Fes­ti­val-Che­fin mit 28 Jah­ren - Neue Lei­tung für „Max Op­hüls Preis“

Die or­be­rei­tun­gen ür das Film es­ti­val Ma phüls reis in aar­brü­cken lau en au och­tou­ren. Erst­mals ird das Fes­ti­val von der ah­re al­ten Me­di­en is­sen­scha tle­rin ven­ja tt­ger ge­lei­tet.

Amerika Woche - - Kultur -

Sie weiß nicht, wie vie­le Fil­me sie sich in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten an­ge­schaut hat. „Vie­le“, sagt Sven­ja Bött­ger lä­chelnd. „Sehr vie­le.“Fakt ist: 950 wur­den für das 38. Film­fes­ti­val „Max Op­hüls Preis“in Saar­brü­cken vom 23. bis zum 29. Ja­nu­ar ein­ge­reicht. Mehr als die Hälf­te hat die 28-Jäh­ri­ge selbst ge­sich­tet. Doch ne­ben der Ar­beit be­deu­tet das für die neue Fes­ti­val­lei­te­rin vor al­lem ei­nes: Freu­de. „Es ist ein un­glaub­li­cher Lu­xus, dass man so vie­le Fil­me an­schau­en darf“, sagt sie. „Es ist span­nend, weil man ein­fach neu­gie­rig ist, was die The­men sind, die die Fil­me­ma­cher in die­sem Jahr in­ter­es­siert ha­ben.“

Ei­ne Vor­lie­be, mit der die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin nicht al­lei­ne steht: Mehr als 40.000 Be­su­cher lockt das Film­fes­ti­val je­des Jahr im Ja­nu­ar in die saar­län­di­sche Lan­des­haupt­stadt. Das MOP gilt als ei­nes der wich­tigs­ten Tref­fen der Bran­che und als Kar­rie­re­sprung­brett für den deut­schen Film­nach­wuchs. Und nicht zu­letzt auch als ein Kul­tur­fes­ti­val, das weit über das Saar­land hin­aus Strahl­kraft hat.

Die Un­ken­ru­fe von vor ei­nem Jahr, als Kri­ti­ker be­fürch­te­ten, das MOP stün­de we­gen des Weg­gangs der lang­jäh­ri­gen Lei­te­rin Ga­b­ri­el­la Ban­del vor dem Aus, sind längst ver­hallt. „Das Fes­ti­val steht auf sta­bi­len Bei­nen und so soll es auch blei­ben“, bi­lan­ziert die Saar­brü­cker Ober­bür­ger­meis­te­rin Char­lot­te Britz (SPD).

„Mit Sven­ja Bött­ger ha­ben wir ei­ne Fes­ti­val­lei­te­rin ge­won­nen, die ein kla­res Ge­spür für Trends und Ent­wick­lun­gen der Film­bran­che mit­bringt und gleich­zei­tig sehr ge­nau um die Be­deu­tung des Max Op­hüls Preis - seit in­zwi­schen Jahr­zehn­ten - für die deutsch­spra­chi­gen Nach­wuchs­ta­len­te weiß.“Dies spieg­le auch die Neu­aus­rich­tung des Kon­zepts wie­der, „mit der kla­ren Fo­kus­sie­rung auf die jun­gen Ta­len­te und ih­re Kar­rie­ren.“

Die Sor­gen, dass die Fi­nan­zie­rung nicht ge­si­chert sei und das Fes­ti­val wo­mög­lich ganz aus­fal­len könn­te, ha­ben sich nicht be­stä­tigt. Tat­säch­lich be­trägt das Bud­get wie­der rund ei­ne Mil­li­on Eu­ro - wo­bei die Stadt Saar­brü­cken rund 330.000 Eu­ro gibt und Bund und Land ih­re Un­ter­stüt­zung die­ses Mal so­gar auf je 50.000 Eu­ro auf­ge­stockt ha­ben. Hin­zu kom­men zahl­rei­che Spon­so­ren und Spen­der.

