Mal an die ei­ge­ne Na­se fas­sen!

Amerika Woche - - Nachrichten - Al­les Don R. Vi­go Chef­re­dak­teur

Lie­be Le­ser,

nun ist es wie­der so weit, Spit­zen­sport­ler aus al­ler Her­ren Län­der - ups, darf man das noch sa­gen? - kämp­fen um Me­dail­len, und zum Leid­we­sen vie­ler an­de­rer sind die Rus­sen auch wie­der da­bei. Was, Sie mei­nen das wä­re ei­ne Schwei­ne­rei - Stich­wort Do­ping? Hmm, ich se­he das et­was an­ders. Zum ei­nen gilt die Un­schulds­ver­mu­tung für al­le, al­so auch für rus­si­sche Sport­ler. Bis­lang ist - bis auf ganz we­ni­ge Aus­nah­men - kaum ei­nem Sport­ler aus dem Reich des Bä­ren Do­ping nach­ge­wie­sen wor­den. Das al­lei­ne soll­te schon auf­hor­chen las­sen. In­so­weit war al­so die Sper­re al­ler rus­si­schen Sport­ler durch den In­ter­na­tio­na­len Sport­ge­richts­hof CAS auf­zu­he­ben. An­de­rer­seits wur­de groß­mun­dig kol­por­tiert, dass Russ­land „Staats­do­ping“be­trie­ben ha­be. Wenn man ganz ehr­lich ist und Wunsch­den­ken aus­schließt, so ist auch die­se An­schul­di­gung kei­nes­wegs ein­deu­tig be­wie­sen. Bei der gan­zen Ge­schich­te geht mir aber et­was ganz an­de­res durch den Kopf. So­lan­ge ich den Sport ver­fol­ge, gab es bei den Me­dail­len­spie­geln im­mer wie­der nei­di­sche Bli­cke in Rich­tung Russ­land. Mag sein, dass Do­ping im Spiel ist, aber es könn­te auch ei­ne ganz an­de­re Ur­sa­che ha­ben: die viel bes­se­re För­de­rung von Leis­tungs­sport von Mos­kau bis nach Wla­di­wos­tok. Da müs­sen die Leicht­ath­le­ten nicht nach der Ar­beit trai­nie­ren und die Eis­ho­ckey­mann­schaf­ten müs­sen nicht wie zum Bei­spiel in Deutsch­land um Trai­nings­zei­ten mit an­de­ren Sport­ar­ten kon­kur­rie­ren. Wer in Russ­land gro­ße sport­li­che Leis­tun­gen er­bringt, der wird auch bes­tens ge­för­dert. Schließ­lich ist auch der Sport ein in­ter­na­tio­na­les Aus­hän­ge­schild von Staa­ten. Wenn die bes­ten Leicht­ath­le­ten in Deutsch­land mit 1.500 Eu­ro im Mo­nat ge­för­dert wer­den, dann reicht das we­der vor­ne noch hin­ten - al­lein die Sport­ma­te­ria­li­en ver­schlin­gen Un­sum­men. Vi­el­leicht soll­ten sich die nicht-rus­si­schen Ver­bän­de da ein­fach mal an die ei­ge­ne Na­se fas­sen. (Le­sen Sie da­zu auch S. 37)

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