Mons­ter aus Mallor­ca - wundersame We­sen ge­lan­det

Mir s Vo­gel- igu­ren und an­de­re wundersame an­ta­sie­we­sen sind zum Über­win­tern in Brühl. Dort zeigt ein Mu­se­um das plas­ti­sche erk des spa­ni­schen ünst­lers.

Amerika Woche - - Kultur -

oan Miró war ein frü­her Mallor­ca-Ur­lau­ber. Schon als klei­ner Jun­ge ver­brach­te der 1893 in Bar­ce­lo­na ge­bo­re­ne Uhr­ma­cher­sohn die Fe­ri­en oft bei sei­nen Groß­el­tern auf der Insel. Auf Jahr­märk­ten ent­deck­te er dort klei­ne Ton­pfei­fen-Fi­gu­ren: Rei­ter, Stie­re oder Frau­en­gestal­ten. Sie fas­zi­nier­ten ihn so sehr, dass er sie sam­mel­te. Spä­ter be­gann er selbst, fan­ta­sie­vol­le Plas­ti­ken zu er­schaf­fen. Ei­ne Aus­wahl da­von ver­eint jetzt das Max-Ernst-Mu­se­um in Der Künst­ler Mit­be­grün­der der ein­fluss­rei­chen Grup­pe ZER in Düs­sel­dorf, ist neu­er Trä­ger der Mo­ses Men­dels­sohn Me­dail­le. Der 86-Jäh­ri­ge be­kam die Aus­zeich­nung - wie von uns be­reits an­ge­kün­digt - für sei­ne Ver­diens­te um die deutsch-jü­di­sche Ge­denk­kul­tur so­wie um To­le­ranz und V lker­ver­stän­di­gung Brühl bei Köln für die Aus­stel­lung „Miró - Welt der Mons­ter“.

Es sind Mons­ter, die nie­man­dem Angst ma­chen - sie se­hen eher lus­tig aus und kom­men aus dem Mu­se­um der Fon­da­ti­on Ma­eght in Süd­frank­reich, das über 160 Miró-Skulp­tu­ren ver­fügt. Rund 40 bis zu drei Me­ter ho­he Bron­ze­plas­ti­ken bil­den jetzt das Herz­stück der Aus­stel­lung mit ins­ge­samt 67 Wer­ken. Es ist ei­ne Schau für die gan­ze Fa­mi­lie, denn Mirós Traum­fi­gu­ren spre­chen al­le an - Kin­der ganz be­son­ders.

Miró (links imFo­to) be­wun­der­te Kin­der da­für, dass sie - vor al­lem wenn sie noch klei­ner sind - so­fort zu bas­teln und ma­len an­fan­gen kön­nen, oh­ne sich erst zu über­le­gen, was sie über­haupt dar­stel­len wol­len. Das er­gibt sich dann schon von al­lein.

Ge­nau­so woll­te Miró auch ar­bei­ten. Sei­ne For­men­spra­che ha­be sich ei­gent­lich oh­ne sein Zu­tun von selbst ent­wi­ckelt, sag­te er. Sie sei lang­sam ge­wach­sen wie ein Gar­ten. Da­bei half ihm auch ein frü­her Rat zu­ge­spro­chen, wie die Mo­ses Men­dels­sohn Stif­tung am Mitt­woch vor der Preis­ver­ga­be mit­teil­te. Die Me­dail­le wird seit 199 ver­lie­hen. Sie er­in­nert an den deut­schen Auf­klä­rungs-Phi­lo­so­phen Mo­ses Men­dels­sohn (1729-1786).

Der ira­kisch-kur­di­sche Au­tor er­hält den Nell -Sachs-Preis, den Li­te­ra- sei­nes Kunst­leh­rers: Weil Miró an­fangs zwar ein Ge­fühl für Far­ben hat­te, sich mit For­men aber schwer tat, emp­fahl ihm der Leh­rer, ei­nen un­be­kann­ten Ge­gen­stand mit ver­bun­de­nen Au­gen ab­zu­tas­ten und hin­ter­her aus der Er­in­ne­rung zu zeich­nen.

