Ein ful­mi­nan­tes Jahr steht der Kul­tur­welt in Deutsch­land be­vor

wei Ab­schie­de, zwei Neu­starts. Ein Aus­blick auf das er­li­ner hea­ter ahr , das tur­bu­lent zu wer­den ver­spricht.

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Ab­schie­de, Neu­an­fän­ge und je­de Men­ge span­nen­de Pre­mie­ren

Zwei Thea­ter-Ti­ta­nen ver­las­sen ih­re an­ge­stamm­ten Ber­li­ner Bühnen. Frank Cas­torf macht an der Volks­büh­ne im Som­mer 2017 sei­nem um­strit­te­nen Nach­fol­ger Chris Der­con Platz. Am Ber­li­ner En­sem­ble ver­ab­schie­det sich Claus Pey­mann. Ihm folgt Oli­ver Ree­se vom Schau­spiel Frank­furt. Auch jen­seits des Per­so­nal­ka­rus­sells ver­spricht das Ber­li­ner Thea­ter­jahr 2017 span­nen­de Pre­mie­ren. Hier bie­ten wir Ih­nen ei­ne Aus­wahl.

VOLKS­BÜH­NE: Nach ei­nem Vier­tel­jahr­hun­dert als In­ten­dant ver­ab­schie­det sich Frank Cas­torf (65, Fo­to un­ten links) mit ei­ner letz­ten Groß-Pro­duk­ti­on. Am 3. März hat Cas­torfs Ver­si­on von Goe­thes „Faust“Pre­mie­re. „Ich dach­te, be­vor al­le sa­gen: Goe­the? Kenn ich doch aus dem Film „Fack ju Göh­te“, möch­te ich den Ber­li­nern ger­ne zei­gen, dass das doch ein re­la­tiv be­deu­ten­der deut­scher Den­ker und Li­te­rat war“, kom­men­tier­te der Thea­ter­ma­cher sei­ne Wahl in der „Süd­deut­schen Zei­tung“. Cas­torfs viel ge­schmäh­ter Nach­fol­ger, der Bel­gi­er Chris Der­con (links au­ßen), will sein Pro­gramm im Früh­jahr vor­stel­len. Das Thea­ter wer­de in den nächs­ten Jah­ren ein neu­es En­sem­ble auf­bau­en, sag­te Der­con der dpa. Kri­ti­ker fürch­ten, dass der Mu­se­ums­mann und Kul­tur­ma­na­ger die Volks­büh­ne zu ei­ner „Event­bu­de“macht.

BER­LI­NER EN­SEM­BLE: Thea­ter­pa­tri­arch Claus Pey­mann (79, rechts un­ten) tritt im Som­mer ab und macht eher wi­der­wil­lig Platz für Oli­ver Ree­se (52, un­ten) vom Schau­spiel Frank­furt. Ge­gen sei­nen Nach­fol­ger ätz­te Pey­mann ge­ra­de in der „Bild“: „Ree­se ist Re­prä­sen­tant ei­ner Ge­ne­ra­ti­on von ge­schei­ten, gut in­for­mier­ten, aber hand­zah­men Ver­wal­tern“, mein­te er. „Ich war im­mer der Mei­nung, dass das BE von ei­nem Künst­ler ers­ter Ka­te­go­rie ge­führt wer­den muss“. Pey­mann in­sze­niert in sei­ner Ab­schieds­sai­son Kleists „Prinz Fried­rich von Hom­burg“(Pre­mie­re Fe­bru­ar). Auf der Büh­ne wer­den vie­le be­kann­te Thea­ter-, Film- und Fern­seh­ge­sich­ter ste­hen. Dar­un­ter sind Stars wie Car­men-Ma­ja An­to­ni, Sa­bin Tam­brea, Ro­man Ka­min­ski und Veit Schu­bert. Pey­mann lei­te­te das Ber­li­ner En­sem­ble (BE) seit dem Jahr 1999.

