EuGH ur­teilt po­li­tisch - Or­ban stellt sich quer

Seit der lücht­lings­kri­se ist die in an­de­rung ein Rei the a in der eil die deut­sche Bun­des­kan le­rin i Al­lein­gang hat­te. ngarn und die Slo akei ehr­ten sich. er u hat nun ein po­li­ti­sches rteil gef llt

Amerika Woche - - Personalien -

In der Flücht­lings­kri­se im Som­mer 2015 war Eu­ro­pa mit der größ­ten „Flücht­lings­be­we­gung“seit dem Zwei­ten Welt­krieg kon­fron­tiert. Täg­lich ka­men Tau­sen­de Men­schen in die EU, vor al­lem nach Deutsch­land, über die Au­ßen­gren­zen in Grie­chen­land und Ita­li­en. Grund war vor al­lem die oh­ne Ab­spra­che mit den eu­ro­päi­schen „Part­nern“ge­fäll­te Ent­schei­dung der deut­schen Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel, so­wohl das Schen­gen-Ab­kom­men Schutz der Au­ßen­gren­zen - als auch das Du­blin-Ab­kom­men - Rück­füh­rung von Flücht­lin­gen in ih­re eu­ro­päi­schen An­kunfts­län­der - au­ßer Kraft zu set­zen.

Auch das bun­des­deut­sche Asyl­ge­setz feg­te Mer­kel oh­ne ir­gend­ei­ne Rück­spra­che hin­fort. Die­ses ver­langt zwin­gend ei­ne Ein­zel­prü­fung je­des Asyl­an­tra­ges. Mer­kels An­wei­sung lau­te­te hin­ge­gen, al­len Sy­rern Asyl zu ge­wäh­ren. Ei­ne Blau­äu­gig­keit, die Fol­gen hat­te: Ein Groß­zahl der in Deutsch­land An­kom­men­den ga­ben sich als Sy­rer aus, ob­wohl sie es gar nicht wa­ren.

Die EU-Län­der tra­fen dann ei­ne höchst bri­san­te Ent­schei­dung zur Um­ver­tei­lung von Mi­gran­ten in­ner­halb der Staa­ten­ge­mein­schaft. Der Streit dar­über dau­ert bis heu­te an. Der Grund für die­sen Streit ist nur all­zu gut zu ver­ste­hen: Die Ent­schei­dung zur Um­ver­tei­lung wur­de nicht von al­len EU-Staa­ten ge­tra­gen, al­so nicht ein­stim­mig ge­fällt, ob­wohl das zwin­gend er­for­der­lich ge­we­sen wä­re. Aber ganz im Mer­kel­schen Stil hat das nun der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof (EuGH) eben­falls hin­weg­ge­fegt und ei­ne Kla­ge Un­garns und der Slo­wa­kei ge­gen den da­ma­li­gen Be­schluss klar ab­ge­wie­sen.

Was wur­de 2015 ent­schie­den?

Die EU-In­nen­mi­nis­ter be­schlos­sen am 22. Sep­tem­ber 2015, 120.000 Flücht­lin­ge in­ner­halb Eu­ro­pas zu ver­tei­len. In ers­ter Li­nie ging und geht es da­bei um an­geb­li­che Bür­ger­kriegs­flücht­lin­ge aus Sy­ri­en, aber auch um sol­che aus Eri­trea und dem Irak. Die Um­ver tei­lung soll­te ei­gent­lich bis zum 26. Sep­tem­ber die­ses Jah­res ab­ge­schlos­sen sein, sie zieht sich je­doch in die Län­ge.

Ent­schei­dung

Die be­tei­lig­ten EU-Län­der drück­ten den Be­schluss ge­gen den Wi­der­stand Un­garns, Tsche­chi­ens, Ru­mä­ni­ens so­wie der Slo­wa­kei durch. Das war äu­ßerst un­ge­wöhn­lich, da der­art heik­le Ent­schei­dun­gen - auch wenn die nö­ti­ge Mehr­heit er­reicht wird - nach Mög­lich­keit ein­stim­mig un­ter den EU-Staa­ten ge­trof­fen wer­den. Dass sich nun ge­nau die­se über­gan­ge­nen Staa­ten ge­gen ei­ne er­zwun­ge­ne Auf­nah­me von Ge­fähr­dern - ein Groß­teil der Flücht­lin­ge ist nichts an­de­res - weh­ren, ist die Kon­se­quenz

War­um die­ses Ur­teil

Nach Mei­nung der Lu­xem­bur­ger Rich­ter ist der Be­schluss 2015 ein­wand­frei ge­trof­fen wor­den (Rechts­sa­chen C-643/15 und C-647/15). Die EU-Län­der sei­en be­rech­tigt ge­we­sen, vor­läu­fi­ge Maß­nah­men zu be­schlie­ßen, um auf den plötz­li­chen An­drang von Ver­trie­be­nen zu re­agie­ren. Ein­stim­mig­keit un­ter den EUStaa­ten sei da­bei nicht not­wen­dig ge­we­sen, so zu­min­dest der EuGH. Die über­gan­ge­nen Län­der se­hen das als wei­te­ren Af­front an, qua­si als Be­stra­fung, weil sie Mer­kels Kurs nicht ge­hen wol­len.

Un­garn und die Slo­wa­kei?

