Re­dak­ti­ons­schluss!

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Lie­be Le­ser, ich has­se es, vor al­lem als Voll­blut­jour­na­list, der die Jour­nail­le schon seit 30 Jah­ren mit­prägt, wenn ich nicht so be­rich­ten kann, wie ich es ger­ne möch­te. Na­tür­lich gibt es im­mer wie­der Zwän­ge, de­nen man un­wei­ger­lich aus­ge­setzt ist und die ei­nen da­zu zwin­gen, viel­leicht nicht al­le Wahr­hei­ten ganz of­fen zu le­gen. Aber es muss schon ei­ne trif­ti­ge Be­grün­dung ha­ben. Mord­dro­hun­gen ha­ben mich vor vie­len Jah­ren nicht da­von ab­ge­hal­ten, ei­nen Atom-Skan­dal in Deutsch­land auf­zu­de­cken - die vie­len Tas­sen Kaf­fee mit den mich dar­auf­hin 24 St­un­den am Tag be­schüt­zen­den Po­li­zis­ten hat­ten im­mer­hin auch was. Per­sön­li­che An­fein­dun­gen ha­ben mich noch nie ge­stört, denn als Jour­na­list oder Re­dak­teur macht man sich un­wei­ger­lich Fein­de, wenn man die Wahr­heit schreibt. Nur zwei Bei­spie­le von vie­len. Das al­les ist ei­gent­lich halb so wild und ge­hört da­zu, da ist Kol­le­gen in an­de­ren Län­dern die­ser Welt schon viel schlim­me­res pas­siert. Aber es gibt auch Zwän­ge, die wer­den ei­nem durch die Na­tur - ja, tat­säch­lich - auf­er­legt. Die Zeit ge­hört da­zu! Na­tür­lich wür­de ich Ih­nen ger­ne ganz ak­tu­ell dar­über be­rich­ten, wie der Streit zwi­schen Mer­kel und See­ho­fer um die - voll mit den be­ste­hen­den eu­ro­päi­schen Ge­set­zen in Ein­klang ste­hen­den - Flücht­lings­rück­wei­sun­gen aus­ge­gan­gen ist oder ob er gar noch an­schwelt. Je­de Zei­tung hat ir­gend­wann die­sen Zeit­punkt er­reicht, wo je­de noch so re­le­van­te Mel­dung nicht mehr ins Blatt ge­bracht wer­den kann. „Was? Mer­kel ist zu­rück­ge­tre­ten? War­um nicht fünf Mi­nu­ten frü­her?“Nein, kei­ne Ban­ge, das ist kei­ne Rea­li­tät, zu­min­dest war sie das nicht, als ich die­se Zei­len hier für sie ge­schrie­ben ha­be. Wir hal­ten die deut­sche Spra­che in der Frem­de, nein, in der neu­en Hei­mat hoch und hof­fen, dass Sie die­se wei­ter­ge­ben wer­den - so wie Ih­re Ame­ri­kaWo­che, da­mit auch an­de­re da­rin le­sen kön­nen. Wir tun al­les, was wir kön­nen, um Sie bes­tens zu in­for­mie­ren. Aber ge­gen ei­ne Sa­che ha­ben wir im­mer noch kein Mit­tel ge­fun­den: Re­dak­ti­ons­schluss!

Al­les Gu­te, Ihr Don R. Vi­go Chef­re­dak­teur

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