Vier Stie­fel für ein Hal­le­lu­ja - Cow­boy­kir­chen boo­men

Die Zahl der Chris­ten in den USA nimmt ab. Doch vor al­lem im Sü­den und Wes­ten des Lan­des kommt ei­ne Son­der­form der Re­li­gi­ons­aus­übung in Mode: Cow­boy­kir­chen.

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Blue­jeans, ka­rier­tes Hemd und vor al­lem gro­ße Hü­te so stellt man sie sich vor. Nicht von un­ge­fähr. In Te­xas sind zu­dem vie­le Cow­boys im Na­men des Her­ren un­ter­wegs. Je­den Sonn­tag tref­fen sie sich zum Got­tes­dienst, in den al­ten Vieh­hö­fen von Fort Worth.

In den wun­der­schö­nen his­to­ri­schen Sto­ckyards der te­xa­ni­schen Stadt, wo einst Scha­fe ge­han­delt und zur Ver­la­dung auf Gü­ter­zü­ge zu­sam­men­ge­trie­ben wur­den, wird heu­te Got­tes Wort ge­pre­digt, je­den Sonn­tag. Nicht et­wa um 10.00 Uhr mor­gens, nein, „High Noon“, steht als Hin­weis zur Uhr­zeit auf dem un­schein­ba­ren Schild, das Gläu­bi­ge zum Got­tes­dienst lo­cken soll.

Drau­ßen ist ge­ra­de der Vieh­trieb zu En­de. Ein paar Cow­boys trei­ben da­bei zwei­mal täg­lich 15 te­xa­ni­sche Long­horn-Rin­der durch die Haupt­stra­ße zum Bahn­hof. Sie er­in­nern da­mit an die Zeit, als Te­xas nach dem Bür­ger­krieg Rin­der in den Nord­os­ten der USA ex­por­tier­te und sich da­mit sei­nen Wohl­stand si­cher­te. Fort Worth wur­de da­bei zur Cow­boy-Stadt - und zu ei­nem heim­li­chen Mek­ka der Coun­try­Mu­sik, z.B. im Pink Ele­phant di­rekt ge­gen­über dem Auk­ti­ons­ge­län­de. Hier in den Sto­ckyards konn­ten die Cow­boys der um­lie­gen­den Ran­ches ih­ren Ver­dienst in Sa­loons ver­pras­sen.

Tau­sen­de Tou­ris­ten aus al­ler Welt schau­en sich heu­zu­ta­ge den Vieh­trieb durch die al­ten Sto­ckyards Wo­che für Wo­che an. Ein paar Me­ter wei­ter, in der Sto­ckyards Cow­boy Church, sind die Ein­hei­mi­schen da­ge­gen un­ter sich. Pfar­rer Ge­or­ge West­by (links im Fo­to) be­grüßt je­den Teil­neh­mer mit Hand­schlag. Man kennt sich.

Der Texa­ner ist hemds­är­me­lig, aber kon­ser­va­tiv - so wie es die meis­ten Cow­boy sind. West­by hält nichts von gro­ßen Re­den. „Wir ha­ben hier kei­ne Pre­digt, wir le­sen aus der Bi­bel“, sagt er. West­by ist ein freund­li­cher Mann oh­ne Ta­lar, da­für mit Je­ans und Cow­boy­hut. Das Wort Got­tes - das sei oh­ne­hin nicht zu schla­gen.

Der Raum ist schlicht, die schmuck­lo­sen Kir­chen­bän­ke ste­hen auf Pflas­ter, das noch an die Ur­sprungs­nut­zung er­in­nert. Die Wän­de sind mit Kru­zi­fi­xen ge­pflas­tert. Auf ei­nes ist Pas­tor West­by be­son­ders stolz: Es ist ganz aus Le­der ge­macht - aus dem Le­der von vier Paar Cow­boy­stie­feln. Ein Freund hat der Kir­che die Stie­fel kurz vor sei­nem Tod ver­macht, die ihn durch sein Le­ben be­glei­tet hat­ten.

Vor 23 Jah­ren hat West­by die Cow­boy­kir­che in Fort Worth ge­grün­det. Da­mals wur­den er und sei­ne klei­ne Ge­mein­de noch als Spin­ner ab­ge­tan. Heu­te sind Cow­boy­kir­chen - in­halt­lich oft an bap­tis­ti­sche Tra­di­tio­nen an­ge­lehnt - das gro­ße Phä­no­men der kirch­li­chen Be­we­gun­gen in den teils streng christ­li­chen Ver­ei­nig­ten Staa­ten.

Me­tho­dis­ten, Bap­tis­ten, Ka­tho­li­ken - al­le gro­ßen Kon­fes­sio­nen kämp­fen mit Mit­glie­der­schwund. Seit 2007 ver­lo­ren die christ­li­chen Kir­chen der USA fünf Mil­lio­nen Gläu­bi­ge, fand das Pew In­sti­tut in ei­ner gro­ßen Stu­die zur Re­li­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit der Ame­ri­ka­ner her­aus.

Doch Cow­boy­kir­chen schie­ßen wie Pil­ze aus dem Bo­den. 2500 sind in den ver­gan­gen Jah­ren neu ent­stan­den. Lo­ri Stap­les kann ein Lied da­von sin­gen. Die 51-Jäh­ri­ge tourt mit ih­rer Band „Ju­sti­fied By Face“von Kir­che zu Kir­che.

Statt Cho­rä­le gibt es Coun­try­Songs mit Got­tes­be­zug. Wenn Lo­ri im Na­men des All­mäch­ti­gen ih­ren Re­so­nanz­kör­per klin­gen lässt, wippt der Stie­fel von al­lei­ne.

„Un­ser Ge­heim­nis ist: Wir ha­ben al­le Bar­rie­ren für den Kirch­gang über den Hau­fen ge­wor­fen“, sagt Stap­les. In vie­le Kir­chen in den USA geht man im Sonn­tags­an­zug, und die Frau­en tra­gen Hut. „Bei uns sind al­le will­kom­men. Auch die, die noch noch den Dreck von der Ranch an den Stie­feln ha­ben.“

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