SCHAU­BÜH­NE: Klas­si­kerSpe­zia­list Micha­el Thal­hei­mer (oben) in­sze­niert Mo­liè­res „Der ein­ge­bil­de­te Kran­ke“. In der Ti­tel­rol­le wird als Ar­gan der Schau­spie­ler Pe­ter Molt­zen zu se­hen sein, wie das Thea­ter an­kün­dig­te. In wei­te­ren Rol­len ste­hen un­ter an­de­rem Ju­le Bö­we, Ali­na Stieg­ler, Kay Bar­tho­lo­mä­us Schul­ze und Re­gi­ne Zim­mer­mann auf der Büh­ne. Thal­hei­mer setzt mit „Der ein­ge­bil­de­te Kran­ke“sei­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit Mo­liè­re fort: 2013 zeig­te er an der Schau­büh­ne be­reits Mo­liè­res „Tartuf­fe“. An­fang Ju­ni wird das neue Stück des Dra­ma­ti­kers Ma­ri­us von May­en­burg ur­auf­ge­führt. Bei der Pre­mie­re von „Peng“wird der Au­tor selbst Re­gie füh­ren. Sein Werk dreht sich um ein Kind, das sich im Stru­del der tur­bu­len­ten Wel­ter­eig­nis­se an­schickt, die Macht über den Planeten zu

über­neh­men.

DEUT­SCHES THEA­TER: Film­re­gis­seur Chris­ti­an Sch­wo­chow („Pau­la“, „Der Turm“, un­ten Mit­te) zieht es nach sei­ner Ins­ze­nie­rung von Lot Ve­kem­ans‘ „Gift“mit Dag­mar Man­zel und Ul­rich Mat­thes er­neut ans Thea­ter. Die­ses Mal bringt er Sa­mu­el Be­cketts „Glück­li­che Ta­ge“(Pre­mie­re 22. April) auf die Büh­ne. Se­bas­ti­an Hart­mann zeigt ei­ne „Ge­spens­ter“-Ver­si­on (Pre­mie­re 24. Fe­bru­ar) nach den „Ge­spens­ter“-Wer­ken von Ib­sen, St­rind­berg und Hei­ne. Ste­phan Kim­mig in­sze­niert Ra­ci­nes Tra­gö­die „Phä­dra“(Pre­mie­re 12. Mai) .

MA­XIM GOR­KI THEA­TER: Er­san Mond­tag (oben), der „Nach­wuchs­re­gis­seur des Jah­res“, bringt am „Thea­ter des Jah­res“, das sich den Ti­tel beim Kri­ti­kerRan­king mit der Ber­li­ner Volks­büh­ne teilt, ein An­ti­ken-Pro­jekt auf die Büh­ne: „An­ti­go­ne und Ödi­pus“(Pre­mie­re 17. Fe­bru­ar) nach So­pho­kles. Se­bas­ti­an Baum­gar­ten wird am Gor­ki au­ßer­dem Brechts „Im Di­ckicht der Städ­te“ in­sze­nie­ren, wie das Thea­ter auf sei­ner Web­site an­kün­digt.

GRIPS THEA­TER: In „Nas­ser #7Le­ben“(Pre­mie­re 14. März) er­zählt Su­san­ne Lipp (oben rechts) die wah­re Le­bens­ge­schich­te des aus ei­ner streng mus­li­mi­schen, li­ba­ne­si­schen Fa­mi­lie stam­men­den Nas­ser El-Ah­mad aus Ber­lin-Neu­kölln. „Nas­ser El-Ah­mad kämpft für sein Recht, ho­mo­se­xu­ell und gläu­bi­ger Mos­lem zu sein, da­für muss­te er viel auf­ge­ben“, so das Grips. Das Stück wird ab 13 Jah­ren emp­foh­len und in der Re­gie von Ma­ria Li­lith Um­bach ur­auf­ge­führt. „Al­le au­ßer das Ein­horn“(Pre­mie­re 17. Mai) heißt das Stück von Kirs­ten Fuchs über den di­gi­ta­len All­tag von Kin­dern und Ju­gend­li­chen. Er­zählt wird die Ge­schich­te von Ju­li­us, den in der Klas­se al­le nur „Schlap­pi“nen­nen und der im Klas­sen­chat ge­mobbt wird. Re­gie führt nach An­ga­ben des Thea­ters

Ro­bert Ne­u­mann.

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