Hel­mut Kohl: Frie­de herrscht vor al­lem an sei­nem Gr­ab

Vor ei­nem Jahr starb Hel­mut Kohl, der Kanz­ler der deut­schen Ein­heit. Er und der Um­gang mit sei­nem Er­be sor­gen nach wie vor für Ge­sprächs­stoff. Bei zwei Ver­an­stal­tun­gen wur­de des Staats­man­nes ge­dacht.

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Die Abend­son­ne fällt auf Hel­mut Kohls Gr­ab und taucht den Buchs­baum dar­auf in sanf­tes Licht. Auch ro­te Blu­men hat je­mand in die dun­kel­brau­ne Er­de un­ter­halb des brust­ho­hen Holz­kreu­zes ge­setzt. Gr­ab­be­su­che­rin Cath­rin Lins­sen kennt ih­re Na­men. „Di­p­la­de­ni­en“, sagt die Frau des ehe­ma­li­gen nord­rhein-west­fä­li­schen Fi­nanz­mi­nis­ters und CDU-Bun­des­schatz­meis­ters Hel­mut Lins­sen. Die 69-Jäh­ri­ge hat ei­nen pri­va­ten Ter­min in der Nä­he und nutzt die Ge­le­gen­heit, um das Gr­ab am Ran­de des Ade­nau­erParks in Spey­er in Rhein­land-Pfalz zu be­su­chen.

Min­des­tens 20 Be­su­cher kom- men, so die für den Park zu­stän­di­gen Mit­ar­bei­ter der Stadt. Die Zahl stieg vor al­lem vor dem 16. Ju­ni kräf­tig an, als sich Kohls To­des­tag erst­mals jähr­te. Ei­ne Be­stands­auf­nah­me zeigt: Kohl gibt nach wie vor An­lass zu Dis­kus­sio­nen, und der Frie­de, der rund um sein Gr­ab herrscht, hat noch nicht über­all Ein­zug ge­hal­ten.

Bei drei of­fi­zi­el­len Ver­an­stal­tun­gen am To­des­tag wur­de des Man­nes ge­dacht, der we­gen sei­ner Ver­diens­te um die Ein­heit Deutsch­lands und Eu­ro­pas ge­rühmt wird, aber we­gen sei­ner Ver­stri­ckung in die CDU-Spen­den­af­fä­re En­de der 90er Jah­re auch kri­ti­siert wur­de vor al­lem vom po­li­ti­schen Geg­ner. „Mit der CDU ha­be ich ver­ein­bart, dass es ein ge­mein­sa­mes, stil­les und wür­di­ges Ge­den­ken mei­nes Man­nes in Spey­er gibt, wo er be­gra­ben liegt, und an­schlie­ßend in Lud­wigs­ha­fen, wo er auf­ge­wach­sen ist und ge­lebt hat“, teil­te Kohls Wit­we Mai­ke Kohl-Rich­ter im Vor­feld mit.

Auch im ös­ter­rei­chi­schen St. Gil­gen, wo Kohl und sei­ne ers­te Frau Han­ne­lo­re jahr­zehn­te­lang Ur­laub mach­ten, gab es ei­ne Ge­denk­ver­an­stal­tung, und ei­nen Tag spä­ter ei­nen Got­tes­dienst im Speye­rer Dom, dem Kohl sich sehr ver­bun­den fühl­te und durch den er zahl­rei­che Staats­gäs­te führ­te.

Und was mach­ten Kohls Söh­ne am To­des­tag? Ihr Ver­hält­nis zu Kohl-Rich­ter gilt als an­ge­spannt, auch ak­tu­el­le Äu­ße­run­gen le­gen die­sen Schluss na­he. Auf die Fra­ge, ob er nach Spey­er und Lud­wigs­ha­fen kom­men wer­de, teil­te Wal­ter Kohl mit: „Nie­mand aus der Fa­mi­lie wur­de zu ei­ner der Ge­denk­ver­an­stal­tun­gen ein­ge­la­den.“Und sein Bru­der Pe­ter sag­te: „Wahr­schein­lich tref­fe ich mich mit mei­nem Bru­der und wir ge­hen an ei­nen Ort, an dem wir im­mer ge­mein­sam mit un­se­rem Va­ter, mit den El­tern wa­ren.“Er kün­digt zu­dem an, die Echt­heit be­stimm­ter Un­ter­schrif­ten sei­nes Va­ters über­prü­fen las­sen zu wol­len. Streit­punk­te sind u.a. des­sen Ak­ten und im­mer noch die Erb­schaft.

Aber es gab noch mehr Streit an­de­ren­orts. In Kohls Hei­mat­stadt Lud­wigs­ha­fen und im na­hen Fran­ken­thal sorg­ten auf CDU-Initia­ti­ve ge­fass­te Be­schlüs­se zur Stra­ßen- und Platz-Um­be­nen­nung nach Kohl für Pro­tes­te von Bür­gern. In Lud­wigs­ha­fen wur­den die Plä­ne The­ma im Ober­bür­ger­meis­ter-Wahl­kampf, bei der Wahl sieg­te die SPD-Ver­tre­te­rin. Die Be­nen­nungs­be­schlüs­se wur­den in bei­den Städ­ten zu­rück­ge­zo­gen.

Und nun? In Ab­stim­mung mit den Vor­sit­zen­den der Rats­frak­tio­nen in Lud­wigs­ha­fen wer­de die Fra­ge der Eh­rung nach der Kom­mu­nal­wahl 2019 in ei­nem ge­ord­ne­ten Ver­fah­ren un­ter Be­tei­li­gung der Bür­ger ent­schie­den, teilt ei­ne Spre­che­rin der Stadt mit.

Ober­bür­ger­meis­te­rin Jut­ta St­ein­ruck (SPD) ha­be von An­fang an deut­lich ge­macht, dass sie ei­ne Wür­di­gung von Kohls Ver­diens­ten um die Ein­heit Eu­ro­pas be­für­wor­te. Im Fran­ken­tha­ler Stadt­rat ver­stän­dig­te sich der Äl­tes­ten­rat nach An­ga­ben ei­ner Rat­haus­spre­che­rin zu­nächst dar­auf, dass er all­ge­mei­ner über die Um­be­nen­nung und Be­nen­nung von Plät­zen be­ra­ten will. Im rhein­land­pfäl­zi­schen Mainz wur­de be­reits ein Um­be­nen­nungs­be­schluss rea­li­siert, in Spey­er steht das be­vor.

Am Gr­ab gibt es un­ter­des­sen ei­ni­ges zu tun. Im­mer noch fehlt der St­ein, nach wie vor über­wacht ei­ne Ka­me­ra das Are­al in­ner­halb des Zauns, über das mit­un­ter ein Eich­hörn­chen huscht. Ein Schild bit­tet um Stil­le. „Das Gr­ab hat sich jetzt ge­macht“, sagt ei­ne 33 Jah­re al­te Frau, die mit ih­ren Kin­dern den na­hen Spiel­platz im Park be­sucht. Nach ih­ren Be­ob­ach­tun­gen kom­men vor al­lem vie­le äl­te­re Men­schen. Auch Kohls Wit­we ha­be sie dort schon zwei­mal ge­se­hen.

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