1956 zog Miró ganz nach Mallor­ca, auf die Fe­ri­en­in­sel sei­ner Kind­heit. Dort sam­mel­te er am Saum des Mee­res Ma­te­ri­al für sei­ne Skulp­tu­ren: Treib­holz, ei­ne Sar­di­nen­büch­se, Mu­scheln, ei­ne Fe­der. Al­te Schwarz-Weiß-Fotos zei­gen ihn in Ba­de­ho­se an den da­mals noch men­schen­lee­ren Sand­strän­den. In sei­nem Ate­lier sta­pel­te er die Fund­stü­cke mit vie­len an­de­ren All­tags­ge­gen­stän­den in der Ecke. Er hat­te da ei­nen Stroh­hut, ei­nen Plumps­klo­sitz und ei­nen Schild­krö­ten­pan­zer.

Und er lieb­te es, die­se Din­ge zu im­mer neu­en Fi­gu­ren zu­sam­men­zu­set­zen. An­schlie­ßend fer­tig­te er da­von ei­ne Form an und goss die Fi­gu­ren in Bron­ze. Da­nach konn­te tur­preis der Stadt Dort­mund. Die Aus­zeich­nung ist mit 15 000 Eu­ro do­tiert. Nach Ein­schät­zung der Jur zählt Ali zu den be­deu­ten­den Au­to­ren der is­la­mi­schen Welt, sein Werk sei im Wes­ten aber weit­ge­hend un­ent­deckt. Er schrei­be auf Sora­ni, der süd st­li­chen Va­ri­an­te des Kur­di­schen, teil­te die Stadt wei­ter mit. Bis­lang sind zwei Ro­ma­ne in deut­scher Spra­che er­schie­nen, „Die Stadt der wei­ßen Mu­si­ker“und „Der letz­te Gra­nat­ap­fel“. Da­rin setzt er sich mit dem Schick­sal der ira­ki­schen Kur­den aus­ein­an­der. Bacht ar Ali wur­de 1966 in der nord­ira­ki­schen Stadt Su­lai­ma­ni a ge­bo­ren lebt seit Mit­te der 90er-Jah­re in Deutsch­land. Der tür­ki­sche Jour­na­list

er­hält ei­nen Preis der Fried­rich-Nau­mann-Stif­tung. Sie zeich­net den seit En­de er die Ge­gen­stän­de in an­de­rer Kom­bi­na­ti­on wie­der neu ver­wen­den. Weil er die so ent­stan­de­nen Fi­gu­ren meist bunt an­mal­te, wir­ken sie nicht wie aus Bron­ze. Sie se­hen aus, als wä­ren sie sei­nen Bil­dern ent­sprun­gen.

Um die­se Ver­bin­dung zwi­schen Bil­dern und Skulp­tu­ren noch deut­li­cher zu ma­chen, hat das Ma­xErnst-Mu­se­um zu­sam­men mit Ex­per­ten des „Co­lo­gne Ga­me Lab“die App „Miró 360°“ent­wi­ckelt: Wenn man die run­ter­ge­la­den hat und dann das Smart­pho­ne oder Ta­blet auf die Bil­der im Aus­stel­lungs­ka­ta­log hält, ver­wan­deln sie sich auf dem Bild­schirm in drei­di­men­sio­na­le We­sen.

Vo­gel­fi­gu­ren stell­te Miró be­son­ders gern dar. Nun sind sie zum Über­win­tern in Deutsch­land ge­lan­det: Bis zum 28. Ja­nu­ar bleibt die Aus­stel­lung im Max-Ernst-Mu­se­um ge­öff­net, gleich hin­ter dem Brüh­ler Schloss, das zum Welt­kul­tur­er­be zählt. Al­so gleich zwei Grün­de für ei­nen Be­such. 2016 in der Tür­kei in­haf­tier­ten In­ves­ti­ga­tiv-Re­por­ter „als Mann kla­rer Wor­te“und stell­ver­tre­tend für al­le Jour­na­lis­ten, die in tür­ki­schen Ge­fäng­nis­sen sit­zen, mit dem Raif Ba­da­wi Award 2017 for cou­ra­ge­ous jour­na­lists aus. Das teil­te die Stif­tung am Frei­tag mit. Sik schreibt un­ter an­de­rem für die re­gie­rungs­kris­ti­sche Zei­tung „Cumhu­ri et“. Ihm wird vor­ge­wor­fen, Ter­ror-Pro­pa­gan­da ver­brei­tet und staat­li­che rga­ne be­lei­digt zu ha­ben.

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