Wer­ner Sch­ney­der: Is­lam-Kri­ti­ker und für Frei­ga­be des Do­pings

Amerika Woche - - Promi-Extra - Wie ist Ih­re Stim­mung beim Blick auf die Welt? Wie wür­den Sie sich po­li­tisch selbst be­schrei­ben? Was macht Ös­ter­reich rich­tig, falls es et­was rich­tig macht? Was hal­ten Sie von der neu­en Umar­mungs­stra­te­gie sei­tens der SPÖ ge­gen­über der FPÖ? Was hal­ten Sie

Die­ser Mann passt in kei­ne Schub­la­de: Ring­rich­ter beim Bo­xen, Sän­ger, Ka­ba­ret­tist, Au­tor, Re­gis­seur, Schau­spie­ler und Mo­de­ra­tor des „Ak­tu­el­len Sport-Stu­di­os“im ZDF. Wer­ner Sch­ney­der will kurz vor sei­nem 80. Ge­burts­tag nicht wei­se, son­dern klug sein - und sich im­mer noch ve­he­ment Ge­hör ver­schaf­fen. Sei­ne Hei­mat Ös­ter­reich müss­te bes­ser re­giert wer­den, in der Welt müss­te sich „Ver­tei­lungs­ver­nunft“breit ma­chen, die Ban­ker soll­ten sich schä­men, den Is­lam sieht er kri­tisch, und die le­ben­den wie to­ten Kul­tur-He­ro­en der Al­pen­re­pu­blik sei­en über­schätzt. Ein Ge­spräch über Al­lah und die Welt:

Wer­ner Sch­ney­der: Sie pen­delt zwi­schen Op­ti­mis­mus und Pes­si­mis­mus, zwi­schen Re­si­gna­ti­on und Toll­wut. Bei dem Gangs­ter­syn­di­kat, das Do­nald Trump gera­de zu­sam­men­stellt, wird ei­nem angst und ban­ge. An­de­rer­seits zeigt die Prä­si­den­ten­wahl in Ös­ter­reich wie­der: Es lohnt sich, wei­ter sei­ne Mei­nung zu sa­gen und manch­mal auch zu brül­len.

In ei­ni­gen Punk­ten erz­kon­ser­va­tiv, in an­de­ren tief grün, flä­chen­de­ckend li­be­ral und so­zi­al­po­li­tisch sehr links.

Das Land macht et­was rich­tig, wo­für es nichts kann, näm­lich, klein zu sein. Es hät­te da­mit die Chan­ce, bei­spiel­ge­bend zu sein und die Reich­tums­gren­ze zu be­stim­men. In gro­ßen Län­dern ist das Her­stel­len ei­ner so­zia­len Ba­lan­ce viel schwie­ri­ger.

Das bis­he­ri­ge Mo­dell ei­ner gro­ßen Ko­ali­ti­on ist tot. De­fi­ni­tiv. Ei­ne Ko­ali­ti­on von SPÖ und FPÖ wür­de bei­de Par­tei­en spren­gen. In der FPÖ wür­den die No­bel-Na­zis die Par­tei ver­las­sen.

Ich hal­te ihn für ei­nen ge­schick­ten Vor­zugs­schü­ler, des­sen Glanz ver­blas­sen wird. Er möch­te wie ein Stre­ber in al­len The­men sehr gut sein. Sol­che Men­schen sind mir ver­däch­tig.

Man muss Leu­ten, die sich zu Recht über ih­re La­ge be­schwe­ren, das Ar­gu­ment neh­men. Und die meis­ten die­ser Ar­gu­men­te ha­ben mit dem Tei­len zu tun. Das Wort „Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit“ist ein Un­sinn. Wer will be­stim­men, was ge­recht ist? Es muss „Ver­tei­lungs­ver­nunft“hei­ßen. Ich möch­te ein­fach er­rei­chen, dass sich Bank­di­rek­to­ren, die jetzt Tau­sen­de Men­schen ent­las­sen, öf­fent­lich schä­men. Ei­ne Ge­sell­schaft, die die Tür so auf­macht, dass je­der hin­ein­u­r­i­nie­ren kann, ver­liert ih­re Wür­de. Am viel­ge­schol­te­nen Stamm­tisch gab es we­nigs­tens noch Re­de und Ge­gen­re­de. Im per­sön­li­chen Ge­spräch über­legt man sich fast je­den Satz. Die aso­zia­len Me­di­en müs­sen kein Fluch sein, aber bit­te nicht oh­ne ethi­schen Fil­ter.

