„Kam­pa­gnen-Gu­ru“bringt SPÖ vor den Wah­len in größ­te Nö­te

Amerika Woche - - Alpenregion -

Sie gilt schon jetzt als po­li­ti­scher Su­per-GAU. Die Fest­nah­me we­gen Kor­rup­ti­ons­ver­dachts ei­nes en­gen po­li­ti­schen Be­ra­ters des Bun­des­kanz­lers und SPÖ-Vor­sit­zen­den Chris­ti­an Kern (Foto oben, rechts) dürf­te die Sieg­chan­cen der So­zi­al­de­mo­kra­ten bei den Wah­len im Ok­to­ber schmä­lern. Der oh­ne­hin in den Um­fra­gen weit füh­ren­de ÖVP-Chef Se­bas­ti­an Kurz kann sich die Hän­de rei­ben. „Wenn er kei­ne Feh­ler macht, ist er nur noch schwer ein­zu­ho­len“, ist Po­li­tik­be­ra­ter Tho­mas Ho­fer über­zeugt. Mit Kurz kä­me ein Ver­tre­ter der strik­ten An­ti-Mi­gra­ti­ons­po­li­tik ins Amt, mit dem sich die deut­sche An­ge­la Mer­kel dem Ver­neh­men nach nicht all­zu gut ver­steht.

Geld­wä­sche, Be­trug und Be­ste­chung - dar­um geht es bei den Er­mitt­lun­gen ge­gen den lang­jäh­ri­gen SPÖ-Be­ra­ter Tal Sil­ber­stein (Foto oben, Mit­te). Jetzt kam er mit Ge­schäfts­kol­le­gen zu­nächst für ei­ni­ge Ta­ge in Haft. Es geht dar­um, ob die Fest­ge­nom­me­nen Schmier­geld be­reit­hiel­ten, um Roh­stoff­li­zen­zen in Afri­ka zu be­kom­men.

Sil­ber­stein gilt als „Kam­pa­gnen-Gu­ru“, ei­ner, der weiß, wie Wahl­kämp­fe zu ge­win­nen sind. Er stand in sei­ner is­rae­li­schen Hei­mat schon den ExMi­nis­ter­prä­si­den­ten Ehud Ol­mert und Ehud Ba­rak zur Seite. In Ös­ter­reich be­riet er die SPÖ schon 2002. Im Jahr 2006 war er am Wahl­sieg von Al­f­red Gu­sen­bau­er maß­geb­lich be­tei­ligt.

Kern hat ihn 2016 en­ga­giert. Sil­ber­stein soll et­wa den Rechts­ruck pro­pa­giert ha­ben, nach dem Mot­to oh­ne har­te Li­nie in der Flücht­lings­po­li­tik ver­lie­re die SPÖ die um ih­re Si­cher­heit be­sorg­ten Wäh­ler. Er wur­de auch schon als „Schmutz­kü­bel­kam­pa­gnen­fach­mann“be­zeich­net.

Für die Wahl­kampf­kon­kur­ren­ten ist der Fall ein ge­fun­de­nes Fres­sen und se­hen bei Kern ein schlech­tes Ur­teils­ver­mö­gen. Dass ge­gen Sil­ber­stein bei­spiels­wei­se in Ru­mä­ni­en Kor­rup­ti­ons­er­mitt­lun­gen lau­fen, war lan­ge be­kannt. „Feh­len­der Weit­blick ist fast noch die schmei­chel­haf­te­re Er­klä­rung für das Mal­heur“, hieß es. „Schlim­mer wä­re es, soll­te Kern das Ri­si­ko be­wusst in Kauf ge­nom­men ha­ben, weil er Sil­ber­stein für un­ver­zicht­bar hielt.“

„Vor dem Hin­ter­grund der Ver­dachts­mo­men­te be­kommt der SPÖ-Slo­gan „Ho­len Sie sich, was Ih­nen zu­steht“ei­ne völ­lig neue Be­deu­tung“, ätz­te der Ge­ne­ral­se­kre­tär der rech­ten FPÖ, Her­bert Kickl. Die Par­tei for­dert den Rück­tritt Kerns, soll­ten sich die Vor­wür­fe ge­gen Sil­ber­stein er­här­ten. „Wie ist es mög­lich, dass man ei­ne der­art um­strit­te­ne Fi­gur wie Sil­ber­stein als Be­ra­ter des Bun­des­kanz­lers ins ös­ter­rei­chi­sche Macht­zen­trum in ei­ne Schlüs­sel­po­si­ti­on setzt?“, so Kickl.

