Zwi­schen Mo­no­po­ly und Moral: Die Bun­des­li­ga und der Trans­fer-Wahn­sinn

Amerika Woche - - Sport -

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üte­rin der er­nunft und des se­ri sen irt­schaf­tens dar­ge­stellt. Aber sti t das auch

Der „Trans­fer­wahn­sinn“ist erst ein­mal vor­bei. Mehr als vier Mil­li­ar­den Eu­ro wur­den in die­sem Som­mer al­lein in Eu­ro­pas Top­li­gen für die Ver­eins­wech­sel von Fuß­ball-Pro­fis be­zahlt. Die deut­sche Bun­des­li­ga hat sich auf ei­nem völ­lig über­hitz­ten Trans­fer­markt gern als Hort der Ver­nunft und der Mä­ßi­gung ge­riert.

Aber ist sie das auch? Kann ein Ver­ein wie Bay­ern München sei­nem pro­mi­nen­tes­ten Neu­zu­gang ein Net­to­ge­halt von 6,5 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr über­wei­sen und sich da­nach noch glaub­haft über die „Ge­halts­ex­plo­sio­nen“in En­g­land und Spa­ni­en mo­kie­ren? Die Bun­des­li­ga und der Trans­fer­markt - ei­ne Ge­schich­te in drei The­sen.

„Wir ste­hen sehr so­li­de da“

Kaum je­mand hat sich wäh­rend die­ser Trans­fer­frist so häu­fig zu Wort ge­mel­det wie - aus­ge­rech­net - Uli Ho­en­eß. Sei­ne Kern­bot­schaft lau­tet in et­wa: Die Fuß­ball­welt ist ver­rückt ge­wor­den. Wir blei­ben ver­nünf­tig. Der Bau des neu­en Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trums ist für den Prä­si­den­ten des FC Bay­ern München die Ant­wort „auf den gan­zen Trans­fer­wahn­sinn und die Ge­halts­ex­plo­sio­nen“. Au­ßer­dem möch­te er „kei­nen Spie­ler für 100 Mil­lio­nen Eu­ro kau­fen, auch wenn ich sie hät­te. Da­für ist mir das Geld zu scha­de“, so Ho­en­eß. 100 Mil­lio­nen viel­leicht nicht, aber 41,5 Mil­lio­nen Eu­ro hat auch der FC Bay­ern in die­sem Jahr für nur ei­nen ein­zi­gen Spie­ler aus­ge­ge­ben: Co­ren­tin To­lis­so (Fo­to rechts), 23 Jah­re alt, ein Län­der­spiel für Frank­reich.

Stars wie Ro­bert Le­wan­dow­ski oder Ma­nu­el Neu­er be­kom­men in München wohl zwei­stel­li­ge Mil­lio­nen­ge­häl­ter brut­to pro Jahr. Der Ver­trag des Neu­zu­gangs Ja­mes Ro­d­ri­guez wur­de in­zwi­schen ver­öf­fent­licht: 541.670 Eu­ro pro Mo­nat - als Net­to­ge­halt. Wenn sol­che Zah­len für den we­gen Steu­er­be­trugs vor­be­straf­ten Ho­en­eß nicht zum Trans­fer­wahn­sinn und den Ge­halts­ex­plo­sio­nen ge­hö­ren - was sind sie dann?

Fakt ist: Auch die Trans­fer­aus­ga­ben deut­scher Ver­ei­ne ge­hen seit Jah­ren nur in ei­ne Rich­tung: steil nach oben. 577 Mil­lio­nen Eu­ro ga­ben die 18 Bun­des­li­gis­ten in die­sem Som­mer für ih­re Neu­zu­gän­ge aus. 2016 wa­ren es noch 512 Mil­lio­nen, 2016 rund 300 Mil­lio­nen. Leih­ge­büh­ren sind in die­se Sum­men noch nicht ein­mal mit ein­ge­rech­net.

Auch in Deutsch­land wer­den Trans­fers ge­tä­tigt, die noch vor drei Jah­ren nie­mand für mög­lich hielt. Der 1. FC Köln kauf­te für 16 Mil­lio­nen den ko­lum­bia­ni­schen Stür­mer Jhon Cordo­ba, der nicht ein­mal zu Ko­lum­bi­ens Na­tio­nal­team ge­hört. Bo­rus­sia Dort­mund zahl­te 20 Mil­lio­nen für den U21-Eu­ro­pa­meis­ter Ma­xi­mi­li­an Phil­ipp. Das ist wirk­lich be­schei­den im Ver­gleich zu Clubs wie Pa­ris Saint-Ger­main oder dem AC Mai­land, die ara­bi­schen be­zie­hungs­wei­se chi­ne­si­schen In­ves­to­ren ge­hö­ren. An dem „Trans­fer­wahn­sinn“be­tei­ligt sich die Bun­des­li­ga trotz­dem.