Es han­delt sich hier oft um ei­ne Grup­pe oh­ne In­tel­li­genz und Ethik. Da kann man ei­gent­lich nur von ne­ga­ti­ver Aus­le­se re­den. Sol­che Leu­te zer­stö­ren die kauf­män­ni­sche Moral, die so­zia­le Ba­lan­ce und die Um­welt. Der Be­griff ist ad ab­sur­dum.

Ja! Was jetzt pas­siert, ist ei­ne Far­ce. Leis­tungs­stei­gern­de Mit­tel wer­den in der ge­sam­ten Ar­beits­welt ein­ge­setzt. Wir pran­gern Miss­stän­de an, wo­bei doch der Sport ex­akt un­se­re Öko­no­mie wi­der­spie­gelt. Nie­mand kann beim Rad­sport oh­ne Che­mie schnell über drei Ber­ge fah­ren. Ei­ne Frei­ga­be von Do­ping wird den Sport hei­len. Ir­gend­wann wird es dann auch ei­ne Bio-Va­ri­an­te des Sports ge­ben - oh­ne Zu­sät­ze so­zu­sa­gen. Wer hier dopt, der ge­hört dann aber ins Ge­fäng­nis.

Der Is­lam gibt mir par­tout kei­ne Aus­kunft dar­über, was er von Selbst­mord­at­ten­tä­tern hält. Mir fehlt die Dis­tan­zie­rung is­la­mi­scher Geist­li­cher zu den Mo­ti­ven der An­schlä­ge. Auch der Is­lam müss­te ex­kom­mu­ni­zie­ren kön­nen. De ju­re ist er ei­ne Re­li­gi­on, die die Welt­herr­schaft an­strebt. Wie kann ich es zu­las­sen, dass mich je­mand als „un­gläu­big“be­zeich­net, wenn sei­ne Re­li­gi­on die Aus­rot­tung der Un­gläu­bi­gen be­fiehlt?

Wenn ich je­man­den zum Es­sen ein­la­de und der Mann be­stimmt dar­über, was sei­ne Frau es­sen soll, dann bre­che ich das Es­sen ab. Wenn in ei­nem Da­men-Fuß­ball­team ei­ne Spie­le­rin mit Bur­ka auf­läuft, dann sa­ge ich, das geht nicht.

Da wer­den ei­ni­ge falsch ge­se­hen. Die po­si­ti­ve Ein­schät­zung von Tho­mas Bern­hard ist ein li­te­ra­ri­scher Irr­tum, der auf ei­ner ge­wis­sen Ma­gie des Fa­schis­to­iden be­ruht. El­frie­de Je­linek ist ei­ne Au­to­rin oh­ne Form­ge­fühl, oh­ne Ge­fühl für Di­men­sio­nen und Struk­tu­ren. Und An­dré Hel­ler ist ein vir­tuo­ser Blen­der.

Un­ter an­de­rem Kon­stan­tin We­cker. Er ist ei­ne gro­ße Fi­gur - in Wort und Mu­sik. In sei­nem per­sön­li­chen Ein­satz auf der Büh­ne ist er ei­ne al­ler­ers­te Mar­ke. Wir se­hen uns sel­ten, aber wenn, ha­ben wir ei­ne hel­le Freu­de an­ein­an­der.

Co­me­di­ans ha­ben ei­ne furcht­ba­re pro­fes­sio­nel­le De­for­ma­ti­on. Sie tre­ten auf, da­mit die Leu­te la­chen. Das führ t zu ei­ner töd­li­chen Fal­le. Das ist Idio­tie für Idio­ten. Im­mer­hin ha­ben wir in Ös­ter­reich Micha­el Nia­va­ra­ni. Ein Blöd­ler von höchs­ter In­tel­li­genz.

Rich­ti­gen Tour­ne­en ma­che ich nicht mehr. Aber ich wer­de in mehr als 20 Städ­ten auf­tre­ten. Oft auch in Deutschland.

ZUR PER­SON: Der in Graz ge­bo­re­ne Sch­ney­der wur­de bun­des­weit be­kannt, als er von 1974 bis 1982 zu­sam­men mit Die­ter Hil­de­brandt als hoch­ge­lob­tes Ka­ba­ret­tis­ten-Duo auf­trat. Der ge­lern­te Ring­rich­ter kom­men­tier­te Box­kämp­fe un­ter an­de­rem bei den Olym­pi­schen Spie­len 1984. Mehr­fach mo­de­rier­te er das „Ak­tu­el­le Sport­stu­dio“. Er hat am Thea­ter in­sze­niert, rund 20 Bü­cher ge­schrie­ben wie ak­tu­ell „Ge­spräch un­ter zwei Au­gen“, und mehr als 1000 Auf­trit­te als Ka­ba­ret­tist und Sän­ger ab­sol­viert.

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