Stim­me der al­ten Bun­des­re­pu­blik: Ernst Hu­ber­ty wur­de 90

Amerika Woche - - Personalien -

Ernst ubert , der

ann mit dem sil­ber­nen la sc ei­tel, kom­men­tier­te u balls ie­le, o ne da­bei laut zu wer­den. mmer blieb er freund­lic kor­rekt.

Ernst Hu­ber­ty - in die­sem Na­men schwingt ei­ne Welt mit. Die gol­de­nen Zei­ten der „Sport­schau“, als man sams­tags am frü­hen Abend um Him­mels­wil­len nicht an­ru­fen durf­te, als man noch fluch­te, weil im­mer nur drei Bun­des­li­gaSpie­le zu se­hen wa­ren, und dar­un­ter war na­tür­lich wie­der mal nicht die Par­tie, die man sich sel­ber ge­wünscht hat­te.

Aber mit dem Na­men Hu­ber­ty ver­bin­det sich noch mehr. Er steht für die bie­de­re und gleich­zei­tig lie­bens­wert un­auf­ge­reg­te Kor­rekt­heit der al­ten Bun­des­re­pu­blik. Wie lan­ge das al­les schon zu­rück­liegt, wird dar­an deut­lich, dass Hu­ber­ty am 22. Fe­bru­ar 90 Jah­re alt wur­de.

Ru­hig und zu­rück­ge­nom­men war sein Kom­men­tarstil, selbst in hoch­e­mo­tio­na­len Mo­men­ten. Sei­ne be­rühm­tes­ten Re­por­ter­wor­te sind be­zeich­nen­der­wei­se „Aus­ge­rech­net Schnel­lin­ger“. Das war 1970, als Karl-Heinz Schnel­lin­ger im WM-Halb­fi­na­le ge­gen Ita­li­en in der 90. Mi­nu­te den Aus­gleichs­tref­fer mach­te - aus­ge­rech­net er, der seit Jah­ren in Ita­li­en spiel­te. Hu­ber­ty schrie das nicht her­aus. Er sag­te es ein­fach.

Der ge­bür­ti­ge Trie­rer wur­de En­de der 50er Jah­re von Wer­ner Hö­fer („Der In­ter­na­tio­na­le Früh­schop­pen“) zum WDR ge­holt und war bei der 1961 ge­star­te­ten „Sport­schau“von An­fang an da­bei. Zwei Jah­re spä­ter wur­de die Bun­des­li­ga ge­grün­det. Fra­ge von Ernst Hu­ber­ty an den da­ma­li­gen Prä­si­den­ten des 1. FC Köln: „Was kann nun in der Bun­des­li­ga ein Li­zenz­spie­ler ver­die­nen?“Ant­wort: „Der Li­zenz­spie­ler darf zwi­schen 250 und 500 Mark Grund­ge­halt ver­die­nen plus Prä­mi­en - ins­ge­samt 1200 Mark.“

Das Film­ma­te­ri­al muss­te an­fangs von Mo­tor­rad­ku­rie­ren aus den Sta­di­en zum Sen­der nach Köln ge­karrt wer­den. Die Ver­ei­ne zahl­ten zum Dank Geld da­für nicht et­wa um­ge­kehrt. In den 70er Jah­ren war die „Sport­schau“Kult. Je­der, wirk­lich je­der kann­te Ernst Hu­ber­ty mit sei­nem ast­rein ge­kämm­ten sil­ber­nen Schei­tel. Bis zu 15 Mil­lio­nen Zu­schau­er schal­te­ten je­des­mal ein. Das sams­täg­li­che Ri­tu­al für Mil­lio­nen deut­scher Nach­wuchs­hoff­nun­gen sah da­mals so aus: Ers­tens Fuß­ball­platz, zwei­tens „Sport­schau“, drit­tens Ba­de­wan­ne.

Dann kam 1982 der tie­fe Fall: We­gen ei­ner Spe­sen­af­fä­re wur­de Hu­ber­ty als WDR-Sport­chef ab­ge­setzt und ins Drit­te Pro­gramm ver­bannt. An­de­re hät­te das ver­bit­tert, ihn nicht. Zehn Jah­re spä­ter sag­te er rück­bli­ckend: „Un­term Strich ist üb­rig ge­blie­ben, dass ich in mei­nem Le­ben viel ge­lernt ha­be und dass ich mich völ­lig um­stel­len, ei­ne ganz an­de­re Ar­beit leis­ten muss­te in die­sem Hau­se, und die hat mir sehr gut ge­tan, die war für mein gan­zes Le­ben un­ge­heu­er wich­tig.“

Ob er Angst vor dem Tod ha­be, wird Hu­ber­ty in dem WDR-Film

vom heu­ti­gen „Sport­schau“-Chef Stef­fen Si­mon ge­fragt. „Ei­gent­lich nicht“, ist die la­ko­ni­sche Ant­wort. Viel­leicht wer­de er dank der mo­der­nen Me­di­zin noch et­was län­ger le­ben. „Wer­den wir dann se­hen.“

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