My­then und Fak­ten zum Al­ko­hol

ier auf Wein, das lass sein Was ist dran an den olks­weis­hei­ten über Al­ko­hol­ge­nuss? Ein aar ach­fra­gen zur ar­ne als­zeit

Amerika Woche - - Nachrichten - Bier auf Wein, das lass‘ sein - ist da was dran? Wie vie­le Glä­ser Wein, Bier oder Schnaps muss ein Er­wach­se­ner trin­ken, um sich aus­zu­he­beln? Im Rhein­land hei­ßen Ba­bys, die ex­akt neun Mo­na­te nach dem när­ri­schen Aus­nah­me­zu­stand ge­bo­ren wer­den, scherz­haft Ka

Im Kar­ne­val herrscht Nar­ren­frei­heit - oft auch beim Al­ko­hol. Der Psych­ia­ter und Sucht­ex­per­te Da­ri­us Ch­ahmo­ra­di Ta­ba­ta­bai (run­des Fo­to) will kei­ne Spaß­brem­se sein. „Es wä­re ver­kehrt, den kon­trol­lier­ten Rausch, den wir uns zu Kar­ne­val ge­neh­mi­gen, ge­ne­rell zu mo­ra­li­sie­ren“, sagt der Chef­arzt am Vi­van­tes Au­gus­teVik­to­ria-Kli­ni­kum in Ber­lin. Doch an­de­rer­seits dürf­ten Ri­si­ken nicht ver­harm­lost wer­den. Und längst nicht je­de Volks­weis­heit ist wahr.

Was man zu­erst trinkt, spielt über­haupt kei­ne Rol­le. Es geht im­mer um die Men­ge. Wein reizt den Ma­gen mehr durch die hö­he­re Al­ko­hol­kon­zen­tra­ti­on. Von Schnaps ganz zu schwei­gen. Und die Kom­bi­na­ti­on aus al­lem kann Übel­keit be­schleu­ni­gen.

Die Ver­träg­lich­keit ist sehr in­di­vi­du­ell. Das liegt an den Ge­nen. Die Le­ber und En­zym­sys­te­me spie­len da­bei ei­ne gro­ße Rol­le. Es gibt Men­schen, die nach zwei Glä­sern Wein rich­tig ei­nen im Tee ha­ben. An­de­re mer­ken da sub­jek­tiv noch gar nichts. Vie­le sind aber über­rascht, wie nied­rig ri­si­ko­ar­me Men­gen an­ge­setzt sind. Bei Frau­en ist das ein Glas Weiß­wein, bei Män­nern sind es zwei - bei min­des­tens zwei al­ko­hol­frei­en Ta­gen in der Wo­che.

Ja, da ist die Stu­di­en­la­ge recht klar. Das Ri­si­ko für Fehl­ge­bur­ten und Schä­di­gun­gen die­ser Kin­der ist er­höht. Auch wäh­rend der Schwan­ger­schaft er­hö­hen be­reits ge­rin­ge Men­gen von Al­ko­hol Fehl­bil­dungs­ri­si­ken. Des­halb soll­ten auch Schwan­ge­re im Kar­ne­val kei­ne Aus­nah­me ma­chen.

Es gibt kei­ne For­mel, auch das ist sehr in­di­vi­du­ell. Al­ko­hol ist letzt­lich ein Ner­ven­gift, das ein­zel­ne Zel­len ne­ga­tiv be­ein­flus­sen kann. Bis hin zur Zer­stö­rung. Es ist eben­falls ge­ne­tisch be­dingt, wie vie­le ner­ven­schüt­zen­de Fak­to­ren ein Mensch hat. Es spielt auch ei­ne Rol­le, ob Er­kran­kun­gen an­ge­legt sind.

Wer zum Bei­spiel fa­mi­li­är be­las­tet ist, spä­ter ei­ne De­menz zu ent­wi­ckeln, für den kön­nen wie­der­hol­te Al­ko­hol­ex­zes­se mehr ins Ge­wicht fal­len als für an­de­re. Ein Voll­rausch ist trotz­dem im­mer ei­ne ar­ge Be­las­tung für das Ge­hirn.

Im Grun­de ist das wie ei­ne Nar­ko­se. Auch häu­fi­ge Ope­ra­tio­nen sind ja nicht güns­tig, weil je­de Nar­ko­se Stress für das Ge­hirn dar­stellt. Der Rausch an Kar­ne­val hat ei­ne ge­sell­schaft­li­che Ak­zep­tanz. Wenn Men­schen es schaf­fen, da­nach wie­der zum Ta­gesall­tag zu­rück­zu­fin­den, ist ein ein­zel­ner Rausch in der Sum­me des Le­bens si­cher nicht ge­fähr­lich. Doch da hängt ja noch mehr dran.

Vie­le Men­schen ma­chen sich die Ri­si­ken des Kon­troll­ver­lusts nicht klar. Da geht es nicht nur um ge­stoh­le­ne Brief­ta­schen. Es geht um Ver­kehrs­un­fäl­le. Und auch der An­teil schwe­rer Kör­per­ver­let­zun­gen un­ter Al­ko­hol­ein­fluss ist er­schre­ckend hoch. Da geht es nicht al­lein um Schlä­ge­rei­en, auch Ver­ge­wal­ti­gun­gen kom­men vor. Es gibt auch Al­ko­hol­ver­gif­tun­gen, die töd­lich en­den. Nicht nur bei Te­enagern, die bei die­sem The­ma un­se­re be­son­de­re Auf­merk­sam­keit brau­chen. Auch Er­wach­se­ne ver­schät­zen sich. Wir le­ben in ei­ner Ge­sell­schaft, die nicht mehr rein­weg Al­ko­hol kon­su­mier t. Die Schwel­le zu il­le­ga­len Dro­gen ist da­bei zu sin­ken. Die Mi­schung mit Al­ko­hol po­ten­ziert die Wir­kung und kann zum Bei­spiel zur Atem­läh­mung füh­ren.

Im Grun­de ja. Das ist ei­ne War­nung des Kör­pers: Mach das bit­te nicht mehr, das ver­trag ich nicht. Die­ses Ka­ter­ge­fühl wird durch Ab­bau­pro­duk­te des Al­ko­hols her­vor­ge­ru­fen. Man fühlt sich krank - Übel­keit, Mat­tig­keit, Kopf­schmer­zen. Die En­zy­me, die Zwi­schen­pro­duk­te ab­bau­en, sind wie­der­um sehr in­di­vi­du­ell aus­ge­prägt. Es gibt Men­schen, die krie­gen ein­fach kei­nen Ka­ter. Sta­tis­tisch ge­se­hen ha­ben sie ein hö­he­res Ri­si­ko, Pro­ble­me mit Al­ko­hol zu be­kom­men, weil ih­nen ei­ne na­tür­li­che Brem­se fehlt.

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