund 15 Jah­re vor dem vor­ge­se­he­nen Start für Pro­ble­me. Um Fra­gen der Tech­nik geht es­da­bei noch gar nicht im De­tail. Raum­fahrt­ex­per­ten be­to­nen seit Be­kannt­wer­den der Plä­ne, dass die bis­lang be­kann­ten Ide­en un­aus­ge­go­ren klän­gen.

Oh­ne­hin steht die Fra­ge im Raum, wie das Geld für die ge­plan­ten Mis­sio­nen zu­sam­men­kom­men soll. Al­lein der Mars­flug der ers­ten vier Men­schen soll sechs Mil­li­ar­den Dol­lar kos­ten. Mehr­fach be­zeich­ne­ten Ex­per­ten die von Mars One ver­an­schlag­ten Kos­ten als um ein Viel­fa­ches zu nied­rig. Auf der Pro­jekt­web­sei­te wird ar­gu­men­tiert, dass die Kos­ten nied­ri­ger lä­gen, da kein Rück­flug vor­ge­se­hen sei. Die Men­schen dort oben sich selbst zu über­las­sen, ist für vie­le auch ein ethi­sches Pro­blem. Das Deut­sche Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt zum Bei­spiel will sich da­her grund­sätz­lich nicht äu­ßern.

Der Fas­zi­na­ti­on Mars gin­gen For­scher zu­letzt an­der­wei­tig nach: Ein klei­nes Team leb­te 365 Ta­ge in ei­nem Kup­pel­bau auf Ha­waii und si­mu­lier­te dort ein Le­ben wie auf dem Mars. In die­sem Jahr ging das von der US-Raum­fahrt­be­hör­de Na­sa ge­för­der­te Pro­jekt zu En­de. Die deut­sche Teil­neh­me­rin Chris­tia­ne Hei­ni­cke (Fo­to), Geo­phy­si­ke­rin, sag­te da­nach, sie wür­de bei Ge­le­gen­heit auch zum ech­ten Mars rei­sen. Aber nur, „wenn die Tech­nik aus­ge­reift ist, die rich­ti­gen Men­schen da­bei sind und es ei­nen Rück­flug zur Er­de gibt“.

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