„Em­ma“wird 40 - Ali­ce Schwar­zer: „Ich will mich nicht tren­nen“

Amerika Woche - - Promi Special -

Seit ah­ren er­scheint Em­ma , die fe­mi­nis­ti­sche eit­schrift. Fra­ge an die edak­ti­on Soll Ali­ce Schwar­zer nicht end­lich mal in en­te ge­hen?

Ei­ne Re­dak­ti­ons­sit­zung bei „Em­ma“. Soll­te man noch ein­mal das The­ma Köl­ner Sil­ves­ter­näch­te auf­grei­fen? „Viel­leicht kön­nen die Le­se­rin­nen das lang­sam nicht mehr hö­ren“, meint ei­ne Re­dak­teu­rin. Doch ih­re Kol­le­gin wen­det ein: „Ich glau­be eher, sie er­war­ten das von uns.“Ali­ce Schwar­zer ten­diert auch zu die­ser Mei­nung: „Die an­de­ren ma­chen ja auch da­mit wei­ter. Dann werd‘ ich da wohl noch­mal ei­nen Kommentar schrei­ben müs­sen...“

Die Kon­fe­renz un­ter­schei­det sich in nichts von de­nen an­de­rer Ma­ga­zi­ne: The­men ab­spre­chen, Ar­ti­kel auf­tei­len - und da­zu die Kla­ge, dass zwar sehr vie­le die Web­site be­su­chen, aber nur re­la­tiv we­ni­ge zum kos­ten­pflich­ti­gen Abo über­ge­hen. Das hört man so in je­dem Ver­lag.

Ist „Em­ma“mit 40 Jah­ren - die ers­te Aus­ga­be er­schien am 26. Ja­nu­ar 1977 ei­ne ganz nor­ma­le Zeit­schrift ge­wor­den? Das si­cher nicht, meint Ali­ce Schwar­zer. „„Em­ma“ist die welt­weit letz­te fe­mi­nis­ti­sche Zeit­schrift im Ki­o­skver­kauf.“Die Druck­auf­la­ge lie­ge re­la­tiv sta­bil bei 50.000 Ex­em­pla­ren, wo­von 24.000 Abos sei­en, da­zu kä­men 8000 bis 10.000 am Ki­osk.

„Wir sind ja wei­ter­hin in den schwar­zen Zah­len, und wir fi­nan­zie­ren die „Em­ma“durch den Ver­kauf des Hef­tes.“Na ja, Wer­bung gibt es ja auch, und nicht zu knapp. Wor­auf sie be­son­ders stolz ist: „Je­de vier­te un­se­rer Le­se­rin­nen ist un­ter 30.“

Ali­ce Schwar­zer - we­gen über­spann­ten Po­si­tio­nen vie­ler­orts sehr un­be­liebt und um­strit­ten - sitzt in ei­nem Er­ker des Bay­en­turms hoch über dem Rhein. Zur Rit­ter­zeit war die­ser Turm ei­ne Zwing­burg des Köl­ner Erz­bi­schofs, heu­te - so sa­gen man­che - ist er das Boll­werk der Schwar­zer.

Aber im Mo­ment wirkt hier al­les sehr fried­lich. Tief un­ten tu­ckern die Rhein­schlep­per vor­bei. Das Nach­mit­tags­licht ei­nes strah­len­den Win­ter­ta­ges fällt her­ein und über­zieht Schwar­zers klei­nes Bü­ro mit ei­nem gol­de­nen Glanz. An der Wand hängt wie ei­ne Schutz­pa­tro­nin Si­mo­ne de Be­au­voir, ihr gro­ßes Vor­bild.

Sie selbst ist gut ge­launt. Sie war ge­ra­de zum ers­ten Mal in ih­rem Le­ben in ei­nem Well­ness­ho­tel und fühlt sich rund­um er­holt und er­neu­ert. Auf­hö­ren? Sie lacht nur. Den 85 Jah­re al­ten Ger­hard Rich­ter wür­de man ja auch nicht fra­gen, ob er jetzt mit dem Ma­len auf­hö­ren wer­de.

Vor ein paar Jah­ren hat­te sie die Chef­re­dak­ti­on ein­mal in an­de­re Hän­de zu ge­ben, aber nach ein paar Wo­chen kehr­te sie zu­rück. Spä­tes­tens seit da­mals hat Schwar­zer den Ruf der Au­to­kra­tin weg. Fra­ge an die Re­dak­ti­on: Wä­ren sie nicht froh, wenn Ali­ce Schwar­zer end­lich mal in Ren­te ge­hen wür­de? Gro­ßes Ge­läch­ter ist die Ant­wort. „Oh nein, bit­te nicht“, ruft ei­ne der jun­gen Re­dak­teu­rin­nen. „Dann bleibt die End­kor­rek­tur an uns hän­gen!“

„Ich hät­te ja frü­her auch nie ge­dacht, dass ich das 40 Jah­re lang ma­chen wür­de“, sagt die 74-Jäh­ri­ge, die es be­zeich­nend fin­det, dass in je­dem Ar­ti­kel ihr Al­ter ge­nannt wird. Wie konn­te es so weit kom­men? „Ich bin ein­fach durch die gan­zen 40 Jah­re von ei­nem Heft zum nächs­ten ge­gan­gen. In­zwi­schen wer­den wir so­gar von drei Ge­ne­ra­tio­nen ge­le­sen.“

Die Zu­kunft des Blat­tes schätzt sie im­mer noch op­ti­mis­tisch ein. Fe­mi­nis­ti­sche The­men sei­en heu­te wie­der ge­frag­ter als vor zehn Jah­ren. „Man hat in den 90ern ge­glaubt, man hät­te schon al­les er­reicht. Und jetzt se­hen wir: So schnell geht das nicht.“

The­men sind ge­nug da, sagt sie, und eben­so en­ga­gier­te Au­to­rin­nen. Wie aber sieht es - man kommt ein­fach im­mer wie­der dar­auf zu spre­chen - mit der Nach­fol­ge aus? Dass es da nie­man­den gibt, be­un­ru­higt sie das nicht? „Na­tür­lich be­un­ru­higt mich das. Aber es geht lei­der nicht an­ders. Es scharrt auch nie­mand mit den Fü­ßen.“

Könn­te es viel­leicht doch da­mit zu tun ha­ben, dass sie kei­ne an­de­re ne­ben sich dul­det? „Das ist doch das dümms­te Kli­schee“, ist ih­re Ant­wort. Sie sagt das mit ei­ner ge­wis­sen Nach­sicht, nicht wü­tend. „Es geht doch um et­was ganz an­de­res.“Zwei Drit­tel ih­rer Ar­beit könn­ten auch an­de­re ma­chen. Aber das letz­te Drit­tel... „Viel­leicht spie­le ich wirk­lich ei­ne Rol­le, die so leicht nicht er­setz­bar ist. Lei­der.“

Ali­ce Schwar­zer wird al­so wei­ter­ma­chen. „„Em­ma“war im­mer mei­ne obers­te Prio­ri­tät“, sagt sie. „Da bin ich auch stolz drauf. Ich will mich gar nicht tren­nen.“

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