Uri Gel­ler wur­de 70 - „Die Skep­ti­ker ha­ben mich zur Le­gen­de ge­macht“

N ri el­ler schei­den sich die eis­ter Hat der Men­ta­list irk lich au er­ge öhn­li­che ähig­kei­ten, der ist er er Is­rae­li selbst meint, die nt rt sei gar nicht s ich­tig.

Amerika Woche - - Personalien -

Uri Gel­ler nimmt den Tee­löf­fel in die Hand und reibt lang­sam den Sti­el. „Hier, es pas­siert!“, ruft der is­rae­li­sche Il­lu­sio­nist nach ein paar Mo­men­ten mit dra­ma­ti­schem Un­ter­ton. Und zeigt dann mit ei­nem brei­ten Lä­cheln den Löf­fel aus rost­frei­em Stahl vor, den er gera­de eben von ei­nem Ca­féBe­sit­zer im Tel Avi­ver Vo­r­ort Jaf­fa ge­borgt hat. Und in der Tat: Er ist am Stil fast recht­wink­lig ver­bo­gen.

Der „Men­ta­list“, der jetzt 70 Jah­re alt ge­wor­den ist, er­klär t sei­ne Vor­füh­run­gen mit über­sinn­li­chen Fä­hig­kei­ten. Kri­ti­ker se­hen sie je­doch als rei­ne Zau­ber­tricks. Ob himm­li­sche Be­ga­bung oder Trick - sie ha­ben Gel­ler, der in Tel Aviv un­ter sehr ärm­li­chen Be­din­gun­gen auf­ge­wach­sen ist, auf je­den Fall zu ei­nem rei­chen und welt­weit be­rühm­ten Mann ge­macht.

„Der ers­te Löf­fel ver­bog sich in mei­ner Hand, als ich fünf Jah­re alt war“, be­haup­tet Gel­ler. „Völ­lig spon­tan, oh­ne dass ich ir­gend­et­was ge­tan hät­te“, sagt der Mann, der heu­te Groß­va­ter ist, aber deut­lich jün­ger als 70 wirkt. „Ich ha­be ver­stan­den, dass das der Schlüs­sel zu mei­nem Er­folg ist, dass das et­was Ein­ma­li­ges ist“, sagt er, der sich selbst als „My­s­ti­fi­zie­rer“be­schreibt - je­mand, der Leu­te ver­blüfft und ih­nen Rät­sel auf­gibt.

Sei­ne Mut­ter bringt die un­ge­wöhn­li­chen Fä­hig­kei­ten ih­res Soh­nes mit Sig­mund Freud in Ver­bin­dung, dem Va­ter der Psy­cho­ana­ly­se. 1913 in Ber­lin zur Welt ge­kom­men, war sie näm­lich ei­ne ent­fern­te Ver­wand­te von Freud. „Sie dach­te, ich hät­te auch sei­ne hyp­no­ti­schen Kräf­te“, sagt Gel­ler, der im ver­gan­ge­nen Jahr nach 33 Jah­ren in En­g­land in sei­ne is­rae­li­sche Hei­mat zu­rück­ge­kehrt ist. „Das is­rae­li­sche Volk hat mir ge­fehlt“, sagt Gel­ler nach­denk­lich. „Schließ­lich hat es mich auf­ge­baut.“

Gel­lers Wer­de­gang ist stei­nig. Sei­ne Mut­ter lernt sei­nen Va­ter auf der Flucht vor den Na­zis in Bu­da­pest ken­nen, wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs kom­men bei­de ins da­ma­li­ge Pa­läs­ti­na. Doch die Ehe der El­tern steht un­ter kei­nem gu­ten Stern. „Mei­ne Mut­ter wur­de schwan­ger mit mir“, er­zählt Gel­ler. „Sie hat mir ei­ni­ge Jah­re vor ih­rem Tod ein sehr schmerz­li­ches Ge­heim­nis ver­ra­ten: Ich war ihr neun­tes Kind. Mein Va­ter woll­te kei­ne Kin­der und er zwang sie acht Mal zu Ab­trei­bun­gen.“Die El­tern las­sen sich schei­den, als der klei­ne Uri zehn Jah­re alt ist.