„Wir ha­ben von An­fang an kri­ti­siert, dass die SPÖ mit sol­chen Be­ra­tern ar­bei­tet und Wahl­kampf­me­tho­den nach Ös­ter­reich im­por­tiert, die es bei uns nicht ge­ben

soll­te“, schrieb die Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin der kon­ser­va­ti­ven ÖVP, Eli­sa­beth Kös­tin­ger, auf Face­book. Die SPÖ führt seit 2013 ei­ne gro­ße Ko­ali­ti­on mit der ÖVP. Die Zwangs­ehe gilt als zer­rüt­tet.

Die Kon­kur­renz wer­de die Füh­rungs­fä­hig­keit des Re­gie­rungs­chefs in­fra­ge stel­len, der schil­lern­de bis du­bio­se Fi­gu­ren in sei­ner Nä­he dul­de, sagt Po­lit­be­ra­ter Ho­fer: „Spä­tes­tens bei den TV-Du­el­len kommt das auf ihn zu.“Ge­ra­de für die auf Bier­zelt-Wahl­kampf spe­zia­li­sier­te FPÖ, auf de­ren Feld die SPÖ mit ih­rer Si­cher­heits­kam­pa­gne wil­dern woll­te, scheint die Af­fä­re ein po­li­ti­sches Ge­schenk. Die FPÖ war zu­letzt in Um­fra­gen stark ab­ge­rutscht.

Zu­dem steht des Kanz­lers SPÖ der­zeit in den so­zia­len Me­di­en hef­tigst in der Kri­tik. Zwar ist der Ur­sprung des An­sto­ßes schon ein Jahr alt, flammt aber ge­ra­de wie­der um­so mehr auf. Als im Au­gust 2016 be­kannt wur­de, dass Andreas Ga­ba­lier (Foto un­ten, rechts) als ers­ter Ös­ter­rei­cher ein „MTV Un­plug­ged“auf­neh­men wür­de, war Chris­toph Baum­gär­tel (Foto un­ten, links), stell­ver­tre­ten­der SPÖ-Vor­sit­zen­der von Lan­gen­zers­dorf in Nie­der­ös­ter­reich, al­les an­de­re als er­freut - und er­laub­te sich ei­ne Ent­glei­sung, die ih­res­gleich sucht. Er be­zeich­ne­te Ga­ba­lier als „Voll­pfos­ten“und sag­te wei­ter: „Da hat sich ein­deu­tig der Fal­sche er­schos­sen ...“- in An­spie­lung auf den Selbst­mor von Nir­va­naSän­ger Kurt Co­bain.

Für sei­nen Kom­men­tar hat­te sich der Po­li­ti­ker zwar ent­schul­digt, das konn­te Ga­ba­lier aber nicht rei­chen. „Ni­veau­lo­ser geht es ja­wohl nicht mehr! Wenn ein aus­üben­der Künst­ler als “Voll­pfos­ten“be­zeich­net wird und die­sem im Zu­sam­men­hang mit dem tra­gi­schen Selbst­mord von Kurt Co­bain sinn­ge­mäß ge­ra­ten wird, sich selbst zu er­schie­ßen, dann ist je­de Gren­ze über­schrit­ten. Es ist un­er­träg­lich, wenn ein Arzt und SPÖ-Funk­tio­när ei­nem Mu­si­ker, der in sei­ner Fa­mi­lie schwe­re ähn­li­che Schick­sals­schlä­ge er­lei­den muss­te, emp­fiehlt sei­nem Le­ben ein En­de zu set­zen. Das ist nicht to­le­rier­bar und bö­se“, pos­te­te Ga­ba­lier..

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