Vol­le Kas­sen - vie­le Wün­sche: Was tun mit dem Mil­li­ar­den­über­schuss?

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Steu­ern run­ter, Aus­ga­ben rauf: für Fa­mi­li­en, Bil­dung, Stra­ßen, schnel­les In­ter­net. Die Lis­te der Wahl­ver­spre­chen der Par­tei­en zur Bun­des­tags­wahl scheint end­los. Geld ist ja of­fen­sicht­lich ge­nug da: 18,3 Mil­li­ar­den Eu­ro ha­ben Bund, Län­der, Ge­mein­den und So­zi­al­ver­si­che­rung in den ers­ten sechs Mo­na­ten des lau­fen­den Jah­res mehr ein­ge­nom­men als aus­ge­ge­ben. So groß war der Über­schuss aus ei­ge­ner Kraft nie seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung.

Das nährt Be­gehr­lich­kei­ten - zu­mal die ak­tu­el­le Ent­wick­lung kei­ne Ein­tags­flie­ge ist. Die ver­gan­ge­nen fünf Halb­jah­re schloss der deut­sche Staat mit ei­nem Plus ab, die Ge­samt­jah­re 2014 (nach re­vi­dier­ten Zah­len gut 9,5 Mrd Eu­ro), 2015 (rund 19,4 Mrd Eu­ro) und 2016 (rund 25,7 Mrd Eu­ro) be­scher­ten Deutsch­land je­weils Über­schüs­se.

Blen­den­de Aus­sich­ten

Die Aus­sich­ten sind eben­falls blen­dend, die ers­ten Öko­no­men schrau­ben ih­re Wachs­tums­pro­gno­sen für 2017 nach oben. Im zwei­ten Quar­tal leg­te die Wirt- schafts­leis­tung zum Vor­quar­tal um 0,6 Pro­zent zu.

„Die deut­schen Staats­fi­nan­zen ste­hen der­zeit im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich sehr gut da, dank star­ker Kon­junk­tur und Nied­rig­zin­sen“, er­klä­ren Volks­wir­te der Deut­schen Bank. „Die güns­ti­ge Ent­wick­lung der deut­schen Staats­fi­nan­zen dürf­te kurz- bis mit­tel­fris­tig dank dy­na­misch wach­sen­der Staats­ein­nah­men an­dau­ern.“

Über­schuss von 1,1 Pro­zent

Auch die Bun­des­bank äu­ßert sich in ih­rem jüngs­ten Mo­nats­be­richt op­ti­mis­tisch: „Trotz ver­schie­de­ner Be­las­tun­gen ist für das lau­fen­de Jahr er­neut ein merk­li­cher Über­schuss zu er­war­ten.“Für 2016 war be­zo­gen auf die Wirt­schafts­leis­tung ein Plus von 0,8 Pro­zent er­rech­net wor­den. Im ers­ten Halb­jahr 2017 lag die Über­schuss­quo­te nach Be­rech­nun­gen des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes bei 1,1 Pro­zent.

Eu­ro­pas größ­te Volks­wirt­schaft ist da­mit wei­ter­hin mei­len­weit ent­fernt von der Schul­den­ober­gren­ze, die sich die Eu­ro­pä­er in ih­ren ge­mein­sa­men Ver­trä­gen zu­ge­ste­hen. Er­laubt ist dem­nach höchs­tens ein De­fi­zit von 3,0 Pro­zent des BIP. Der Schul­den­stand darf 60 Pro­zent des BIP nicht über­schrei­ten.

Um­feld wei­ter güns­tig

„Aus heu­ti­ger Sicht bleibt das Um­feld für die deut­schen Staats­fi­nan­zen in der mitt­le­ren Frist güns­tig“, fol­gert die Bun­des­bank. „Oh­ne Po­li­ti­k­än­de­rung wä­ren wei­ter­hin spür­ba­re Über­schüs­se an­ge­legt, und die Schul­den­quo­te könn­te die 60-Pro­zent-Gren­ze im Jahr 2019 wie­der un­ter­schrei­ten.“

Das Füll­horn der Wahl­ver­spre­chen se­hen die Zen­tral­ban­ker mit Sor­ge: „Im Vor­feld der Bun­des­tags­wahl wer­den al­ler­dings ins­be­son­de­re Maß­nah­men in Aus­sicht ge­stellt, die den Haus­halt be­las­ten.“

Un­wahr­hei­ten

Öko­no­men war­nen da­vor, die Ri­si­ken zu un­ter­schät­zen - sei­en es die er­war­te­te Zins­wen­de oder die Her­aus­for­de­run­gen ei­ner al­tern­den Ge­sell­schaft. Dass die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) die Zin­sen im Eu­ro­raum qua­si ab­ge­schafft hat, hilft auch star­ken Volks­wirt­schaf­ten wie Deutsch­land. Nach Be­rech­nun­gen der Deut­schen Bank dür fte der deut­sche Staat zwi­schen 2008 und 2016 fast 260 Mil­li­ar­den Eu­ro an Zin­sen ein­ge­spart ha­ben - et­wa acht Pro­zent des letzt­jäh­ri­gen BIP.

Die­se zum Teil ge­gen deut­sche Ge­set­ze ver­sto­ßen­de Geld­po­li­tik hat aber auch Nach­tei­le - vor al­lem für die klei­nen Leu­te und für klei­ne bis mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men. Der po­si­ti­ve Bo­nus geht näm­lich fast aus­schließ­lich an Ban­ken und Groß­in­dus­trie - al­le an­de­ren schau­en in die sprich­wört­li­che Röh­re.