Ein Jahr spä­ter folgt sei­ne Mut­ter ih­rem Ge­lieb­ten, ei­nem un­ga­ri­schen Ju­den, der auf Zy­pern ein Ho­tel be­treibt. „Vie­le is­rae­li­sche Spio­ne wohn­ten dort, wenn sie Ein­sät­ze in ara­bi­schen Län­dern plan­ten“, er­in­nert sich Gel­ler, der da­mals ers­te Ver­bin­dun­gen zum is­rae­li­schen Aus­lands­ge­heim­dienst Mossad knüpft. Man ha­be ihn spä­ter re­kru­tiert, um sei­ne „te­le­pa­thi­schen Fä­hig­kei­ten zu nut­zen“, sagt Gel­ler.

Nach der Schu­le wird Gel­ler Fall­schirm­jä­ger in der is­rae­li­schen Ar­mee. Im Sechs­ta­ge­krieg 1967 er­lei­det er ei­ne Schuss­ver­let­zung am El­len­bo­gen, vie­le sei­ner Ka­me­ra­den ster­ben. Kämp­fe um Je­ru­sa­lem lö­sen bei ihm ei­ne post­trau­ma­ti­sche Be­las­tungs­stö­rung aus, weil er ei­nen jor­da­ni­schen Sol­da­ten er­schießt. „Er war jung wie ich, es ver­folgt mich bis heu­te.“

Schon als Kind auf Zy­pern wird er wäh­rend des Bür­ger­kriegs zwi­schen Grie­chen und Tür­ken Zeu­ge von viel Ge­walt und Tod. „Das formt ei­nen schon.“Spä­ter ent­wi­ckelt er sich zum Waf­fen­narr. „Als ich nach New York kam, kauf­te ich acht Pis­to­len. Ich woll­te das Le­ben in vol­len Zü­gen ge­nie­ßen, nichts war ge­nug.“Der größ­te An­trieb auf dem Weg zum Er­folg: „Dass mei­ne Mut­ter nicht mehr als ar­me Kell­ne­rin oder Schnei­de­rin ar­bei­ten muss.“

Und der Plan geht auf: Gel­ler wird zum Su­per­star, der mit Vor­füh­run­gen wie Be­steck­ver­bie­gen und dem An­hal­ten oder Re­pa­rie­ren von Uh­ren in­ter­na­tio­nal Auf­se­hen er­regt. 1972 geht er nach Mün­chen, fährt mit ver­bun­de­nen Au­gen durchs Stadt­zen­trum und wird Teil des Jet­sets. „Ich lern­te vie­le rei­che Deut­sche wie Gun­ter Sachs ken­nen“, er­zählt Gel­ler. „Die Deut­schen wa­ren ver­rückt nach mir.“

Es gibt so­gar Be­mü­hun­gen der US-Eli­te­uni­ver­si­tät St­an­ford, Gel­lers „pa­ra­nor­ma­le“Fä­hig­kei­ten wis­sen­schaft­lich zu be­wei­sen. Spä­ter wird die Ver­suchs­an­ord­nung als un­ge­nü­gend kri­ti­siert.

Un­ter dem Druck sei­ner Kar­rie­re ent­wi­ckelt Gel­ler ei­ne Buli­mie. Ex-Beat­le John Len­non ret­tet ihn, als er ihn 1982 nach Ja­pan schickt, um „sei­ne Spi­ri­tua­li­tät zu su­chen“. Gel­ler ver­kauft al­les und lebt mit Frau Cha­na und zwei Kin­dern ein Jahr in ei­ner Holz­hüt­te im Wald. „Da ha­be ich mich wie­der ge­fun­den.“

Im deut­schen Fern­se­hen ist der Is­rae­li nach ei­nem Come­back bei der Uri-Gel­ler-Show und „The next Uri Gel­ler“(2008) zu se­hen - doch die Re­ak­tio­nen sind ver­hal­ten bis ne­ga­tiv. Rück­bli­ckend meint Gel­ler den­noch, er ha­be sei­nen Er­folg gera­de sei­nen Kri­ti­kern zu ver­dan­ken. „Oh­ne die Kon­tro­ver­sen wä­re ich nie so weit ge­kom­men“, sagt er. „Wie ich es ma­che, ist doch letzt­lich gar nicht wich­tig, Haupt­sa­che man re­det über mich. All die Skep­ti­ker ha­ben mich zu ei­ner Le­gen­de ge­macht.“

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