Un­garn müss­te ei­gent­lich ak­tu­ell 1294 Schutz­be­dürf­ti­ge auf­neh­men, die Slo­wa­kei 902. Bei­de sind da­von je­doch sehr weit ent­fernt. Die un­ga­ri­sche Re­gie­rung sucht nach dem Ur­teil - na­tür­lich - wei­ter die Kon­fron­ta­ti­on und will nach wie vor kei­ne Flücht­lin­ge auf­neh­men. „Das Ur­teil ist ei­ne po­li­ti­sche Ent­schei­dung“, mein­te Au­ßen­mi­nis­ter Pe­ter Szi­jjar­to völ­lig zu Recht. Die un­ga­ri­sche Re­gie­rung wet­ter­te zu­letzt zu­dem, die EU-Kom­mis­si­on und der Eu­ro­päi­sche Rat hät­ten sich dem „So­ros-Plan“an­ge­schlos­sen.

Nicht nur nach Auf­fas­sung des rechts-kon­ser­va­ti­ven un­ga­ri­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Vik­tor Or­ban be­ab­sich­tigt der US-Mil­li­ar­där Ge­or­ge So­ros, Flücht­lings­mas­sen nach Eu­ro­pa zu len­ken. Dies ge­sche­he durch „Un­ter­wan­de­rung“der eu­ro­päi­schen Gre­mi­en und von So­ros fi­nan­zier­ten Zi­vil­or­ga­ni­sa­tio­nen. Ziel die­ses „Plans“sei es letzt­lich, die „christ­li­che und na­tio­na­le Iden­ti­tät“der Völ­ker Eu­ro­pas zu zer­stö­ren.

Die zwar of­fi­zi­ell un­be­stä­tig­ten Vor­wür­fe sind durch­aus nach­voll­zieh­bar. An­ders ist es nicht zu er­klä­ren, dass für die­se so­ge­nann­ten Flücht­lin­ge vor al­lem in Deutsch­land al­les ge­tan wird, für die ei­ge­ne Be­völ­ke­rung hin­ge­gen nicht. Es sind schon gan­ze Sied­lun­gen an Neu­bau­ten - schmu­cke Ein- oder Zwei­fa­mi­li­en­häu­ser - ent­stan­den, in de­nen die „Flücht­lin­ge“woh­nen dür­fen - na­tür­lich miet­frei, na­tür­lich oh­ne f+r die ge­rings­ten Ne­ben­kos­ten auf­kom­men zu müs­sen.

Da fragt sich man­cher Rent­ner oder auch ein­fa­cher Ar­bei­ter, war­um ihm nicht so et­was zu­teil wird, war­um die Re­gie­rung des ei­ge­nen Staa­tes je­ne Men­schen der­art be­vor­zugt be­han­delt, wäh­rend es die ei­ge­ne Un­ter­schicht er­bärm­lich im Bo­den ver­sin­ken lässt. Nor­mal ist das auf kei­nen Fall - und für vie­le Men­schen in Deutsch­land kaum mehr zu er­tra­gen.

Die Slo­wa­kei ist nach dem Ur­teil al­ler­dings ein­ge­knickt und will es nach An­ga­ben von Re­gie­rungs­chef Ro­bert Fi­co ak­zep­tie­ren. Trotz­dem kri­ti­sier­te er die Ent­schei­dung der EU, ge­gen die die Slo­wa­kei und Un­garn ge­klagt hat­ten, als „un­ge­recht“.

Wel­che Fol­gen hat das Ur­teil?

Es ist nun zu­min­dest per po­li­ti­schem Ur­teil ge­klärt, dass der Be­schluss des Mi­nis­ter­rats vom 22. Sep­tem­ber 2015 gel­ten­des EU-Recht ist. Soll­ten sich ein­zel­ne Län­der wei­ter­hin da­ge­gen sper­ren und die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen ver­wei­gern, kann die EU-Kom­mis­si­on so­ge­nann­te Ver trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren ein­lei­ten. Sie kön­nen nach ei­nem län­ge­ren Ver­fah­ren wie­der­um in ei­ner Kla­ge vor dem EuGH und in ho­hen Geld­stra­fen mün­den.

Ge­gen Un­garn, Po­len und Tsche­chi­en hat­te die Brüs­se­ler Be­hör­de be­reits im Ju­ni ers­te der­ar­ti­ge Schrit­te ein­ge­lei­tet. EUIn­nen­kom­mis­sar Di­mi­tris Av­ra­mo­pou­los aus­ge­rech­net ein Grie­che - kün­dig­te nun an, die Ver­fah­ren zu­zu­spit­zen, soll­te sich in den kom­men­den Wo­chen am Ver­hal­ten der be­trof­fe­nen Län­der nichts än­dern.

Es könn­te al­ler­dings auch noch ganz an­ders kom­men, denn auch Tsche­chi­en und Po­len sind ganz strikt ge­gen ei­ne Flücht­lings­ver­tei­lung. Soll­te die EU tat­säch­lich dar­auf be­ste­hen - wo­mit nach die­sem Skan­dal­ur­teil wohl zu rech­nen ist -, wä­re auch ei­ne Ab­spal­tung ei­ni­ger öst­li­cher Staa­ten von der EU ei­ne Al­ter­na­ti­ve. Die Bri­ten sind - al­len an­ders­lau­ten­den Be­rich­ten von Me­di­en aus den EU-Mit­glieds­staa­ten zum Trotz - auf dem bes­ten We­ge, end­lich wie­der Herr im ei­ge­nen Haus zu sein. Da könn­te al­so auch im Os­ten noch was ge­hen - und das könn­te gleich­zei­tig ein Auf­bruch­si­gnal für an­de­re EU-Mit­glieds­staa­ten sein, die sich eben­falls vor al­lem von Deutsch­land und Frank­reich ge­gän­gelt und über­gan­gen füh­len.

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