„Das ist wie Mo­no­po­ly“

Max Eberl (Mit­te) von Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach ge­hört zu den er­folg­reichs­ten Ma­na­gern der Bun­des­li­ga. Ge­nau wie an­de­re Kol­le­gen kom­men­tiert aber auch er die Aus­wüch­se des mo­der­nen Fuß­balls häu­fig mit ei­nem mo­ra­li­schen Un­ter­ton. Eberl sprach vom „Be­trug am Fan“und ei­nem Trans­fer­markt, auf dem es zu­ge­he wie beim Mo­no­po­ly. Die Fra­ge ist nur: Wo ge­nau fängt der Wahn­sinn ei­gent­lich an? Sind 222 Mil­lio­nen Eu­ro für den Welt­star Ney­mar mo­ra­lisch ver­werf­lich, 30 oder 40 Mil­lio­nen Eu­ro für ei­nen Spie­ler aber völ­lig okay? Eberl selbst hat in die­sem Som­mer ei­nen 18-jäh­ri­gen Stür­mer aus Pa­ra­gu­ay ver­pflich­tet und rund zehn Mil­lio­nen Eu­ro für ei­nen 20-Jäh­ri­gen aus der Schweiz ge­zahlt. Ziel bei­der Trans­fers könn­te es durch­aus sein, ir­gend­wann ein­mal ge­nau sol­che Ab­lö­se­sum­men für die­se Spie­ler zu ge­ne­rie­ren, die doch an­geb­lich so un­mo­ra­lisch sind.

„Wir dür­fen das Ge­schäft wie in Deutsch­land nicht so ver­teu­feln, dass es schein­hei­lig klingt“, meint da­zu Da­vid Wa­gner, der deut­sche Trai­ner des eng­li­schen Clubs Hud­ders­field Town.

Po­li­tik hät­te al­les lö­sen kön­nen

Die Er­fah­run­gen die­ses Som­mers zei­gen: Re­geln wie das Fi­nan­ci­al Fair­play der Eu­ro­päi­schen Fuß­ball-Uni­on UE­FA kön­nen den Trans­fer­markt nicht bän­di­gen. Des­halb for­dern Ver­eins­bos­se wie Karl-Heinz Rum­me­nig­ge von Bay­ern München, dass sich die Po­li­tik dar­um küm­mern müs­se. Sei­ne Idee und die des UE­FA-Prä­si­den­ten Aleksan­der Ce­fe­rin ist, dass die Eu­ro­päi­sche Uni­on dem Fuß­ball ei­nen Son­der­sta­tus ein­räumt, da­mit dor t Maß­nah­men wie Ge­halts­ober­gren­zen ein­ge­führt und spä­ter nicht wie­der von Ge­rich­ten ein­kas­siert wer­den kön­nen.

Ex­per­ten neh­men sol­che Vor­stö­ße al­ler­dings nicht son­der­lich ernst. „Nicht al­le Mit­glieds­staa­ten der UE­FA sind auch Mit­glie­der der EU“, so der An­walt und Sport­rechts­ex­per­te Joa­chim Rain (links). Die größ­ten Preis­trei­ber auf dem Trans­fer­markt wa­ren zu­letzt die eng­li­sche Pre­mie­re Le­ague und die chi­ne­si­sche Su­per Le­ague. Die ei­nen wol­len die EU ver­las­sen, die an­de­ren ge­hö­ren nicht ein­mal zu Eu­ro­pa.

„Ge­ra­de ei­ni­ge der gro­ßen und zah­lungs­kräf­ti­gen Län­der un­ter­lie­gen gar nicht dem EU-Recht“, sag­te Rain. Auch BVB-Ge­schäfts­füh­rer Hans-Joa­chim Watz­ke hält nichts von Re­gu­lie­run­gen: „Es wur­de mei­nes Wis­sens noch nie so viel Al­ko­hol ge­trun­ken wie zu Zei­ten der Pro­hi­bi­ti­on.“

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