Bun­des­wehr­ver­band: Deutsch­land darf sich im Irak nicht ver­zet­teln

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Für die künf­ti­ge Be­tei­li­gung am Kampf ge­gen die Ter­ror­mi­liz IS fehlt der Bun­des­re­gie­rung nach An­sicht des Bun­des­wehr­ver­bands ei­ne Stra­te­gie. Nun wer­den Ver­bes­se­run­gen ge­for­dert

Die Idee des Ca­pa­ci­ty Buil­ding, al­so das Be­fä­hi­gen der ira­ki­schen Ar­mee, hört sich gut an, ist aber hoch ge­fähr­lich und muss stra­te­gisch bes­ser als bis­her ab­ge­stimmt sein“, so Ver­bands­chef An­dré Wüst­ner (Foto). „Ob das so schnell ge­lingt, be­zwei­fe­le ich.“

Wüst­ner for­der­te ein in­ter­na­tio­nal ab­ge­stimm­tes stra­te­gi­sches Kon­zept. „Nicht nur durch den Ein­marsch der Tür­kei in Sy­ri­en wird näm­lich deut­lich, dass dort das „Po­wer­play“erst be­gon­nen hat.“

Der Ver­bands­chef ist der Mei­nung, Deutsch­land sol­le als „klei­ner Ak­teur“in der Re­gi­on nicht über­mü­tig wer­den. „Ein „Mis­si­on Creep“, ein Ver­zet­teln auf­grund schlei­chen­der Än­de­rung der Zweck­be­stim­mung des Ein­sat­zes, ist in die­ser Re­gi­on noch wahr­schein­li­cher als es in Af­gha­nis­tan war“, warn­te Wüst­ner. Er warn­te vor „vor­schnel­len Man­dats­be­schlüs­sen“. „Oh­ne ei­ne po­li­ti­sche Li­nie, ein stra­te­gi­sches Kon­zept für die Re­gi­on, ist je­des mi­li­tä­ri­sche En­ga­ge­ments sinn­los, es kann viel­mehr als Brand­be­schleu­ni­ger wir­ken.“

Wüs­tern fin­det zu­dem, äu­ße­re Si­cher­heit müs­se künf­tig Chef­sa­che wer­den. Die Hand­lungs­fä­hig­keit dür­fe nicht län­ger durch ver­schie­de­ne Res­sort­strei­tig­kei­ten ge­lähmt wer­den. Für ei­ne ver­bes­ser­te „Stra­te­gie­fä­hig­keit Deutsch­lands“brau­che es ei­ne Kern­zel­le im Kanz­ler­amt.

Das ist auch mehr als in­di­rekt ei­ne deut­li­che Kri­tik an der Amts­füh­rung der der­zeit kom­mis­sa­risch agie­ren­den Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin von der Ley­en (im Foto rechts), de­ren Wir­kungs­wei­se in höchs­ten Bun­des­wehr­krei­sen sehr häu­fig kri­ti­siert wird, wenn­gleich auch meis­tens hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand. Of­fe­ne und öf­fent­li­che Kri­tik am obers­ten Vor­ge­setz­ten ist we­der in der Bun­des­wehr noch in ei­ner an­de­ren Ar­mee will­kom­men.

Am Kampf ge­gen den IS be­tei­ligt sich die Bun­des­wehr der­zeit von Jor­da­ni­en aus mit „Tor­na­do“-Auf­klä­rungs­jets und ei­nem Tank­flug­zeug. Die Tor­na­dos ma­chen Auf­klä­rungs­bil­der für die An­ti-IS-Al­li­anz zur Bom­bar­die­rung von Zie­len. Die Ter­ror­mi­liz ist in Sy­ri­en und im Irak aber in­zwi­schen weit­ge­hend be­siegt. Uni­on und SPD ha­ben sich in den lau­fen­den Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen dar­auf ver­stän­digt, die mi­li­tä­ri­sche Be­tei­li­gung am Kampf ge­gen den IS ein­zu­schrän­ken. Statt­des­sen soll die Re­gi­on durch „Ca­pa­ci­ty Buil­ding“, et­wa die Aus­bil­dung von Si­cher­heits­kräf­ten, sta­bi­li­siert wer­den.

Der Bun­des­wehr­ver­band ver­tritt nach ei­ge­nen An­ga­ben die In­ter­es­sen ak­ti­ver und ehe­ma­li­ger Sol­da­ten, Be­am­ter und Ar­beit­neh­mer der Bun­des­wehr, ih­rer Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen und Hin­ter­blie­be­nen. Er gibt sei­ne Mit­glie­der­zahl mit rund 200.000 an.

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