Stars un­ter­stüt­zen Al­ters­heim für Künst­ler

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An der Tür prangt das Schild „Kam­mer­schau­spie­le­rin“. Auf dem Flur er­in­nert ein Pos­ter an den Auf­ent­halt der Groß­mut­ter von Film­star Ro­my Schnei­der, Ro­sa Al­bach-Ret­ty. Und der 75-jäh­ri­ge Ott­wald John ist ge­ra­de von sei­nem letz­ten Auf­tritt als ak­ti­ver Schau­spie­ler zu­rück­ge­kehrt, um im Kreis von Gleich­ge­sinn­ten sei­nen Le­bens­abend zu ver­brin­gen. Das Hil­de-Wa­ge­ner-Künst­ler­heim in Ba­den bei Wien ist ei­ne Al­ter­sOa­se für Men­schen, die ihr Le­ben auf der Büh­ne, im Orches­ter­gra­ben oder an ei­ner Staf­fe­lei ver­bracht ha­ben.

„Der Zau­ber des Hau­ses ist, dass die Leu­te wis­sen, wo­von sie re­den. Sie tei­len ei­ne ge­mein­sa­me Welt“, ist Lot­te To­bisch (Foto un­ten rechts) über­zeugt. Die 91 Jah­re al­te Schau­spie­le­rin und Grand Da­me Ös­ter­reichs ist die re­so­lu­te, hu­mor­vol­le und hell­wa­che Prä­si­den­tin des Al­ten­hei­mes. Hier fin­den auch Künst­ler ein Zu­hau­se, die eher „ar­me Poe­ten“ge­blie­ben sind.

„Wenn die Ren­te nicht reicht, hilft der Ver­ein“, so die Heim­lei­te­rin An­ne­lie­se Frit­t­hum. Der Ver­ein „Künst­ler hel­fen Künst­lern“be­treibt das Haus seit mehr als 60 Jah­ren. Der Min­dest­preis für ei­nes der 25 Zim­mer mit Voll­pen­si­on liegt bei 1400 Eu­ro im Mo­nat. „Manch ei­ner hat aber nur 1000 Eu­ro Ren­te“, sagt Frit­t­hum.

Gut al­so, dass sich beim Spen­den­sam­meln auch TV-Stars wie die ös­ter­rei­chi­schen „Tat­ort“-Er­mitt­ler Ha­rald Krass­nit­zer und Ade­le Neu­hau­ser her­vor­tun. Die Mö­bel für die ge­müt­li­chen und ein­la­den­den Zim­mer stam­men auch schon mal vom Floh­markt. Mehr­fach im Mo­nat kom­men ak­ti­ve Künst­ler, um ih­ren Kol­le­gen vor­zu­le­sen oder auch et­was vor­zu­spie­len.

„Das hier ist ei­ne Wahl­ver­wandt­schaft. In den gro­ßen Hei­men herrscht ei­ne merk­wür­di­ge Ein­sam­keit in der Men­ge“, sagt To­bisch. Sie hat an di­ver­sen Thea­tern ge­spielt, hat von 1980 bis 1996 den be­rühm­ten Wie­ner Opern­ball or­ga­ni­siert, und be­steht dar­auf, dass der mit ei­nem klei­nen Flü­gel ben Ad­vent­le­sung im Künst­ler­heim mit Karl­hein ackl und Ma­ria K st­lin­ger. Un­ten um 0. Ge­burts­tag von Kurt ra­dek .v.l. gratulieren eim­lei­te­rin hris­ta Wil­lan­der links ot­te obisch- abot n Mit­te Dr. rnst Sche­bes­ta und ohann au­er rechts . ben rechts Ge­müt­li­cher Mu­sik­abend mit rnst Stan­ko ski. aus­ge­stat­te­te Ge­mein­schafts­raum „Sa­lon“ge­nannt wird.

Dort herrscht mun­te­re Kon­ver­sa­ti­on, zu­min­dest wenn der 90 Jah­re al­te Thea­ter­schau­spie­ler Kurt Hra­dek aus Graz das Wort führt. Er lobt char­mant das pink­far­be­ne Strick-Ober­teil ei­ner Be­woh­ne­rin, er­kun­digt sich ga­lant nach dem Be­fin­den. Wer vie­le Rol­len ge­spielt hat, ver­lernt das Kom­mu­ni­zie­ren nicht, so scheint es. „Ich hü­te mich da­vor, im­mer nur al­te Ge­schich­ten zu er­zäh­len“, ist Hra­dek zur Un­ter­hal­tung fest ent­schlos­sen. „Ich war ein tra­gi­scher Ko­mi­ker“, sagt er.

Auch die Wit­we des Dra­ma­ti­kers Fritz Hoch­wäl­der war als An­ge­hö­ri­ge ei­nes Künst­lers im Haus will­kom­men. Sie hat sich auf Pa­ra­psy­cho­lo­gie als Hob­by ver­legt und ge­ra­de über die Leh­ren C.G. Jungs und Sig­mund Freuds dis­ku­tiert.

„Mein Mann hat sol­che Abra­ka­da­bra-Schmähs ab­ge­lehnt“, er­in­ner t sich die 85-Jäh­ri­ge schmun­zelnd. Wenn das Haus nicht aus­ge­bucht ist, wer­den freie Zim­mer für Kurz­zeit­gäs­te an­ge­bo­ten. Für Wo­chen oder Mo­na­te ka­men z.B. die Mut­ter von Mu­si­cal-Star Dag­mar Kol­ler und die Mut­ter des Le­bens­ge­fähr­tin von TV-Star Chris­tia­ne Hör­bi­ger ins Haus.

Das Haus in der einst vom Kai­ser oft be­such­ten 25.000-Ein­woh­ner-Stadt 30 Ki­lo­me­ter süd­lich von Wien steht in der Tra­di­ti­on des „Ca­sa Ver­di“in Ita­li­en. Der be­rühm­te und schwer­rei­che Kom­po­nist Gi­u­sep­pe Ver­di (1813-1901) hat­te in ei­ner Mai­län­der Vil­la ein Al­ters­heim für rund 50 Mu­si­ker ge­stif­tet. In Deutsch­land be­treibt die Ma­rie-See­bach-Stif­tung in Wei­mar das ein­zi­ge Al­ten­heim für Büh­nen­künst­ler. Auch hier wird gro­ßer Wert auf kul­tu­rel­les Le­ben ge­legt.

„Die Al­bach-Ret­ty hat zu ih­rem 100. Ge­burts­tag das Rau­chen an­ge­fan­gen. Sie ist dann noch 106 ge­wor­den“, er­in­nert sich To­bisch, die schon als jun­ge Frau für das Heim in Ös­ter­reich um Spen­den ge­wor­ben hat, an al­te Zei­ten. Oh­ne­hin sei­en im Al­ten­heim vie­le Be­woh­ner über 100 Jah­re alt ge­wor­den. Für ih­re ei­ge­ne Vi­ta­li­tät macht sie sich ei­nen Spruch des Phi­lo­so­phen Vol­taire zu­nut­ze: „Da es sehr för­der­lich für die Ge­sund­heit ist, ha­be ich be­schlos­sen, glück­lich zu sein“, sagt sie mit blit­zen­den Au­gen.

Die Wie­ner at­ort- rmitt­ler arald Krass­nit er und Ade­le eu­hau­ser.

Auch Rain­hard end­rich ar schon u Gast im il­de-Wa­ge­ner-Künst­ler­heim, hier mit Ga­b­rie­le acob links - ot­te obisch und Gab ischof.

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