ÖVP und FPÖ tri­um­phie­ren auch in Nie­der­ös­ter­reich

Die SPÖ sieht Wi­en als Po­li­tik-Al­ter­na­ti­ve zur rechts­kon­ser­va­ti­ven Bun­des­re­gie­rung. Das soll den Sieg bei der Land­tag­wahl 2020 si­chern, aber die Kon­ser­va­ti­ven blei­ben im Su­per­wahl­jahr 2018 auf Er­folgs­kurs.

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Mit ei­nem neu­en Lan­des­chef wol­len Ös­ter­reichs So­zi­al­de­mo­kra­ten ih­re Hoch­burg Wi­en ge­gen die kon­ser­va­ti­ve ÖVP und die rech­te FPÖ ver­tei­di­gen. Der 56-jäh­ri­ge Kom­mu­nal­po­li­ti­ker Michael Lud­wig (Foto oben) wur­de vor kur­zem zum neu­en Vor- sit­zen­den des SPÖ-Lan­des­ver­bands ge­wählt. In ei­ner Kampf­ab­stim­mung ge­gen den SPÖ-Frak­ti­ons­chef Andre­as Schie­der setz­te sich der Ver­tre­ter des rech­ten Par­tei­flü­gels mit 57 Pro­zent der Stim­men durch. Lud­wig folgt Michael Häupl, der nach 24 Jah­ren ab­trat. Er über­nimmt von ihm wohl im Mai auch das Amt des Mi­nis­ter­prä­si­den­ten. Die SPÖ will bei der Land­tags­wahl 2020 stärks­te po­li­ti­sche Kraft blei­ben, die Zei­chen da­für ste­hen al­ler­dings nicht so be­son­ders gut. Die po­li­ti­sche Kon­kur­renz bleibt ak­tu­ell näm­lich auf Er­folgs­kurs. Die ers­te von vier Land­tags­wah­len 2018 wur­de jetzt zu ei­nem ziem­lich über­zeu­gend be­stan­de­nen Stim­mungs­test für die neue rechts­kon­ser va­ti­ve Bun­des­re­gie­rung von ÖVP und FPÖ. Bei der Land­tags­wahl in Nie­der­ös­ter­reich ver­tei­dig­te die ÖVP ih­re ab­so­lu­te Mehr­heit nach Par­la­ments­man­da­ten. Wäh­rend ÖVP und SPÖ aber re­la­tiv auf der Stel­le tra­ten, leg­te die FPÖ um sat­te sechs Pro­zent­punk­te zu und kam auf 14,8 Pro­zent. Das Ab­schnei­den der Wie­ner SPÖ spielt ei­ne zen­tra­le Rol­le bei al­len Be­mü­hun­gen der So­zi­al­de­mo­kra­ten, auch im Bund wie­der an die Macht zu kom­men. Die bit­te­re Nie­der­la­ge bei der Na­tio­nal­rats­wahl im ver­gan­ge­nen Ok­to­ber will SPÖ-Chef und Ex-Kanz­ler Chris­ti­an Kern so schnell wie mög­lich ver­ges­sen ma­chen und 2022 wie­der tri­um­phie­ren.

Al­so wur­de die 1,8 Mil­lio­nen­Me­tro­po­le Wi­en zum SPÖ-Ge­gen­mo­dell zur ÖVP-FPÖ-Ko­ali­ti­on im Bund aus­ge­ru­fen: Hier so­zia­le Wär­me, so­zia­le Ge­rech­tig­keit, be­zahl­ba­res Woh­nen, Mit­ein­an­der statt Ge­gen­ein­an­der, dort So­zi­al­ab­bau, Ab­hän­gig­keit von Mil­lio­nä­ren und Haus­be­sit­zern, ein Schröp­fen selbst der Ar­beits­lo­sen - zu­min­dest aus der Sicht der SPÖ.

Das sieht Ge­win­ner Michael Lud­wig im Prin­zip ganz ge­nau­so. Aber er dürf­te die Wie­ner SPÖ ein Stück­chen wei­ter nach rechts rü­cken. Er ist ein Mann der Ge­werk­schaf­ten, die schon nach der Na­tio­nal­rats­wahl am deut­lichs­ten gar mit der Idee ei­ner SPÖ-FPÖKo­ali­ti­on ge­spielt ha­ben.

Zu­min­dest ist Lud­wig An­hän­ger ei­ner Ko­ali­ti­on mit der ÖVP. Die Kon­ser va­ti­ven wa­ren bei der letz­ten Wie­ner Land­tags­wahl 2015 mit 9,2 Pro­zent po­li­tisch fast be­deu­tungs­los ge­wor­den. Dank des Rü­cken­winds durch ÖVP-Chef und Kanz­ler Sebastian Kurz dürf­te sich die Par­tei 2020 aber ganz an­de­re Pro­zent­zah­len aus­rech­nen und wä­re als Ko­ali­ti­ons­part­ner hoch­in­ter­es­sant.

Ak­tu­ell wird Wi­en von Rot-Grün re­giert, aber die Grü­nen sind im po­li­ti­schen Ab­wind und so­gar ganz aus dem Na­tio­nal­rat ge­flo­gen. Im Macht-Po­ker wer­den sie zu­neh­mend un­in­ter­es­sant, nicht zu­letzt auch, weil sie die ös­ter­rei­chi­schen Bür­ger im­mer wie­der maß­los ent­täuscht ha­ben.

In Rich­tung FPÖ ver­such­te der schei­den­de und über die Par­tei­gren­zen hin­weg über­aus ge­ach­te­te Häupl - noch - die Dis­tanz zu wah­ren. Die an­geb­li­che so­zi­al­po­li­ti­sche Schnitt­men­ge mit den Frei­heit­li­chen ha­be sich spä­tes­tens nach de­ren ers­ten Maß­nah­men als Re­gie­rungs­par­tei in Luft auf­ge­löst. „Die FPÖ ist ge­nau­so ei­ne Par­tei des Groß­ka­pi­tals wie es die Tür­ki­sen (ÖVP) sind“und mit ih­rer Nä­he zum An­ti­se­mi­tis­mus sei sie oh­ne­hin in­dis­ku­ta­bel, so Häupl.

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