Kanz­ler Kern will Ös­ter­reich wie­der groß ma­chen

Die einst küh­nen Raum­fahrt-Plä­ne von John F. Ken­ne­dy be­müh­te Chris­ti­an Kern, um sei­ne Bot­schaft zu ver­an­schau­li­chen: Ein Land braucht gro­ße Zie­le. Die hat der Kanz­ler auf­ge­lis­tet. Ein Pro­gramm, das bal­di­ge Neu­wah­len nicht un­wahr­schein­li­cher macht.

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Es klang fast nach ei­nem Trump-Slo­gan: „Ma­chen wir un­ser Land wie­der stark“, rief Ös­ter­reichs Kanz­ler Chris­ti­an Kern (SPÖ, Fo­to) am En­de ei­ner fast zwei­stün­di­gen Grund­satz­re­de. Das vom Still­stand ge­beu­tel­te Land sol­le end­lich wie­der gro­ße Zie­le an­stre­ben.

Ei­nes da­von: Die Al­pen­re­pu­blik soll ein Um­welt-Mo­dell­staat wer­den. „Wir wol­len ei­nen re­vo­lu­tio­nä­ren Um­bau un­se­rer Ener­gie­sys­te­me er­rei­chen“, sag­te der Kanz­ler vor 1500 Zu­hö­rern in Wels. Bis 2030 sol­len durch klu­ge po­li­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen 40 Mil­li­ar­den Eu­ro an pri­va­ten In­ves­ti­tio­nen in Wind­kraft, Was­ser­kraft, Pho­to­vol­ta­ik, in die Er­neue­rung der Net­ze und in die Ener­gie-Ef­fi­zi­enz flie­ßen.

Doch da­mit nicht ge­nug: 1500 Eu­ro Min­dest­lohn, ei­ne noch nie da ge­we­se­ne Ent­rüm­pe­lung der teils gro­tes­ken bü­ro­kra­ti­schen Vor­schrif­ten, ein ver­bes­ser­tes Um­feld für klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men, da­zu ei­ne Erb­schafts­steu­er für al­le, die mehr als ei­ne Mil­li­on Eu­ro er­ben. 200.000 neue Ar­beits­plät­ze bis 2020 und lang­fris­tig Voll­be­schäf­ti­gung.

An­ge­sichts des Um­fangs und des po­li­ti­schen Ge­wichts der Ide­en, die in ei­ner 140-sei­ti­gen, „Plan A“ge­nann­ten Bro­schü­re im De­tail aus­ge­brei­tet wer­den, ver­schwamm ei­ne wich­ti­ge Gren­ze: Die zwi­schen ei­nem rea­lis­ti­schen Re­gie­rungs­pro­gramm und ei­ner Wahl­kampf-Re­de.

Denn noch ist die kon­ser­va­ti­ve ÖVP der Ju­ni­or­part­ner in der fast all­seits un­ge­lieb­ten rot-schwar­zen gro­ßen Ko­ali­ti­on. Kaum vor­stell­bar, dass sie al­les mit­macht, was der Kanz­ler und sein Team sich so aus­ge­dacht ha­ben. Vi­ze­kanz­ler und ÖVP-Chef Rein­hold Mit­ter­leh­ner hat­te oh­ne­hin ver­sucht, sei­nem Re­gie­rungs­part­ner ein we­nig die me­dia­le Schau zu steh­len.

We­ni­ge St­un­den vor dem mit Span­nung er­war­te­ten Auf­tritt von Kern ver­kün­de­te die ÖVP, dass sie sich für die Hal­bie­rung der Ober­gren­ze für Asyl­ver­fah­ren in die­sem Jahr von 35.000 auf rund 17.000 ein­set­zen wer­de. Ei­ne für die SPÖ, in der zu­min­dest wich­ti­ge Lan­des­ver­bän­de wie in Wi­en noch auf Will­kom­mens­kurs sind, kaum zu ak­zep­tie­ren­de For­de­rung.

Der Kanz­ler selbst ging auf die­se Zah­len­spie­le nicht ein. Viel­mehr ver­such­te er es bei dem hei­ßen Ei­sen Zu­wan­de­rung mit ei­nem Draht­seil­akt. Er schil­der­te das Schick­sal ei­ner in Sy­ri­en - an­geb­lich - viel­fach ver­ge­wal­ti­gen und von ei­ner Tret­mi­ne schwerst ver­letz­ten IS-Gei­sel. „Wem sol­ches Leid egal ist, der hat ein Herz aus St­ein.“Zu­gleich be­kann­te er sich im Grund­satz zur Be­gren­zung der Zu­wan­de­rung.

Die Mes­se­hal­le in Wels hat­te Kern be­wusst als Schau­platz ge­wählt. Die 60.000-Ein­woh­ner-Stadt wird seit 2015 von ei­nem Bür­ger­meis­ter der rech­ten FPÖ re­giert, der den SPÖKan­di­da­ten in der Stich­wahl mit fast 63 Pro­zent über­flü­gelt hat­te.

An dem Ort die­ser „kra­chen­den Nie­der­la­ge“warb der SPÖ-Vor­sit­zen­de fol­ge­rich­tig um die künf­ti­gen Stim­men der ab­trün­ni­gen Wäh­ler. „Ich möch­te mich an die­ser Stel­le für die Ent­täu­schung ent­schul­di­gen“, sag­te der 51-Jäh­ri­ge zu dem bei man­chen ver­brei­te­ten Ge­fühl, das sich die SPÖ mehr um Macht als um Men­schen ge­küm­mert hat.

Am En­de des po­li­tisch bri­san­ten Tages stand die Fra­ge, ob der bal­di­ge Bruch der Ko­ali­ti­on nun wahr­schein­li­cher ge­wor­den ist. „Bei­de Ko­ali­ti­ons­par­tei­en wäh­nen sich ge­rüs­tet - pro­gram­ma­tisch und per­so­nell. Bis En­de Jän­ner soll­te Klar­heit herr­schen. Wei­ter­wurs­teln ist kei­ne Op­ti­on mehr“, kom­men­tier­te ei­ne Ta­ges­zei­tung.

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