„Ir­gend­wann wer­de ich er­wach­sen“- Frank Zan­der ist jetzt 75

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Im „Tat­ort“hat er vor ein paar Jah­ren mal ei­nen Zu­häl­ter ge­spielt. Das hat Frank Zan­der ge­fal­len. Auf wel­che Rol­le er noch Lust hät­te? „Kein Lieb­ha­ber, das liegt mir nicht. Lie­ber so ei­nen ganz Bö­sen oder ei­nen wit­zi­gen Ty­pen.“Zan­der hat viel vor: ein neu­es Al­bum, Ma­len, ei­ne Aus­stel­lung, Fil­men, Fo­to­gra­fie­ren, nach Ibi­za rei­sen und mit der Ei­sen­bahn spie­len. Und es gibt ein gro­ßes Fest mit 150 Leu­ten. Jetzt am 4. Fe­bru­ar wur­de der be­lieb­te En­ter­tai­ner, Sän­ger und Schau­spie­ler 75 Jah­re alt.

Wenn sich je­mand „Ber­li­ner Ur­ge­stein“auf die Vi­si­ten­kar­te dru­cken könn­te, dann er. Von Zan- der stammt die Sta­di­on-Hym­ne der Her­tha, „Nur nach Hau­se geh‘n wir nicht“nach Rod Ste­warts „I Am Sai­ling“. Je­des Jahr lädt er vor Weih­nach­ten Tau­sen­de Ob­dach­lo­se zum Gän­se­bra­ten in ein Ber­li­ner Ho­tel ein, wo Pro­mi­nen­te kell­nern.

Sei­nen Show-Kol­le­gen sagt Zan­der: „Ein biss­chen was von eu­rer vie­len Koh­le könn­tet ihr schon mal an­de­ren ge­ben.“Ge­ra­de hat er den Bran­den­bur­ger Ver­dienst­or­den für sein so­zia­les En­ga­ge­ment be­kom­men, das Bun­des­ver­dienst­kreuz hat er schon.

Zan­der war mal der Spaß­vo­gel der Na­ti­on. Zum Fern­seh­star wur­de der im­mer noch blon­de Schnauz­bart-Trä­ger in ei­ner Zeit, als es nur drei Pro­gram­me gab. Mit Hel­ga Fed­der­sen stand er in der le­gen­dä­ren „Plat­ten­kü­che“, ei­ner sei­ner gro­ßen Hits heißt „Hier kommt Kurt“. Auch den En­ten­tanz hat er mal par­odiert. Zan­der ist, wie er selbst sagt, „ei­ner der er­folg­reichs­ten Come­dy-Sän­ger al­ler Zei­ten“.

Ge­bo­ren in Ber­lin-Neu­kölln, mach­te er in den 60er Jah­ren ei­ne Aus­bil­dung zum Gra­fi­ker. Sei­ne An­fän­ge als Mu­si­ker wa­ren ro­ckig. Be­rühmt wur­de er in den 70er und 80er Jah­ren. An die Zei­ten der WDR“Plat­ten­kü­che“und ih­ren Nach­fol­ger „Bana­nas“, bei­des Mu­sik- und Sketch-Shows, denkt er ger­ne. Wo­bei er da­mals auch um die Häu­ser ge­zo­gen ist, wie er er­zählt. Was nicht vie­le wis­sen: Für 600 Mark hat Zan­der mal „Adolf“als ei­nen sei­ner Vor­na­men strei­chen las­sen.

Am Te­le­fon ist Zan­der lo­cker. Er hat noch die mar­kan­te rau­chi­ge Stim­me von frü­her. Ein Rent­ner zu sein, das ist nichts für ihn. Da denkt er an al­te Män­ner, die am Ofen sit­zen und den Keks in den Kaf­fee stip­pen. „Ich möch­te wei­ter ma­chen, ich ha­be ein­fach noch Lust.“Im Kopf sei er noch 49. „Und ir­gend­wann wer­de ich er­wach­sen.“

Mor­gens hat Zan­der sei­ne Ri­tua­le: erst den har­ten Schwamm mit kal­tem Was­ser, dann bei ei­nem Ap­fel-Ba­na­nen-Früh­stück die Nach­rich­ten­sen­der gu­cken. Die „Ar­sch­lö­cher“auf der Welt, der Kli­ma­wan­del, die Bör­se, das macht Zan­der nach­denk­lich: „Sind wir denn nur noch auf Wachs­tum aus?“Aber er sei Op­ti­mist. „Ir­gend­wie krie­gen wir das schon hin.“

Zan­der ist ein Fa­mi­li­en­mensch. „Wich­tig ist das Zu­hau­se, das ist wie ein Fun­da­ment.“Seit Jahr­zehn­ten wohnt er im sel­ben Haus in Char­lot­ten­burg und ist mit sei­ner Evy glück­lich ver­hei­ra­tet. Die passt laut Zan­der bei Be­geg­nun­gen mit jun­gen Frau­en auf: „Da kriegt mei­ne Frau ganz en­ge Au­gen, wenn Mä­dels um mich rum sind und sa­gen, mach‘ mal ein Fo­to.“

Vor sei­nem Ge­burts­tag ist Zan­der nach­denk­lich. Der Ze­nit sei er­reicht. „Es kommt jetzt die Zeit des Abräu­mens.“Gro­ße Ge­schen­ke woll­te er nicht, da­für aber je­de Men­gel Tru­bel. Sein Sohn Mar­cus (48) hat ihm vor der Fei­er bei ei­nem Freund in Ber­lin-Lübars ge­sagt: „Va­ter, du wirst dich wun­dern.“

Und die Her­tha? Dem Ber­li­ner Bun­des­li­gis­ten wünscht Zan­der den Spit­zen­platz. Wie wä­re es, wenn Her­tha ein neu­es Sta­di­on nach ihm be­nen­nen wür­de? Zan­der lacht. In Sa­chen Na­men­seh­re wä­re er be­schei­de­ner: „Viel­leicht mal ei­ne klei­ne Stra­ße in Neu­kölln.“

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