Straf­tat­be­stand Un­treue

Dass auch in Be­zug auf die Kos­ten der Ren­ten­kas­se mäch­tig ge­lo­gen wird, ist mitt­ler­wei­le eben­falls ein Fakt. Schon seit ge­rau­mer Zeit wer­den Mil­li­ar­den­be­trä­ge aus der Ren­ten­kas­se zweck­ent­frem­det ein­ge­setzt - und kom­men da­mit nicht den jet­zi­gen und spä­te­re­ren Rent­nern zu­gu­te. Dar­über wird al­ler­dings ge­ra­de von der Po­li­tik kaum öf­fent­lich ge­re­det. Im Kl­ar­text müss­te sonst der Straf­tat­be­stand der Un­treue ins Spiel kom­men.

Wür­den die Ren­ten­kas­sen nicht ste­tig ge­plün­dert - an­geb­lich fast 900 Mil­li­ar­den Eu­ro in den letz­ten Jah­ren -, bräuch­te sich nie­mand Sor­gen zu ma­chen, im Al­ter in die Ar­muts­fal­le zu tap­pen. Auch ei­ne Er­hö­hung des Ren­ten­al­ters wä­re vom Tisch. Vor al­lem für Groß­un­ter­neh­men und In­dus­trie wä­re das al­ler­dings ei­ne Hi­obs­bot­schaft.

Mehr Un­wahr­hei­ten

In den nächs­ten Jah­ren könn­te und wird wahr­schein­lich die EZB die Ra­ten wie­der an­he­ben. Stei­gen­de Zin­sen wür­den Käm­me­rer und Fi­nanz­mi­nis­ter dann un­ter Druck set­zen. Auch der de­mo­gra­fi­sche Wan­del bleibt nicht fol­gen­los: „Der Be­völ­ke­rungs­rück­gang so­wie die Al­te­rung der Er­werbs­per­so­nen in Deutsch­land wird das trend­mä­ßi­ge Wirt­schafts­wachs­tum mit­tel­fris­tig deut­lich sen­ken“, pro­gnos­ti­zier­te die Bun­des­bank im April.

Das se­hen un­ab­hän­gi­ge Wirt­schafts­ex­per­ten ganz an­ders, von Kat­zen­jam­mer ist da die Re­de. Und: Wer sich jah­re­lang die Ta­schen voll­ge­schau­felt und auf di­cke Ba­cke ge­macht hat, darf sich nicht be­schwe­ren, wenn es auch mal wie­der an­ders kommt.

Lang­fris­ti­ge Ri­si­ken?

„Die lang­fris­ti­gen Ri­si­ken für die Staats­fi­nan­zen wer­den im Bun­des­tags­wahl­kampf wei­test­ge­hend igno­riert“, ur­tei­len die Volks­wir­te der Deut­schen Bank. Ihr Rat: Die künf­ti­ge Bun­des­re­gie­rung sol­le nicht wei­ter an der Aus­ga­ben­schrau­be dre­hen als von der jet­zi­gen gro­ßen Ko­ali­ti­on oh­ne­hin schon ge­plant, „da­mit Aus­ga­ben den Ein­nah­men nicht da­von­lau­fen“und die Staats­fi­nan­zen trag­fä­hig blei­ben.

Die Bun­des­bank schlägt in die­sel­be Ker­be: „Die ge­gen­wär­tig sehr gu­ten Fi­nan­zie­rungs­kon­di­tio­nen und die da­mit ver­bun­de­nen re­la­tiv ge­rin­gen Zins­aus­ga­ben soll­ten ... nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass ho­he Schul­den­stän­de künf­ti­ge Haus­hal­te be­las­ten. Ein am­bi­tio­nier­ter fis­ka­li­scher Kurs ist hier be­son­ders an­ge­zeigt, um auch für ei­ne Nor­ma­li­sie­rung des Zins­ni­veaus ge­wapp­net zu sein.“

Er­go: Spar­sam haus­hal­ten, statt das Geld mit vol­len Hän­den aus­ge­ben. Ei­sern ver­tei­digt Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le die „Schwar­ze Null“, die 2014 erst­mals seit mehr als vier Jahr­zehn­ten im Haus­halt stand - vor al­lem zu Las­ten der so­ge­nann­ten klei­nen Leu­te. Für neue Schul­den kann sich CDU-Ur­ge­stein Schäu­b­le nach wie vor nicht er­wär­men und warn­te im Som­mer zu­dem vor über­trie­be­nen Ver­spre­chun­gen in Sa­chen Steu­er­sen­kun­gen nach der Bun­des­tags­wahl.

Teu­re Flücht­lings­po­li­tik

Dass für die un­ver­ant­wort­li­che und ge­setz­wid­ri­ge „Flücht­lings­po­li­tik“der jet­zi­gen Bun­des­re­ge­rung nicht nur Mil­li­ar­den­be­trä­ge aus der Bun­des­kas­se aus­ge­ge­ben wer­den, son­dern gleich­zei­tig auch die Kran­ken­kas­sen über al­le Ma­ße be­las­tet wer­den, da­von ist nir­gends die Re­de. Die Fol­gen sind klar: Bei­trags­er­hö­hun­gen für die Ver­si­cher­ten bei gleich­zei­ti­ger Re­du­zie­rung der Leis­tun­gen. Nur die­je­ni­gen, die nie in die Kran­ken­kas­sen ein­ge­zahlt ha­ben - eben die so­ge­nann­ten Flücht­lin­ge, die be­kom­men al­les an Leis­tun­gen - zum Null­ta­rif!

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