Ber­li­ner Hoch­schu­le macht sich lä­cher­lich:

Gom­rin­ger-Ge­dicht wird ent­fernt

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Eu­gen Gom­rin­gers Ge­dicht „ave­n­i­das“ist an der Fas­sa­de der Ber­li­ner Ali­ce Sa­lo­mon Hoch­schu­le nicht mehr er­wünscht. Nun soll es in Gom­rin­gers Wohn­ort Re­hau ge­zeigt wer­den. Ei­ne lä­cher­li­che Far­ce fin­det ein gu­tes En­de die Hoch­schu­le bla­miert sich voll­ends.

Nach dem völ­lig über­zo­ge­nen, ge­ra­de­zu wahn­wit­zi­gen Wir­bel um ein an­geb­lich se­xis­ti­sches Ge­dicht des Ly­ri­kers Eu­gen Gom­rin­ger (rechts im Bild) an der Fas­sa­de ei­ner Ber­li­ner Hoch­schu­le sol­len die Zei­len bald ei­ne Haus­wand in Gom­rin­gers baye­ri­schem Wohn­ort Re­hau schmü­cken. An ei­nem Mu­se­um in der ober­frän­ki­schen Stadt wird künf­tig groß­flä­chig das auf Spa­nisch ver­fass­te Ge­dicht „ave­n­i­das“zu se­hen sein.

Ei­ne gro­ße Mehr­heit im Re­hau­er Stadt­rat be­schloss jetzt, das Ge­dicht im öf­fent­li­chen Raum zu zei­gen. „Da­mit ste­hen die Ver­tre­ter der Re­hau­er Be­völ­ke­rung hin­ter Eu­gen Gom­rin­ger, dem Be­grün­der der kon­kre­ten Poe­sie, und set­zen sich für ihn ein“, be­ton­te Bür­ger­meis­ter Michael Abra­ham (CSU, links im Bild).

Ei­ne Wo­che zu­vor hat­te der Aka­de­mi­sche Se­nat der Ali­ce Sa­lo­mon Hoch­schu­le in Berlin be­schlos­sen, das Ge­dicht über­ma­len zu las­sen. In­ter­na­tio­nal war die Ent­schei­dung hef­tig kri­ti­siert wor­den. Der Deut­sche Kul­tur­rat, Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on von 250 Bun­des­kul­tur­ver­bän­den, re­agier­te „er­schüt­tert“.

Wo­rum geht es? Wir hat­ten be­reits über die­se maß­los über­trie­be­ne und ge­ra­de­zu idio­ti­sche An­ge­le­gen­heit be­rich­tet. An­ge­hö­ri­ge der Hoch­schu­le hat­ten mo­niert, „ave­n­i­das“kön­ne Frau­en ge­gen­über als dis­kri­mi­nie­rend auf­ge­fasst wer­den. Da­bei geht es um den Satz: „Al­le­en und Blu­men und Frau­en und ein Be­wun­de­rer“. Da­mit wür­den Frau­en, so die Kri­tik, zum Ob­jekt männ­li­cher Be­wun­de­rung de­gra­diert. Wer das so sieht, der scheint ganz si­cher weit, sehr weit von Gut und Bö­se zu sein.

Das die Ali­ce So­lo­mon Hoch­schu­le die­se Far­ce über­haupt zu­ge­las­sen hat, ist ein Rie­sen­skan­dal an sich. Was kommt als Nächs­tes, wel­cher Irr­sinn wird dem­nächst der tiefs­ten Ta­schen­rit­ze ei­ner Ak­ti­vis­tin oder ei­nes Ak­ti­vis­ten ent­sprin­gen? Ernst neh­men kann man je­den­falls we­der die „Be­sorg­ten“noch die In­sti­tu­tio­nen, die die­sem dum­men Trei­ben kei­nen Rie­gel vor schie­ben.

„In Re­hau wird das Ge­dicht nicht als se­xis­tisch be­ur­teilt, wohl­wis­send, dass es im­mer meh­re­re In­ter­pre­ta­ti­ons­mög­lich­kei­ten für das­sel­be Ge­dicht gibt“, sag­te Abra­ham. Die Idee, das Ge­dicht in Re­hau groß­flä­chig an­brin­gen zu las­sen, sei kürz­lich auf dem 93. Ge­burts­tag Gom­rin­gers ent­stan­den. Er ha­be sich mit dem Dich­ter eng ab­ge­stimmt, sag­te der Bür­ger­meis­ter. Im Früh­jahr sol­len die Ar­bei­ten an der Fas­sa­de des Mu­se­ums be­gin­nen.

Gom­rin­ger selbst hat­te die Ent­schei­dung der Ber­li­ner Hoch­schu­le kri­ti­siert. „Das ist ein Ein­griff in die Frei­heit von Kunst und Poe­sie“, hat­te der 93-Jäh­ri­ge ge­sagt.

Der in Bo­li­vi­en ge­bo­re­ne Gom­rin­ger lebt seit 1976 in Re­hau im Land­kreis Hof und grün­de­te dort im Jahr 2000 das In­sti­tut für Kon­struk­ti­ve Kunst und Kon­kre­te Poe­sie (IKKP).

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