Ganz be­wusst hat Bött­ger bis­her nur an we­ni­gen Stell­schrau­ben des Fes­ti­vals ge­dreht. Un­ver­än­dert bleibt der Wett­be­werb mit sei­nen Ka­te­go­ri­en Spiel­film, Do­ku­men­tar­film, mit­tel­lan­ger Film und Kurz­film, eben­so die Kon­stel­la­tio­nen mit Eh­ren­preis und Eh­ren­gast.

Neu ist der Pro­gramm­be­reich „MOP-Klas­si­ker“. Hier wer­den prä­mier­te Fil­me aus 37 Jah­ren Fes­ti­val­ge­schich­te prä­sen­tiert, die in Saar­brü­cken ent­deckt wur­den. De­ren Ma­cher kom­men nun als eta­blier­te Künst­ler zu­rück, um ihr zum Klas­si­ker ge­wor­de­nes De­büt er­neut auf­zu­füh­ren.

„Ich er­fin­de das Rad nicht neu“, sagt die Ber­li­ne­rin, die seit ei­ni­gen Mo­na­ten auch ei­ne Woh­nung in Saar­brü­cken hat. „Ich über­neh­me ein tol­les Fun­da­ment mit tol­lem Re­nom­mee. Das wur­de in den letz­ten 37 Jah­ren ge­schaf­fen - und das hat sich un­glaub­lich ent­wi­ckelt.“Na­tür­lich brin­ge je­de neue Fes­ti­val­lei­tung, un­ab­hän­gig vom Al­ter, fri­schen Wind mit. „Ich bin aber kein Freund von hö­her, schnel­ler, wei­ter“, sagt die 28-Jäh­ri­ge. „Ich fin­de, man muss sich be­sin­nen, wo­für et­was steht.“

Des­halb ist es auch nicht ihr Haupt­an­lie­gen, den Be­su­cher­re­kord von 43.000 Gäs­ten vom letz­ten Jahr zu kna­cken oder die Zahl der Fil­me oder die Preis­gel­der zu er­hö­hen. „Mein Ziel ist es, die Qua­li­tät der Fil­me hoch­zu­hal­ten und ei­ne Aus­wahl zu schaf­fen, die sehr in­ter­es­sant ist und zu­gleich, den Fil­me­ma­chern ei­ne Platt­form zu bie­ten. Das ist das Wich­tigs­te“, sagt sie.

Er­fah­run­gen mit der­ar­ti­gen Ver­an­stal­tun­gen hat die 28-Jäh­ri­ge be­reits - wenn auch in klei­ne­rem Ma­ße. So lei­te­te sie das In­ter­na­tio­na­le Stu­den­ten­film­fes­ti­val „Seh­süch­te“in Pots­dam-Ba­bels­berg. Zu­vor hat­te sie das Selbst­film­fest „durch­ge­dreht 24“in Braun­schweig ge­lei­tet. Zu­dem lag in den bei­den ver­gan­gen Jah­ren die Ge­samt­lei­tung des Emp­fangs der Film­hoch­schu­len wäh­rend der Ber­li­na­le in ih­ren Hän­den.

Angst vor der Her­aus­for­de­rung hat sie nicht. Eher ge­nießt sie es und freut sich dar­auf, vie­le Fil­me­ma­cher per­sön­lich ken­nen­zu­ler­nen und auch in Zu­kunft be­glei­ten zu kön­nen. „Ei­ne Um­ge­bung zu schaf­fen, wo sich je­mand wirk­lich ent­fal­ten kann und den Fil­me­ma­chern die Ener­gie mit­zu­ge­ben: Was du da machst, ist to­tal rich­tig, geh dei­nen Weg! Auch das ist der Grund, war­um ich die­ses Fes­ti­val aus­rich­te.“

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